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In der Krise entlastet die Armee zivile Spitäler

Das Westschweizer Spitalbataillon 2 leistete erstmals einen Wiederholungskurs zugunsten des jurassischen Spitalnetzes. Angehörige des Bataillons unterstützen in Delsberg das Spitalpersonal in verschiedenen Bereichen. Der Einsatz war für die zivilen Pflegenden eine willkommene Entlastung. In der Not kann das Erlernte und Erfahrene aber für alle Beteiligten entscheidend sein.

18.12.2019 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Soldaten und Pflegepersonal arbeiten eng zusammen. (Fotos: VBS)

Das Baby schaut ihn mit grossen Augen an – und Kompaniekommandant Hauptmann Roc Ioré lächelt zurück. Das Spitalbataillon (Spit Bat) 2 leistete den Wiederholungskurs 2019 unter anderem im Spital Delsberg. Es wurde dort mit offenen Armen empfangen, sagt Ioré im Rückblick.

Die Frauen und Männer in ihren auffälligen blauen Überkleidern waren im ganzen Spital verteilt. Auch Armeeangehörige, die zivil nicht in Gesundheitsberufen arbeiten, sind für solche Einsätze ausgebildet. Sie stellen die Mehrheit des Bataillons. Soldat Guillaume Coluccia, Coiffeur im Zivilberuf, zeigte sich begeistert: «Ich kann hier anwenden, was ich in der Rekrutenschule gelernt habe.» Dabei sei allen klar, dass sie hier mit echten Patienten konfrontiert sind und nicht nur mit Kameraden, die eine Krankheit simulieren, so Coluccia. «Wir müssen sensibler sein und gehen konzentrierter an die Sache ran.» Wachtmeister Roman Berset, der sonst in der Spitex arbeitet, bestätigt: «Ich lerne hier viel und kann das Wissen mitnehmen.»

Zufriedene Beteiligte auf beiden Seiten

Die Spitäler entscheiden generell selbst, welche Arbeiten die Spitalsoldaten übernehmen, erklärte Ioré beim Rundgang. Hier könnten sie jedoch die ganze Bandbreite ihrer Fähigkeiten trainieren, bis hin zum Legen von Infusionen oder zu Arbeiten im Operationssaal. «Deshalb ist das für uns ein besonders wertvoller Einsatz.» Die Soldaten lernten vom Spitalpersonal: «Ich habe manchen gesehen, der sich immer wieder Notizen gemacht hat.» Es sei zudem spannend mitanzusehen, wie sich zivile und militärische Pflegende sofort gefunden hätten, zum Beispiel am Mittagstisch.

Pflegedienstleiterin Bénédicte Tisserand erklärte, auch für ihre Leute sei die Arbeit mit den Soldaten eine wertvolle Erfahrung. Es sei ihnen klar, dass sie im – durchaus realistischen – Notfall eng mit den Armeeangehörigen zusammenarbeiten müssen. «Sie haben uns gelehrt, ihnen zu vertrauen. Und sie anerkennen unsere Arbeit», so Tisserand. Das Personal habe das System Spitalbataillon kennen gelernt – und was seine Aufgabe ist. Die Armee hilft dem Spital, in der Krise seine Kapazität erhöhen. Das Konzept sieht vor, dass sie die leichten und stabilisierten Fälle betreut, damit das zivile Spital sich um die schweren kümmern kann.

Ein älterer Herr bedankte sich an diesem Morgen überschwänglich bei den Blaugekleideten und sagte: «Ihr seid der beste Beweis, dass wir unsere Armee brauchen.» Bei den Patienten komme der Einsatz der Spitalsoldaten tatsächlich gut an, bestätigte Kommunikationschef Olivier Guerdat: «Sie sind glücklich.» Er habe Einträge auf den sozialen Medien gesehen, in denen Patienten bedauern, dass die Armee schon wieder gehen müsse. Gerne würden sie die jungen Frauen und Männer länger bei sich behalten, sagte Direktor Thierry Charmillot deswegen halb im Scherz. Es blieb allerdings beim Wunsch, kehrten doch die Soldaten Ende dieser lehrreichen Woche wieder in ihr ziviles Leben zurück.

Sie beherrschen ihr Handwerk

Für den Bataillonskommandanten, Oberstleutnant im Generalstab Raoul Barca, ist entscheidend, die Zusammenarbeit in einer möglichen Krise zu trainieren und das Vorgehen zu koordinieren. Das Personal muss sich davon überzeugen, dass die Soldaten ihr Handwerk beherrschen. «Die Patienten müssen ihnen deshalb auch mal einen kleinen Fehler verzeihen können.» Er habe allerdings nie Vorbehalte gehört. «Und die Patienten sind erstaunt, dass die Armee neben vielem anderen auch das macht.» Umgekehrt, so Barca weiter, heisse Üben unter möglichst realistischen Bedingungen auch: «In gewissen Abteilungen müssen meine Leute auch mit dem Tod eines Patienten rechnen.» Wichtig sei dabei das regelmässige Debriefing mit allen Beteiligten, um zu sehen, ob die Armee eine weiterführende Betreuung durch PPD oder Care-Teams organisieren muss.

Während ein Teil des Bataillons in den Spitälern tätig war, richtete ein anderer im Gemeindesaal von Vicques eine Bettenstation ein und übte die Betreuung von Patienten. Die Soldaten erhielten dabei hohen Besuch: Der stellvertretende Oberfeldarzt, Oberstleutnant Thomas Bührer, überzeugte sich persönlich vom guten Niveau ihrer Ausbildung. Sein Fazit: «Unseren Leuten wurde eine hohe Kompetenz attestiert, zwischenmenschlich und fachlich.»

Nächstes Jahr steht das Bataillon im Genfer Universitätsspital im Einsatz – auch dies wird eine Premiere sein.

Ein Quartett von Aufgaben

Zur Auftragspalette der vier Spitalbataillone der Schweizer Armee gehört neben der direkten Unterstützung ziviler Spitäler in einer Krise der Betrieb eines Militärspitals und von Geschützten Operationsstellen (GOPS), sowie die eigenständige Führung von improvisierten Pflegestationen mit bis zu 200 Betten. Die beiden Spitalkompanien des Bataillons 2 teilten sich während ihres Wiederholungskurses im November 2019 die Arbeit auf. Eine wurde während rund fünf Tagen in den zivilen Spitälern in Delsberg, Pruntrut sowie in der Altersresidenz in Delsberg eingesetzt. Die andere WK-Kompanie kümmerte sich um eine improvisierte Bettenstation im Gemeindesaal des benachbarten Vicques. Die Stabskompanie war zeitweise für das Labor, die Administration oder die Sterilisation zuständig. Die restliche Zeit waren die Spitalsoldaten in der Ausbildung in Bure.

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