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Das diplomatisch-militärische Netzwerk der Schweizer Armee im Ausland

Wenn wir über die Aktivitäten der Schweizer Armee im Ausland sprechen, denken wir vor allem an friedenserhaltende Operationen, Minenräumungsaktivitäten oder möglicherweise an Berufsoffiziere und -unteroffiziere, die im Ausland ausgebildet werden (LAK). Die Schweizer Armee ist aber im Ausland auch über ihr diplomatisch-militärisches Netzwerk aktiv, was nicht vergessen werden sollte.

17.06.2019 | Oberst Marc-Alain Stritt, Chef Einsatz Verteidigungsattachés, IB V, Armeestab

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Bundesrat Ignazio Cassis eröffnet die neue Botschaft in Amman.

Das diplomatisch-militärische Netzwerk oder das Aussennetz der Armee ist ein Instrument der «Verteidigungsdiplomatie». Diese wird als Handlungsfeld der Streitkräfte im Bereich der bi- und multilateralen Sicherheitszusammenarbeit sowie bei der Vertretung militärischer Interessen im Ausland definiert. Zudem wird sie auch als die Gesamtheit der Mittel definiert, mit welchen Verteidigungsministerien oder Streitkräfte auf der Grundlage einer Reihe von staatlichen Kommunikationskanälen, die von militärischen Akteuren genutzt werden, gegenseitige Beziehungen herstellen und unterhalten. Sie umfasst alle Massnahmen der Streitkräfte zum Informationsaustausch, zur Zusammenarbeit, zum Abbau internationaler Spannungen, zur Konfliktprävention und zur Krisenbewältigung.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wächst die Bedeutung der Verteidigungsdiplomatie als Instrument zur Vertretung und Wahrung nationaler Interessen im internationalen Kontext. Das aktuelle politische und sicherheitspolitische Umfeld ist komplex und sehr unbeständig. Die grosse Anzahl beteiligter Akteure, ihre Art (staatlich oder andere) und der Überfluss an verfügbaren Informationen, ob wahr oder falsch (Fake News), erschweren die Beurteilung der Situation sowie eine fundierte Entscheidfindung. In diesem Zusammenhang beabsichtigt die Schweiz, vor Ort, im Ausland, über eigene Informationsquellen und eigene Kanäle zur Vertretung ihrer militärischen Interessen zu verfügen. Als Instrument dazu dient das Aussennetz, insbesondere die Verteidigungsattachés.

Die Schweizer Armee verfügt derzeit über ein Aussennetz von 21 Stellen. Es handelt sich um 18 Verteidigungsattachés und drei Stellen bei internationalen Organisationen. Mit sekundären Akkreditierungen und Beobachterstatus ermöglicht dieses Dispositiv der Schweiz den direkten Zugang zu den Verteidigungsministerien und Streitkräften von 57 Staaten sowie zu den politisch-militärischen Gremien fünf internationaler Organisationen (UNO, OSZE, NATO, EU und AU). Militärvertreter im Aussennetz (Verteidigungsattachés, Militärvertreter und -berater) sind speziell für diese anspruchsvollen Aufgaben ausgewählte und ausgebildete Offiziere. Für einen Zeitraum von drei bis vier Jahren werden sie bei den diplomatischen Vertretungen des EDA eingesetzt.

Der Bundesrat hat kürzlich die Bedeutung bestätigt, die er dem militärischen Aussennetz beimisst. Mit seinem Entscheid vom 31. Januar 2018 beauftragte er das VBS, dieses Netzwerk durch neue Verteidigungsattaché-Stellen in der Ukraine, Singapur und Subsahara-Afrika zu stärken. Dieser Entscheid wird zurzeit umgesetzt und im Jahr 2020 abgeschlossen sein.

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