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«Wir wollen mithilfe der eingesetzten Kommandanten direkt die Lehren ziehen»

Rund 60 Kompanie- und Bataillonskommandanten kommen am 23. Juni in Bern zum After Action Review zusammen. Unter der Leitung des Chefs der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli und des Kommandanten subsidiärer Einsatz, Korpskommandant Aldo C. Schellenberg, werden im direkten Dialog die Lehren aus dem Assistenzdienst «Corona 20» gezogen. Mit dem ersten Anlass dieser Form zeigt die Armee, dass sie eine adaptive Organisation ist, die sich ständig verbessert. Korpskommandant Schellenberg bezieht im Interview Stellung.

18.06.2020 | Michael Senn, Kommunikation Verteidigung

Korpskommandant Aldo C. Schellenberg bei einem seiner zahlreichen Truppenbesuche. Fotos: Fachof (Hptm) Marc Bergamin, Presse- und Informationsoffizier Infanteriebataillon 65

Korpskommandant Aldo C. Schellenberg, rund 60 Kompanie- und Bataillonskommandanten werden zu einem After Action Review eingeladen. Welche Ziele wollen Sie damit erreichen?

Es ist dem Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, und mir wichtig, nicht nur top-down, also von oben nach unten, zu kommunizieren, sondern die Milizkommandanten, die im Einsatz standen, bewusst und aktiv miteinzubeziehen. Wir wollen die Lehren aus dem Assistenzdienst «Corona 20» ziehen und zwar in einem direkten, ungefilterten Gespräch von Kommandant zu Kommandant. Die Armee soll eine lernende Organisation sein, die sich ständig weiterentwickelt.

Gab es in der Vergangenheit ähnliche Anlässe mit Einbezug von Bataillons- und Kompaniekommandanten?

Es gibt nach jeder Übung, nach jedem WK, nach jedem Einsatz einen Aktionsnachbereitungsprozess. Dabei wird jedoch typischerweise stufenweise, sprich von unten nach oben, und nach klaren Regeln und Prozessen auf dem Dienstweg vorgegangen. Dieses Vorgehen, dass die oberste Armeeführung das direkte Gespräch mit der Stufe Einheits- und Bataillonskommandant sucht, ist neu. Es ist jedoch die logische Fortsetzung der Kommunikationsstrategie, die wir während dem Einsatz etabliert haben.

Zur Nachbereitung werden die Kommandanten miteinbezogen. Doch wie sah der Austausch während dem Einsatz aus?

Beim sogenannten Commander's Call wurden täglich, sieben Tage die Woche, alle im Einsatz stehenden Kommandanten per Telefonkonferenz zugeschaltet. Gegen Ende des Einsatzes wurde der Rhythmus dann auf zweimal die Woche angepasst. Der Chef der Armee, ausgewählte Gastreferenten sowie ich als Kommandant subsidiärer Einsatz informierten dabei über die neusten politischen, einsatzbezogenen und fachdienstlichen Entwicklungen. Die Kommandanten konnten per Threema-App rund um die Uhr Fragen stellen, die je nach Dringlichkeit direkt oder am nächsten Commander's Call beantwortet wurden. Nicht zuletzt haben wir mehrmals pro Woche die Truppe vor Ort besucht und den direkten Dialog geführt.

Erwecken Sie mit diesem Anlass nicht den Eindruck, dass die Armee nicht mehr mit einer zweiten Welle rechnet?

Ganz im Gegenteil. Wir haben zwar am 15. und 17. Juni effektiv die letzten Milizeinheiten vom Auftrag entbunden und somit den vom Bundesrat erteilten Auftrag erfüllt. Allerdings geht es bei dem Anlass auch darum, nochmals aufzuzeigen, dass die Coronakrise noch nicht vorbei ist. Alle Truppen wurden mit Bereitschaftsauflagen entlassen und halten sich somit bereit, innert definierter Frist wieder einzurücken. Eben gerade weil eine zweite Welle nicht ausgeschlossen werden kann, ist es wichtig, so früh wie möglich die Lehren aus der ersten Welle zu ziehen und umzusetzen.

Wie können Sie garantieren, dass die Verbesserungsvorschläge ernstgenommen und umgesetzt werden?

Als Kommandant subsidiärer Einsatz bin ich bis und mit Abschluss des Aktionsnachbereitungsprozesses verantwortlich und habe somit für die Umsetzung zu bürgen. Dadurch, dass ich die zu bearbeitenden Punkte gleich selbst in den parallel stattfindenden Standardprozess der Nachbereitung eingeben werde, ist deren Aufnahme und Behandlung garantiert. Dieser Prozess wird bis Ende Sommerferien abgeschlossen sein. Danach gilt es, die beschlossenen Massnahmen auch nach innen zu kommunizieren, also den Kommandanten zu zeigen, was mit ihren Empfehlungen und Anträgen geschehen ist und wie wir darauf reagieren. Dies benötigt einen Effort, hier hatten wir bisher eine Schwäche. Im klassischen WK-Reporting-Prozess kommt dieser Schritt zu kurz. Hier müssen wir besser werden und dieser Anlass gibt uns die Chance dazu.

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Dokumente

  • Schutzkonzept Kommando Ausbildung
    Alle in diesem Schutzkonzept erwähnten Punkte stützen sich auf gültige Befehle des Oberfeldarztes sowie entsprechende Arbeitshilfen und Merkblätter und auf die Empfehlungen zu Verhaltens- und Hygienemassnahmen des BAG ab.
    07.07.2020 | PDF, 16 Seite[n], 136 KB