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Ohne Feuerführungszentrum kein Artilleriefeuer

Neben den wuchtigen Panzerhaubitzen findet sich auch eine eher unscheinbare Einheit auf dem Waffenplatz in Bière. Die Feuerführungszentrumbatterie 20/4 hat zusammen mit der Artillerieabteilung 10 den Wiederholungskurs absolviert. Ihr Zusammenspiel ist beinahe symbiotisch und macht das Artilleriefeuer überhaupt erst möglich.

18.06.2019 | Kommunikation Verteidigung, Michael Senn

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Um den Radar mit der Sonde zu synchronisieren, wird der Ballon zum getarnten Peilanhänger gebracht. (Fotos: Fachof Dario Ninghetto)


Die personelle Zusammensetzung einer Feuerführungszentrumbatterie (FFZ Bttr) erinnert an einen Gemischtwarenladen und will so gar nicht in das typische Artilleriebild passen. Übermittler, Wettersoldaten und FFZ-Soldaten gehören zu den Funktionen, die in Zügen oder Gruppen grösstenteils autonom funktionieren. Die anfallenden Arbeiten erfordern hochspezialisiertes Knowhow, weshalb es auch mal vorkommen kann, dass ein Soldat einen Offizier instruiert. «Anders als eine stramm geführte Infanteriekompanie funktionieren wir eher wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit flachen Hierarchien», sagt Hauptmann Fabian Nater, Einheitskommandant der FFZ 20/4, die in Bière ihren Wiederholungskurs absolviert hat.

Dockingstation für verschiedene Leistungsbezüger

Die Hauptaufgabe der FFZ Bttr ist das Einrichten und Betreiben der Führungseinrichtungen für den Artilleriechef und dessen Stab. Hauptmann Nater beschreibt seine Batterie als «Dockingstation», an der sich verschiedene Leistungsbezüger anschliessen können. Als koordinierendes System agiert das INTAFF (Integriertes Artillerieführungs- und Feuerleitsystem). Es ermöglicht zahlreiche Optionen wie etwa die Telekommunikation, die Befehlserteilung oder das Einzeichnen von Feuerräumen und ist somit die Basis eines jeden Artillerieschiessens.

Der FFZ-Zug betreibt dem Namen entsprechend das Herzstück der Batterie. Das Führungszentrum existiert in einer mobilen und einer stationären Ausführung. Für die Führung während Verschiebungen sorgt ein Piranha-Panzer, der maximal fünf Arbeitsstationen für Stabsoffiziere bietet. Die stationäre Version ist ein Container, dessen Inneres an einen Fernsehsendewagen erinnert – eine Vielzahl von Bildschirmen ermöglicht es den Offizieren, eine Übersicht über den Einsatz zu erhalten. Der Container wird als Lastwagenanhänger transportiert und kann komplett ausgebaut werden, sofern sich eine entsprechende Schutzanlage finden lässt.

«Meteo Schweiz» in Tarnfarbe

Ganz anders aufgestellt ist der Wetterzug. Dieser befindet sich im Optimalfall irgendwo zwischen Artilleriepanzer und Zielgebiet. Sein Auftrag ist es, die relevanten Wetterdaten zu ermitteln, um die Flugbahn des Artilleriegeschosses optimal berechnen zu können. Gerade in der Schweiz, wo selbst benachbarte Dörfer topographiebedingt unterschiedliche Mikroklimata aufweisen können, eine unverzichtbare Komponente. Die Arbeitsgeräte des Wetterzuges sind eine Sonde, die in Styropor verpackt an einen mit Helium gefüllten Ballon befestigt wird, sowie ein Radar, der die Daten der Sonde empfängt und aufbereitet. Gemessen werden vor allem Windstärke und Temperatur, die beiden Werte, die am meisten Einfluss auf die bis zu 20km lange Flugbahn des Geschosses haben.

Der Übermittlungszug ist wie bei vielen anderen Truppengattungen auch bei der FFZ Bttr von elementarer Bedeutung, muss aber durch das Einsatzverfahren der Artillerie überdurchschnittlich mobil und flexibel sein. Zahlreiche Relaisstationen stellen deshalb die Aufrechterhaltung der Funkverbindung sicher, über die schliesslich die Befehle des Artilleriechefs zu den Verantwortlichen der Abteilung übermittelt werden. Dazu kommt ein Kommandozug, der die Führungseinrichtungen betreibt und den Dienstbetrieb aufrechterhält.

Die Exoten der Artillerie

Genau diese unorthodoxe Mischung macht für Hauptmann Nater den Reiz an seiner Führungsaufgabe aus. Er schätzt den speziellen Mix an Leuten, den das Milizsystem mit sich bringt. «Die Züge erledigen Arbeiten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Dennoch braucht es die Wetterdaten genauso wie die Funkverbindung, damit überhaupt geschossen werden kann». Die Exoten der Artillerie wollen auf den ersten Blick so gar nicht ins typische Bild passen. Doch ohne die aus lauter Spezialisten bestehende Batterie feuern die Haubitzen keinen einzigen Schuss ab.