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Offizier und Banker

Oliver Müller und Daniel Weilenmann sind aktive Milizoffiziere der Schweizer Armee und bekleiden verantwortungsvolle Führungsfunktionen in unterschiedlichen Bereichen der Credit Suisse. Beide gehören zum Vorstand der Vereinigung «Of@CS» und engagieren sich ausserdienstlich für die Anerkennung und die Wertschätzung von Offizieren im zivilen Umfeld. Die Schweizer Armee lädt die beiden Offiziere zum Interview ein.

11.05.2020 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug*

SCHWEIZ BANK CREDIT SUISSE
Foto: Keystone

Können Sie uns kurz beschreiben, was Ihre jeweiligen Rollen bei der Credit Suisse beinhalten?

Oliver Müller: Ich leite im Bereich «Financial Crime Compliance (FCC)» den Bereich Transaktionsüberwachung der wichtigsten Standorte der Credit Suisse AG. Bei der Transaktionsüberwachung geht es darum, mögliche Geldwäschereiaktivitäten oder andere strafbare Handlungen bei Kundentransaktionen zu identifizieren. Diese werden dann näher untersucht und je nach Resultat den Behörden gemeldet.

Daniel Weilenmann: Ich bin Teamleiter im Bereich «International Trading Solutions (ITS)» der Division «Global Markets». Mein aus Devisenhändlern bestehendes Team betreut und berät sowohl nationale als auch multinationale Unternehmen mit einem besonderen Fokus auf das Management von Währungs- und anderen finanziellen Marktrisiken. Wir sind im täglichen Austausch mit CEOs, CFOs, Treasurers, Controllers und Devisenhändlern verschiedenster Firmen.

 

Neben Ihren Funktionen bei der Credit Suisse bekleiden Sie auch das Amt eines Milizoffiziers. Wie bringen Sie beide Engagements unter einen Hut?

OM: Natürlich ist es immer ein «Hosenlupf», mehrere Engagements unter einen Hut zu bringen. Grundsätzlich gelten aber bei einer Abwesenheit im Geschäft die gleichen Grundsätze wie im Militär: Die Stellvertretung muss klar geregelt und die jeweilige Person adäquat informiert und instruiert sein. Pendenzen gilt es idealerweise vorgängig abzubauen und bei der Übergabe zu priorisieren. Die vorgesetzte Stelle muss möglichst früh informiert werden. Die entsprechende Selbstorganisation und die Vorbereitung sind das A und O. Mit den heutigen Kommunikationsmitteln lässt sich auch vieles aus der Ferne erledigen. Und am Ende ist es wie bei jedem zusätzlichen Engagement zugunsten der Gesellschaft, ob im Verein, in der Politik oder anderweitig: Es ist mit zusätzlichem Aufwand verbunden.

 

Welche Eigenschaften eines Offiziers werden in der Bank allgemein geschätzt?

DW: Robert Wagner, Chief Operating Officer und Geschäftsleitungsmitglied der Credit Suisse (Schweiz) AG, hat diese Eigenschaften beim «Of@CS»-Frühlingsanlass 2019 sehr treffend zusammengefasst. Die typischen Merkmale eines Offiziers, so Wagner, würden einheitlich in allen Ausbildungen zum Offizier geprägt und auch bei der Credit Suisse geschätzt: Integrität und Verlässlichkeit, Selbstorganisation und strukturiertes Denken, Ausdauer und (Stress-)Resistenz sowie die Fähigkeit, Ruhe in hektischen Situationen bewahren zu können.

 

Alternativ: Welches ist der Zweck von «Of@CS»?

OM: Bei «Of@CS» handelt es sich um ein vor wenigen Jahren von Milizoffizieren in der Bank lanciertes Mitarbeiternetzwerk der Credit Suisse, das als Plattform für Veranstaltungen und zum Austausch unter Mitarbeitenden dient, die militärisch einen Offiziersrang bekleiden. Neben Offizieren der Schweizer Armee gibt es auch Mitglieder, die in ausländischen Armeen gedient haben.

 

Wie hat sich das Mitarbeiternetzwerk «Of@CS» in den letzten Jahren entwickelt?

DW: «Of@CS» ist stark gewachsen und zählt mittlerweile rund 200 Mitglieder. Es finden jährlich zwei Veranstaltungen mit einem Höheren Stabsoffizier (Offizier mit Generalsrang) der Schweizer Armee als Hauptreferenten statt. Zu unserer Freude konnten wir immer ein Mitglied der Geschäftsleitung oder des Verwaltungsrats als Gastgeber gewinnen. Dies ist unseres Erachtens ein starkes Zeichen.

OM: Eine Bemerkung zur Zahl 200: Wir stellen fest, dass intern die Weiterausbildung in der Armee wieder mehr anerkannt wird als früher und vor allem auch bei ausländischen Führungskräften Respekt geniesst. Vor dem Hintergrund der deutlichen Verkleinerung der Armeebestände wird die Zahl von Milizoffizieren in der Privatwirtschaft kaum mehr steigen, weshalb die Zahl von 200 Mitgliedern bemerkenswert ist.

 

Können Sie eine konkrete Situation aus der Arbeitswelt nennen, in der Ihnen Ihre militärische Ausbildung geholfen hat, ein vorhandenes Problem zu lösen?

OM: Es gibt einige Grundsätze, die ich im Militär gelernt und wohl auch verinnerlicht habe, die auch in der Privatwirtschaft Gültigkeit haben. Ich erachte das strukturierte Vorgehen des militärischen Führungsrhythmus als äusserst hilfreich. Es gibt aber einige Aspekte, die es zu beachten gilt: In der Privatwirtschaft existiert im Bereich der Führung keine einheitliche Sprache, wie sie die Armee kennt.

DW: Je nach Situation an den Finanzmärkten erleben wir ganz schön hektische Phasen. Während meiner militärischen Ausbildung habe ich gelernt, in hitzigen Momenten innezuhalten und die Situation nochmals in Ruhe zu überdenken, bevor ich eine Entscheidung treffe. Vor allem, wenn unter Zeitdruck rasche Entscheidungen gefordert sind, ist ein kurzes Reflektieren über die Optionen häufig zielführender und erzielt am Schluss meistens bessere Resultate.

 

Abschliessend, was war für Sie persönlich das Wichtigste, was Sie in Ihrer Ausbildung zum Offizier in der Armee gelernt haben?

OM: Ich durfte in der Armee bereits in jungen Jahren sehr viel Verantwortung übernehmen. Die Zeit als Kp Kdt und Bat Kdt hat mich sicher geprägt. Die Führungslehrgänge, welche die Armee anbietet, sind hervorragend, und ich habe viel davon profitiert. Erfahrungen bei zahlreichen Führungssituationen, verbunden mit den jeweiligen Feedbacks, haben mir ein gutes Rüstzeug für meinen beruflichen Werdegang mitgegeben.

DW: Das strukturierte Vorgehen beim Lösen von Problemen aller Art und das Präsentieren komplexer Sachverhalte in einer vereinfachten, verständlichen Form sind wertvolle Techniken, die ich mir in der Armee aneignen konnte. Hier haben mir die zahlreichen Entschlussfassungsübungen sowie Befehlsgebungen in der Offiziersschule, im Führungslehrgang für Einheitskommandanten und natürlich jeweils in der praktischen Ausübung im Wiederholungskurs eine ideale Basis geboten.

 

* Dieses Interview wurde durch die Kommunikationsabteilung der Credit Suisse überprüft und genehmigt.

Oberst i Gst Oliver Müller

OliM

Berufliche Funktion: Managing Director Financial Crime Compliance, Credit Suisse Services AG | Militärischer Grad und Funktion: Oberst im Generalstab Of z Vf Kdt Mech Br 4.

Hptm Daniel Weilenmann, M.Sc. LSE

Portrait_Weilenmann_Daniel

Berufliche Funktion: Director International Trading Solutions, Credit Suisse AG | Militärischer Grad und Funktion: Hauptmann Kommandant der Pz Kp 14/1.