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Ohne Armee gibt es kein jährliches Treffen des WEF in Davos

Wenige Stunden vor Beginn des Einsatzes von Tausenden Angehörigen der Armee gehen wir einigen Besonderheiten dieses Einsatzes auf den Grund. Der Kommandant des subsidiären Sicherheitseinsatzes (KSE) zugunsten des WEF, Korpskommandant Aldo C. Schellenberg, Chef Kommando Operationen und Stellvertreter Chef der Armee, beantwortet unsere Fragen dazu.

07.01.2020 | Kommunikation Verteidigung, Giorgio Krüsi; Saskia Graber

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(Foto: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Die Schweizer Armee unterstützt die Bündner Behörden seit 20 Jahren und ergänzt damit das Sicherheitsdispositiv des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Eine permanente Herausforderung für die Schweizer Armee. Wie lässt sich diese mit den vielen anderen Aufgaben der Armee vereinbaren?

Der Bundesrat hatte bereits im Februar 2018 entschieden, dass zur Sicherheit am Jahrestreffen des WEF bis 2021 jeweils bis zu 5000 Armeeangehörige zur Unterstützung des Kantons Graubünden im Assistenzdienst eingesetzt werden sollen. Die so mögliche frühzeitige Planung des Einsatzes vereinfacht es, diesen in Einklang mit allen anderen Armeeaufgaben zu bringen.

Darüber hinaus muss die Armee jederzeit in der Lage sein, auf eine Krise oder ein ausserordentliches Ereignis zu reagieren. Das neue abgestufte Bereitschaftssystem, das mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) eingeführt wurde, versetzt uns in die Lage, bei einem unerwarteten Ereignis zusätzliche Truppen aus dem Stand aufzubieten und rasch einzusetzen. So auch während des Einsatzes am WEF.

 

Was sind Ihre Erwartungen an den diesjährigen WEF-Einsatz?

Meine Erwartungen sind klar: Für die Bodentruppen geht es darum, die erhaltenen Aufträge sorgfältig zu analysieren, verantwortungsbewusst einzutrainieren und umzusetzen.

Für die Luftwaffe gilt es, die Einschränkungen des Flugverkehrs im Luftraum über Davos durchzusetzen, den Luftpolizeidienst rund um die Uhr sicherzustellen sowie die beantragten Leistungen in den Bereichen Lufttransport und Luftaufklärung zu erbringen.

Der Einsatz zugunsten des WEF in Davos erfolgt rund um die Uhr bei grosser Kälte, Nässe und Schnee im unberechenbaren Hochgebirge und teilweise exponiert oder abgelegen. Ich erwarte deshalb von allen Führungskräften Respekt und Fürsorge für das persönliche Wohlergehen der Truppe.

 

Jedes Jahr erfährt die Milizarmee eine erhebliche Personalfluktuation. Wie wird der Transfer von Wissen und Erfahrung zu den nächsten eingesetzten Truppen sichergestellt?

Das Rezept liegt in der optimalen Kombination von Kontinuität und Wandel: Die Kommandanten und Stäbe der Territorialdivision 3, Hauptauftragnehmerin für die Aufträge am Boden, und der Luftwaffe, welche die Wahrung der Lufthoheit sowie die Erfüllung von Unterstützungsaufträgen sicherstellt, haben eine grosse Erfahrung in der Planung und der Führung solcher Einsätze. Sie sorgen damit für Kontinuität.

Die eingesetzten Truppenkörper, Einheiten und Detachemente bestehen im Übrigen zu über 90 Prozent aus Milizangehörigen, die ihren ordentlichen WK absolvieren, und können jährlich wechseln. Indem die am WEF gemachten Erfahrungen aber über einen systematischen Prozess zurück in das Training und den Ausbildungsdienst fliessen, stehen diese beim nächsten Einsatz wieder zur Verfügung.

 

Sicherheit ist das Ergebnis von Teamarbeit. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen der Armee und den zivilen Partnern auf nationaler, kantonaler sowie kommunaler Stufe? Und auf internationaler Ebene jene mit dem österreichischen Bundesheer?

Die Zusammenarbeit zwischen den zivilen Behörden aller Stufen und der Armee im Rahmen des WEF ist hervorragend. Sie basiert auf einer klaren Rollenteilung: Die zivilen Behörden sind «Auftraggeber» und tragen die Einsatzverantwortung, die Armee ist «Auftragnehmerin». Sie wird subsidiär eingesetzt und trägt die Führungsverantwortung. Erfahrungswerte werden dabei systematisch erhoben, Verbesserungspotenzial erkannt und wo notwendig umgesetzt.

Auf internationaler Ebene basiert die Zusammenarbeit zwischen der österreichischen und der schweizerischen Luftwaffe auf dem Luftpolizeiabkommen von 2017. Konkret ist es den Luftwaffen beider Staaten erlaubt, verdächtige zivile Luftfahrzeuge auch im Luftraum des anderen Staates zu identifizieren und falls nötig zu intervenieren, jedoch ohne Einsatz von Waffen ausserhalb des eigenen Staatsgebiets.

 

Ein weiterer, strenger Winter steht an. Was sind Ihre Sorgen und Ihre Botschaft an die Soldaten, die in der Kälte von Davos eingesetzt sind?

Es ist für mich immer wieder eindrücklich, zu erleben, mit welchem Engagement, mit welcher Ernsthaftigkeit und mit welchem Verantwortungsbewusstsein unsere Armeeangehörigen aller Ränge und Funktionen die Herausforderungen unter oft extremen Bedingungen annehmen und dabei herausragende Leistungen erbringen. Hier zeigen sich die Vorzüge unserer Milizarmee in besonderem Masse, und ich stelle dabei immer wieder fest: Miliz ist nicht das Gegenteil von Professionalität!

Ich zolle allen Armeeangehörigen im Einsatz zugunsten der Sicherheit am WEF in Davos grössten Respekt und höchste Anerkennung und danke ihnen für den professionellen Einsatz.