print preview Zurück zur Übersicht Startseite

Aufstieg zu 4G für die Patrouille des Glaciers

Nicht nur die Athleten bereiten sich auf die nächste Auflage der Gletscherpatrouille im Jahr 2020 vor. Seit einigen Monaten arbeitet die Führungsunterstützungsbasis der Armee mit der Swisscom zusammen, um das Netzwerk während des Rennens zu verbessern. Das Ziel lautet: 4G-Empfang auf der Rennstrecke. Ein bereicherndes Erlebnis für alle Beteiligten zugunsten der Sicherheit.

08.08.2019 | Kommunikation Verteidigung, Anthony Favre

TITELBILD
Foto: Fachoffizier Adrian Kälin

Am 27. April 2020 starten Hunderte von Läufer von Zermatt aus, um die 57,5 Kilometer der berühmten Patrouille des Glaciers in Angriff zu nehmen, die sie nach Verbier bringen werden. Neu in dieser Ausgabe: Ein Teil der Strecke wird über das Armeerichtfunknetz durch das 4G-Netz abgedeckt. Seit mehreren Monaten arbeiten Spezialisten der Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB) mit der Swisscom zusammen, um das Armeerichtfunknetzwerk anzupassen. Ein leistungsfähiges Netzwerk ist von grundlegender Bedeutung dafür, die Sicherheit der Läufer und den reibungslosen Ablauf des Rennens zu gewährleisten.

Bisher wurde die Patrouille des Glaciers durch 2G-Empfang abgedeckt. Diese Technologie ist heute jedoch unzureichend. Dennoch wird sie noch nicht ganz aufgegeben, denn die GPS-Tracker, die jede Patrouille mit sich führt, werden 2020 noch einmal mit 2G arbeiten. Das zusätzliche 4G-Netz ist für die Streckenposten geplant. Für die FUB besteht die Mission nun darin, diese Digital Mobile Radio (DMR)-, 2G- und 4G-Netze durch den Einsatz von Armeerichtstrahlstationen, dem neuen R-905-BB, bereitzustellen. Dieses System ist in der Lage, die von 4G geforderten 80 Megabit pro Sekunde zu übertragen. Dazu werden zwei Basisstationen an SAC- Hüttenstandorten eingerichtet.

Zahlreiche Herausforderungen

Hauptadjutant Paul Zocchi vom Führungszentrum, ein Telematikingenieur, leitet das technische Teilprojekt. Er kennt das R-905-BB gut, hat er es doch eingehend studiert. Wie er erklärt, sei das erste Problem gewesen, DMR, 2G und 4G in dieses System einzubinden. Die Geräte können nur über zwei unterschiedliche Glasfasertypen, LWL-1 und LWL-2, verbunden werden. Paul Zocchi und sein Team mussten deshalb einen Prototyp eines Konverters erstellen, um sowohl DMR-, 2G- als auch 4G-Signale parallel über die Glasfaser ins Gerät zu übertragen. Der Konverter muss Ethernet elektrisch wie auch optisch (LWL-1 und LWL-2) übertragen können.

Ausserdem stellen der Transport und der Betrieb eines solchen Systems in einem Berggebiet eine Herausforderung dar. Für die FUB besteht die Schwierigkeit darin, ein System zu haben, das von der Truppe einfach und mit so wenig Ausrüstung wie möglich aufgebaut und robust betrieben werden kann.

Erste aussagekräftige Tests

Seit Monaten ist der Entwicklungsprozess im Gang, die durchgeführten Tests waren positiv. «Wir sind alle froh, dass unser Konverter-Prototyp erfolgreich getestet werden konnte», sagt Hauptadjutant Zocchi. Die Endabnahme findet im August direkt vor Ort im Wallis statt. Da wird eine DMR- und 4G-Basisstation auf 3300 m ü.M. betrieben und über R-905-BB angeschlossen. Bergführer aus dem Kompetenzzentrum Gebirgsdienst der Armee in Andermatt laufen bewusst im schwer zugänglichen Gebiet eine Teilstrecke der Patrouille des Glaciers ab, um die Qualität des Signals zu überprüfen. Ob die Läufer an der PdG aber tatsächlich irgendwann 4G Empfang haben werden hängt noch stark davon ab, ob ein Endgerät gefunden wird, dass auch bei eisigen Temperaturen über mehrere Stunden diese Leistung erbringt. Das ist aktuell noch offen.  

Eine vielseitige Lernerfahrung

Das Führungszentrum-Team ist überzeugt, dass diese Erfahrungen auch anderen subsidiären Einsätzen der Armee zugutekommen werden. So ist beispielsweise im Fall einer Naturkatastrophe, wie sie in Bondo geschehen ist, die Sicherstellung der Anbindung an die betroffenen Gebiete unerlässlich. «Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung, die es uns ermöglicht, Know-how zu erwerben, aber auch die Qualität und Stabilität des Systems zu testen und zu optimieren», sagt der Hauptadjutant abschliessend.