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Das Schweizer Militärbiscuit: ein Kulturgut wird 60

Viele Menschen kennen sie als «Sägemehl am Stück», und in den Lagern der Logistikbasis der Armee tragen sie die Registernummer 2119.3803: die Militärbiscuits. Das für seine trockene Konsistenz bekannte Lebensmittel wurde 1959 lanciert und gehört noch immer zur Grundverpflegung der Armee.

27.11.2018 | Kommunikation Verteidigung

Eine geöffnete Packung Militärbiscuits mit einigen entnommenen Guetsli.
Die Militärbiscuits gelten als probates Mittel gegen den Hungerast und steigern damit die Durchhaltefähigkeit der Armeeangehörigen im Einsatz.

Vielseitig einsetzbar, hoher Nährwert und lange haltbar: Das waren die Vorgaben an die Entwickler der Militärbiscuits. Das heute verbreitete Modell wurde 1959 lanciert. Damals und noch lange danach liess die Schweizer Armee speziell für sich eine ganze Reihe von weiteren Verpflegungsprodukten produzieren; etwa Rindsragout mit Kartoffeln und Schweinefleisch, Spätzli in Büchsen oder konserviertes Brot. Von dieser Tradition sind nur noch die Militärbiscuits und die Militärschokolade übriggeblieben.

Das neue Biscuit ersetzte den Militärzwieback, den die Aktivdienstgeneration als «Bundesziegel» bezeichnete. Dessen Scheiben waren zwar fast unverderblich, aber ohne Tunken in eine Flüssigkeit kaum essbar. Die Notnahrung war vor allem für die Vorratslager für Festungen im Réduit gedacht. Es musste etwas Zeitgemässes her, fand das Oberkriegskommissariat und forderte die Fabrikanten auf, Vorschläge einzureichen. Den Zuschlag erhielt die Firma Kambly aus dem Emmental, die eine Art Petit Beurre ohne Butter und Vollmilchpulver entwickelte und vor nunmehr bald 60 Jahren einführte.

Das Militärbiscuit ist legendär für seine Trockenheit, welche die Haltbarkeit garantiert, und den ausgesprochen neutralen Geschmack. Letzterer ermöglicht seinen Einsatz sowohl für Süssspeisen, etwa für eine Götterspeise oder eine Schokoladeschnitte, als auch als Zwischenverpflegung. «Und vor allem sind sie der einzige Brotersatz, den wir haben», betont Chefadjutant Jean-Michel Martin, Chef Fachbereich Verpflegung bei der Logistikbasis der Armee.

Beliebte und erfolgreiche Imageförderer «im Hinterland»

Seit jeher geben Armeeangehörige die Biscuits genauso wie Militärschokolade gerne an Kinder, Angehörige und andere Fans ab. Viele Soldaten haben zu den Biscuits allerdings eine reservierte Haltung, räumt Martin ein. Er erklärt sich den Widerspruch so, dass die Guetzli für die Bevölkerung eine interessante Abwechslung bedeuten, während sie für den Soldaten zum Dienstalltag gehören. «Er muss essen, was er erhält», da spiele der Genuss keine grosse Rolle.

Zwar haben die Biscuits alle Armeereformen überstanden, aber die hergestellte Menge ist parallel zur Reduktion der Personalbestände stetig zurückgegangen. Nach der Einführung wurden gegen 200 Tonnen pro Jahr an die Truppe ausgeliefert. 1999, 40 Jahre nach der Einführung, wurden rund 135 Tonnen bestellt, 2007 etwa 70 Tonnen. Für das laufende Jahr hat Kambly für die Armee 40 Tonnen produziert. Und für nächstes Jahr sind 30 Tonnen vorgesehen, plus 7,5 Tonnen der immer beliebteren Miniportionen, welche die Armee 2012 für Besuchstage und zum Abgeben eingeführt hat.

Das Rezept blieb fast unverändert

Seit der Einführung wurde das Rezept nur geringfügig verändert. Die Biscuits bestehen aus sind einem besonders trockenen Weizenmehl, Kartoffelstärke, Zuckerarten, Magermilchpulver und Gerstenextrakt sowie Backtreibmittel und Salz. Vor rund zehn Jahren wurden die unbeliebten gehärteten Fette – konkret Schweinefett – durch zertifiziertes Palmfett ersetzt. Butter, das damals als Alternative ebenfalls ins Feld geführt wurde, ist zu wenig haltbar.

Früher buken fünf Unternehmen für die Armee, heute gibt es nur einen Hersteller. 2009 wurde die Produktion letztmals ausgeschrieben – den Zuschlag erhielt Kambly. Die Firma kann seit 2010 auch Militärbiscuits an den zivilen Handel verkaufen, darf dafür aber nicht die offizielle Armee-Verpackung verwenden. Nächstes Jahr wird die Produktion erneut ausgeschrieben. Wer die beste Qualität zum günstigsten Preis offerieren kann, erhält den Zuschlag.

Chefadjutant Martin geht davon aus, dass Militärbiscuits auch in Zukunft bestellt und verteilt werden. «Sie erfüllen ihren Zweck und ermöglichen uns die Erfüllung unseres Kernauftrages.»

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