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Die Wanzenjägerin der Armee

Bettwanzen sind eine Plage, die schwer zu bekämpfen ist. Erst kürzlich waren Soldaten in einem Wiederholungskurs des Panzersappeurbataillons 1 davon betroffen. Mittlerweile gibt es speziell ausgebildete Hunde, die in der Lage sind, das Ungeziefer aufzuspüren. Nastassja Gfrerer, Leiterin Tiergesundheit im Veterinärdienst der Armee, hat vor zwei Monaten mit ihrer Hündin Java die Ausbildung begonnen.

21.06.2019 | Kommunikation Verteidigung, Anthony Favre und Eve Hug

Java_Titelbild


Java ist zwei Jahre alt und sie liebt es, nach etwas zu suchen. Seit April 2019 werden die junge Flandrische Treibhündin und ihre Besitzerin, Nastassja Gfrerer, bei «Dogs' Spirit», einer Schulungsstätte für Bettwanzenerkennung, ausgebildet. «Java ist derzeit noch kein Diensthund. Nach bestandener Prüfung freuen wir uns aber, wenn wir Einsätze für die Armee leisten dürfen», erklärt Nastassja Gfrerer.

Die Verbreitung von Bettwanzen hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun und erfolgt hauptsächlich durch Reisen oder Umzüge. Um sie zu erkennen, sind Hunde mit ihrem hoch entwickelten Geruchssinn eines der effektivsten Mittel. Während ein Mensch mehr als zwei Stunden braucht, um ein Zimmer zu kontrollieren und dabei nur eine Erfolgsrate von etwa 30% aufweist, benötigt ein trainierter Hund nur drei bis sechs Minuten bei einer Zuverlässigkeit von satten 95%.

Ein Flair fürs Suchen

Die Ausbildung zum Bettwanzenspürhund dauert etwa ein Jahr und verbindet dabei Theorie- und Praxisteile. Bei Letzterem werden Herrin und Hund mit möglichst realitätsnahen Szenarien konfrontiert. Bettwanzen sind in den Zimmern versteckt, und die Hunde müssen lernen, den Geruch der Parasiten zu erkennen. Einmal gefunden, verharren sie, um ihrem Besitzer den Fundort anzuzeigen. «Jeder Hund kann dafür trainiert werden, Bettwanzen zu finden. Es gibt keine präferierte Rasse. Alles, was der Hund braucht, ist ein Flair fürs Suchen», sagt Nastassja Gfrerer.

Die Bed Bug Foundation ist eine der wichtigsten internationalen Organisationen auf diesem Gebiet, nimmt die Prüfungen ab und stellt die entsprechenden Zertifikate aus. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres die sehr anspruchsvolle Prüfung zu bestehen. Bei erfolgreicher Absolvierung könnte Java als Pionierin den Grundstein für armeeeigene Bettwanzenspürhunde legen.

Fotos

Bettwanzen

Bettwanzen werden bis zu 5 Millimeter gross. Sie sind kurz vor der Morgendämmerung aktiv und saugen Blut beim Menschen. Am Tag verstecken sie sich in Ritzen von Betten und Möbeln, finden sich auf Matratzen, in Kleidern und Reisegepäck wieder. Demzufolge werden die Parasiten oft als unwillkommenes Souvenir aus den Ferien mitgebracht. Es empfiehlt sich deshalb, bereits im Urlaub einige Dinge zu beachten: beispielsweise beim Einzug das Hotelzimmer auf Bettwanzen zu untersuchen und die Koffer nicht aufs Bett zu stellen.

Die Verbreitung der Parasiten erfolgt exponentiell, denn die Tierchen können sich rasend schnell vermehren: Ein einziges Weibchen legt täglich bis zu zwölf Eier. Es ist nicht verwunderlich, haben sich Bettwanzen in den letzten Jahren weltweit stark ausgebreitet.

Anzeichen für einen Befall sind rote juckende Stiche am Körper. Um die Schädlinge wieder loszuwerden, helfen spezielle Insektizide oder ein Spezialofen, der die Zimmertemperatur während rund 35 Stunden auf über 55 Grad erhöht und somit die Tiere und ihre Eier abtötet. Die Armee hat einen Prozess (Algorithmus) definiert, der bei einem Verdacht auf Bettwanzenbefall das Vorgehen bezüglich Abklärung und Bekämpfungsmassnahmen klar regelt. Räume können ausschliesslich durch zivile spezialisierte Firmen entwest werden. Waschbare Textilien werden mit 60 Grad Celsius gewaschen, Gepäckstücke können mittels Wärme (≥ 55 Grad Celsius) oder Kälte (–18 Grad Celsius) über mehrere Tage behandelt werden. Kleine Gegenstände können gegebenenfalls für mehrere Tage in den Tiefkühler gelegt werden.