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Als nach dem grossen Krieg die Waffen schwiegen

Heute vor 75 Jahren schwiegen in Europa mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht die Waffen. Sechs Jahre Krieg gingen zu Ende und damit sechs Jahre Aktivdienst für die Armee. Unter Aufbietung aller Kräfte hatte die Schweiz ihren Widerstandswillen gezeigt: Unter der Führung von General Henri Guisan hatte sich die Armee ab 1940 im Reduit und dessen gut ausgebauten Alpenfestungen eingeigelt.

08.05.2020 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht nach sechs Jahren Krieg vor den Alliierten. Über 50 Millionen Menschen wurden im Krieg getötet. Mit dem deutschen Angriff auf Polen und dem Ausbruch des Weltkriegs hatte das Schweizer Parlament am 29. August 1939 die Armee zu den Waffen gerufen und anschliessend Oberstkorpskommandant Henri Guisan zum General gewählt.

Mit dem deutschen Sieg gegen Frankreich war die Schweiz ab Sommer 1940 umschlossen. Der anfänglich erwogene Plan einer Allianz mit Frankreich wurde Makulatur. Deutsche Pläne sahen einen Zangenangriff deutscher Truppen auf das Mittelland und der italienischen Armee auf die Alpen vor.

Das Réduit wird verteidigt

Als Reaktion entwickelte die Armee die Réduitstrategie, die Verteidigung des Zentralraums. Dies mit dem Ziel, mit den vorhandenen Mitteln effektiv und lange Widerstand leisten zu können. Die Strategen wussten, dass die Verteidigung des Mittellandes entlang einer Linie Jura–Limmat–Linth bei einem Angriff von allen Seiten nicht möglich war. Zudem war die Bewaffnung der Armee nicht ausreichend für eine offene Wehr und Nachschub aufgrund der Lage schwierig. Nach und nach wurden deshalb grosse Teile der Armee in die Bergfestungen zurückgezogen. Guisan war bereit, bei einem Angriff die Alpenübergänge zu zerstören. Er bekräftigte am 25. Juli 1940 auf dem Rütli vor seinen Kommandanten die Bereitschaft zum totalen Widerstand.

Die Armee konnte für den Aktivdienst bis zu 450'000 Mann mobilisieren, im Schnitt befanden sich deren 120'000 unter Waffen. Hinzu kamen der Militärische Frauendienst und Ortswehren. Wichtig für die Beibehaltung des Widerstandswillens war das Konzept der geistigen Landesverteidigung, welche die Armee mit ihrer Sektion Heer und Haus propagandistisch unterstützte. Der Rückzug ins Reduit ermöglichte zudem eine Reduktion der mobilisierten Verbände. Somit konnten Soldaten wieder in ihre Betriebe, Fabriken und auf ihr Land zurückkehren. Dies stärkte die Durchhaltefähigkeit von Staat und Armee.

Erst mit der Niederlage der Wehrmacht bei Stalingrad, der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 sowie dem Vorstoss der Alliierten nach Südfrankreich, Norditalien und Deutschland lockerte sich der Druck auf die Schweizer Grenzen. Ehe am 8. Mai 1945 die Waffen in Europa gänzlich schwiegen.