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Militärdienst mit Diabetes Typ 1

Die Förderung der Chancengleichheit und die Vermeidung von Diskriminierung im Dienstbetrieb sind zwei zentrale Anliegen des Diversity Management der Schweizer Armee. Dabei wird das Ziel verfolgt, die individuellen Eigenschaften einer jeden Person zu achten und ihre Fähigkeiten und Begabungen gewinnbringend einzusetzen. Ein Betriebssoldat Support berichtet, wie er trotz Diabetes Typ 1 zum Militärdienst zugelassen wurde und wie er den Alltag erlebt.

16.12.2019 | Kommunikation Verteidigung, Eve Hug

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Symbolbild Betriebssoldat Support (Foto: ZEM)

«Man sagte mir* bei der Rekrutierung, ich sei wegen meines Diabetes Typ 1 ‹doppelt untauglich›, und drückte mir ein Blatt in die Finger. Hätte ich das Papier nicht gedreht, wäre ich jetzt nicht im Militär. Denn auf der Rückseite steht unten rechts versteckt, dass man sich beim Militärärztlichen Dienst melden könne, um neu evaluiert zu werden. Genau das habe ich getan. Da ich ohnehin nach meiner Matura ein Zwischenjahr absolvieren wollte, war für mich klar, dass ich zehn Monate im Militär Dienst leisten möchte.»

Tauglich beim zweiten Anlauf

In der Schweizer Armee gilt der Grundsatz, dass Dienstwilligen eine Militärdienstleistung ermöglicht werden soll. Personen, die aus medizinischer Sicht grundsätzlich als militär- und schutzdienstuntauglich beurteilt werden, deren Behinderung oder Krankheit jedoch nicht zu einer Befreiung von der Ersatzpflicht führt, können ihren Dienstwillen ausdrücklich bekunden und eine Neubeurteilung durch eine medizinische Spezialuntersuchungskommission durchlaufen. Bei einer positiven Beurteilung können sie für einen Dienst in der Militärverwaltung zugewiesen werden.

«So stand ich einige Monate später vor dem Gebäude des Militärärztlichen Dienstes, das ich 25 Minuten, nachdem ich es betreten hatte, als neu evaluierter und zukünftiger Betriebssoldat Support (Durchdiener) schon wieder verlassen konnte.»

Im Militärdienst

Für vormals als doppelt untauglich beurteilte Personen gelten in Bezug auf die Erfüllung der Militärdienstpflicht die gleichen Rechte und Pflichten wie für alle anderen Armeeangehörigen auch. Die psychischen und physischen Minimalanforderungen des Militärdienstes müssen erfüllt sein, und es darf keine Selbst- oder Drittgefährdung (medizinisch oder durch ein Risiko- respektive Gewaltpotenzial) vorhanden sein. Der Unterschied besteht darin, dass die Anforderungen des Dienstes auf die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der betroffenen Personen abgestimmt werden müssen und in der Regel eine reduzierte Grundausbildung erfolgt.

«In den ersten Wochen im Militär musste ich mich erst an den militärischen Alltag gewöhnen. Insbesondere das ständige Sitzen an einem Pult in einem Tarnanzug war eine ganz neue Erfahrung für mich. Diabetestechnisch mussten einige Dosierungen angepasst und vor allem meine snackreiche Ernährung auf ein Minimum reduziert werden, damit alles funktionierte.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten begann mir meine neue Rolle als Betriebssoldat Support allmählich zu gefallen. Mein Diabetes pendelte sich ein, die Blutzuckerwerte befanden sich auf einem guten Niveau. Ich war sehr zufrieden mit meiner Situation.»

Halbzeitbilanz

Durch seinen Einsatz als Betriebssoldat Support wird dem dienstwilligen Soldaten ein geordneter Alltag ermöglicht und somit seinen besonderen medizinischen Bedürfnissen Rechnung getragen. Wie jeder andere Soldat muss er seinen Militärdienst in Uniform leisten, aber dank geregelten Arbeitszeiten und der Möglichkeit, zu Hause zu übernachten und sich selbstständig zu verpflegen, können Krankheit und Militärdienst gut vereinbart und damit die Gesundheit des Soldaten ebenso wie das Funktionieren des Dienstbetriebs gewährleistet werden.

«Nach rund der Hälfte meines Dienstes kann ich mittlerweile stolz sagen, dass ein Militärdienst mit Diabetes Typ 1 durchaus möglich ist, zumindest als Betriebssoldat Support. So ist die kontrollierte Büroatmosphäre für einen Diabetiker im Militär von grossem Vorteil. Sie gewährt ihm eine Umgebung, in der er bei einer Hypo- oder Hyperglykämie schnell reagieren und einwirken kann. Besonders wichtig aber war es für mich, dass ich im Dienst durch meine Arbeit Wertschätzung erfahren habe – als Betriebssoldat mit Diabetes.»

*Name der Redaktion bekannt.

Diabetes

Diabetes, umgangssprachlich als «Zuckerkrankheit» bekannt, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich in einer erhöhten Konzentration von Zucker im Blut äussert. Bei Diabetes ist der natürliche Prozess der Verarbeitung von Zucker reduziert oder verloren gegangen. Als Folge findet sich im Blut ein Überschuss an Zucker. Dieser Zustand verursacht, falls über längere Zeit unbehandelt, Folgeerkrankungen am Blutgefäss- und Nervensystem. Diabetes Typ 1 tritt häufiger bereits bei Kindern und jungen Erwachsenen auf. Bei dieser Form von Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die entsteht, wenn das Immunsystem die für die Insulinproduktion zuständigen Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Dies führt zum absoluten Insulinmangel. Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Typ-1-Diabetes unheilbar, die Betroffenen sind ein Leben lang auf eine externe Zufuhr von Insulin angewiesen.

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