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Erste Kampfjetpilotin der Schweizer Armee

2012 hat sie ihre Pilotenausbildung begonnen, 2009 bereits nahm sie am Programm SPHAIR teil. Zehn Jahre später sitzt sie im Cockpit einer F/A-18 Hornet und schützt den helvetischen Luftraum. Oberleutnant Fanny «Shotty» Chollet ist die erste Kampfjetpilotin der Schweiz.

19.02.2019 | Christoph R. Schelhammer, Kommunikation Verteidigung

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© VBS / DDPS

Ihr Beruf ist es, den Schweizer Luftraum zu schützen und zu verteidigen. Sie tut dies im Cockpit einer F/A-18 Hornet. Und das kommt nicht von ungefähr: Die Leidenschaft für die Aviatik war bei Fanny Chollet seit Kindesbeinen an vorhanden, war die Fliegerei doch traditionell verankert in ihrer Familie. Die Faszination für die fliegenden Kisten liess sie denn auch nicht mehr los, bewusst entschieden für das Leben zwischen Himmel und Erde hat sich Fanny dann 2009, als sie im letzten Jahr vor der Maturität am Gymnase de Chamblandes (Pully) stand. Gerade einmal 17 Jahre alt, startete sie ihre Karriere als Pilotin. Heute ist sie die erste Kampfjetpilotin der Schweizer Luftwaffe.

Ihr Job sei ihre Leidenschaft, ihre Berufung. Starke Worte einer jungen ambitionierten Frau, auf die sie eindrückliche Taten folgen liess. Der Werdegang der ersten Kampfjetpilotin der Schweiz liest sich denn auch, als habe es für sie nur einen Weg gegeben: jenen hoch hinaus und hinauf in die Lüfte.

Fanny «Shotty» Chollet

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© VBS / DDPS

Jahrgang 1991, sie ist Berufsoffizier im Rang eines Oberleutnants. Sie ist seit dem 1. Januar 2019 operationell in der Fliegerstaffel 18 in Payerne und erste Kampfjetpilotin der Schweizer Luftwaffe im Cockpit einer F/A-18 Hornet. Ihre militärische Karriere begann 2011 in der Rekrutenschule der Luftwaffe in Payerne. Abverdient hat sie auf den Militärflugplätzen Payerne, Dübendorf und Alpnach. 2012 wurde sie zum Offizier befördert, danach für die Pilotenschule auf PC-7 ausgewählt und ist seither bei der Schweizer Luftwaffe angestellt. Den ersten Teil der Ausbildung hat Fanny Chollet mit der zivilen Berufspilotenlizenz bei Swiss Aviation Training (SAT, heute Lufthansa Aviation Training) durchlaufen und ihr Studium an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit dem Bachelor in Aviation abgeschlossen (2012–2015). Anschliessend folgte die Schulung auf der PC-7, die sie mit der Ausbildung auf der PC-21 fortsetzte. Im Dezember 2017 hat «Shotty» das Brevet als Berufsmilitärpilotin erhalten. Letztes Jahr absolvierte Fanny Chollet dann die formellen und taktischen Kurse auf der Hornet und sitzt seit dem 1. Januar 2019 als Flügelstürmer im Cockpit einer F/A-18, um den Schweizer Luftraum zu schützen und zu verteidigen.

Eine Karriere für die Fliegerei

Fanny Chollet wurde 1991 geboren, als weltweit gerade einmal eine Handvoll Kampfjetpilotinnen die «Gender Barrier» durchbrochen hatte. Damit Pilotinnen wie Fanny in der Schweizer Armee aber überhaupt in einem Cockpit einer F/A-18 Platz nehmen können, bedurfte es einer Änderung des Militärgesetzes. Denn bis 2004 war es Frauen von Gesetzes wegen nicht gestattet, Kampfjetpilot in der Luftwaffe zu werden. Die Schule schloss sie 2010 mit der Maturität in den Schwerpunktfächern Biologie und Chemie ab. Fasziniert von der dritten Dimension, absolvierte die junge Waadtländerin, die in Saint-Légier aufgewachsen ist, bereits ein Jahr zuvor den SPHAIR-Kurs und erlangte damit die Empfehlung zur Berufspilotin. Danach ging das Auswahlverfahren weiter. Parallel besuchte Fanny Chollet die Rekrutenschule der Luftwaffe in Payerne, wo sie anschliessend auch die Offiziersschule durchlief. 2012 wurde sie zum Leutnant befördert, seither ist sie bei der Schweizer Luftwaffe angestellt.

Von 2012 bis 2015 studierte Fanny Chollet an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur und schloss mit einem Bachelor in Aviation ab. Zudem erlangte sie die zivile Berufspilotenlizenz beim Swiss Aviation Training (SAT, heute Lufthansa Aviation Training). Anschliessend folgte die Schulung auf den Ausbildungsflugzeugen PC-7 und PC-21.

Am 15. Dezember 2017 wurde Fanny Chollet gemeinsam mit acht männlichen Kollegen der Pilotenschule brevetiert. Zwei sind ebenfalls für Kampfjets vorgesehen, die anderen für Helikopter. Nach insgesamt sechs Jahren Ausbildung hat sie die Zulassung als Kampfjetpilotin erhalten. Mit der Verleihung der Pilotenflügel ist «Shotty» nun Berufsmilitärpilotin der Schweizer Luftwaffe geworden. Vom Ausbildungsflugzeug PC-21 wechselte sie letztes Jahr auf den achtmal schwereren Kampfjet F/A-18. Der achtmonatigen formellen folgten zwei Monate taktische Ausbildung auf der Hornet sowie zum Abschluss der Umschulung letztes Jahr ein Nachtflugtraining über Schottland. Fanny gehört seit dem 1. Januar 2019 operationell zur Fliegerstaffel 18 auf der Payerne Air Base.

Mach zwei ohne Bonus

Die Umschulung von der PC-21 auf die fast 2000 km/h schnelle F/A-18 war ein grosser Schritt für die erste Kampfjetpilotin der Schweizer Luftwaffe, die taktische Schulung höchst anspruchsvoll. «Mein Ziel ist es, die Ausbildung zu bewältigen und alle meine späteren Missionen bestmöglich zu erfüllen», meint Fanny Chollet bestimmt. Es war ein langer und anspruchsvoller Weg bis ins Cockpit der Hornet, auf dem es keine Vorzugsbehandlung gab. Während ihrer ganzen Ausbildung habe sie denn auch nie den Eindruck erhalten, dass sie anders behandelt worden sei, bloss weil sie eine Frau ist. Die Bedingungen seien für alle stets gleich gewesen.

Zehn Jahre nach ihrer Entscheidung, Kampfpilotin zu werden, sitzt die 28-Jährige nun seit Januar im Kampfjet und nimmt am täglichen Geschwaderflugdienst teil, wo sie ihren Beitrag an Luftpolizeieinsätzen oder Luftkampfübungen leistet. Als logische Konsequenz ihrer derzeitigen Ausbildung werden bald schon die nächsten Schritte folgen: Ein Führungskurs zum Hauptmann, internationale Trainingskampagnen und die taktische Ausbildung zum Leader einer Zweierformation (section lead) stehen auf ihrem Programm. Dem Nachwuchs am Schweizer Himmel empfiehlt «Shotty», den ersten Schritt in die dritte Dimension bei SPHAIR zu wagen, denn dort beginnt der Einstieg in die militärische wie zivile Aviatik. Der Tipp der ersten Kampfjetpilotin der Schweiz für die Jugend: «Seid motiviert, engagiert und stets vorbereitet. Militärpilot zu sein, ist eine Leidenschaft.»