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«umalölala»

Guten Morgen. Das war’s. Sie sind wieder abgereist, die Staatspräsidentin, der Regierungschef und die Managerin. Sie, die in Davos gewesen waren diese Woche. Die ganze Welt hat auf sie und die kleine Stadt in den Bündner Bergen geschaut, einmal mehr.

21.01.2024 | CUMINAIVEL | FT


Heute ist das 54. Weltwirtschaftsforum bereits seit zwei Tagen Geschichte. Du und ich könnten an dieser Stelle über Nutzen oder Nichtnutzen dieses Treffens diskutieren, debattieren und politisieren. Was bringt’s? Du hättest deine Meinung kundgetan und ich meine. Und dann? Am Schluss sind wir beide wieder gleichweit. Ich schreibe diesen Text und du baust die Ter-Gitter zurück, oder was auch immer du im Militär machst. Die Ausgangslage ist gleich: Du und ich, wir haben einen Auftrag zu erfüllen. Und das machen wir.

Es kann sein, dass du auf diesen Auftrag oder auf das, was du machen musst, keinen Bock hast. Okay, aber weisst du, es ist eine leichte Übung auf diesem Planeten, auf etwas oder vieles keinen Bock zu haben. Die wesentlich anspruchsvollere Übung ist es, an einen Ort zu gehen, dort mitzuhelfen, sich einzusetzen und diese Energie mitzunehmen, auch wenn wir manchmal keinen Bock haben. Dazu eine kleine Anekdote: Vor einigen Tagen gönnte ich mir frühmorgens in einem Café ein «Gipfali». Ich kam in das Lokal hinein und sah einige Soldaten an einem Tisch sitzen. Ich fragte sie, ob ich mich dazugesellen dürfe. «Ja, klar», sagte einer der Soldaten. Wir kamen sofort ins Gespräch. Es war eine illustre Runde. Die Soldaten erzählten mir, dass sie auf der Wache eingeteilt seien. «Wir sind stundenlang am ‘umalölala’», sagte einer von ihnen. Dieses komische Wort «umalölala» war dann auch der Aufhänger für die nächste Stunde. Wir lachten darüber, obwohl niemand von uns wirklich genau wusste, was «umalölala» eigentlich bedeutet. Ich weiss es jetzt noch nicht. Was ich aber weiss, diese Stunde in diesem Café mit diesen Soldaten war ziemlich nice. Wir kannten uns vorher nicht, sind einfach spontan zusammengekommen und verstanden uns von Anfang an. Niemand packte den anderen in eine Schublade, nur weil er eine andere Meinung hat, im Gegenteil. Wir sassen gemeinsam da in unseren grünen Uniformen, tranken einen Kaffee und gönnten uns ein «Gipfali». Wir hatten grad voll Bock hier zu sein. Ganz ehrlich, das Kameraden-Feeling war maximal deep, verbunden durch den Respekt voreinander.

Ich wollte dir diese Anekdote erzählen, weil ich glaube, dass gerade die Kameradschaft ganz wichtig für uns ist. Sie ist die stärkste Waffe, die wir haben. Denn allein gewinnst weder du noch ich. Das gilt für uns alle, egal wer wie viele Striche, Balken und Sterne auf den Schultern trägt. Wichtig ist, dass wir im Anderen auch immer unseren Kameraden oder unsere Kameradin sehen. Das müssen wir versuchen, finde ich! Und zwar immer wieder und bei jedem Auftrag, den wir gemeinsam als Angehörige dieser Armee erfüllen, sei er noch so langweilig oder noch so spannend. Es ist die Kameradschaft, die uns trägt. So wie an diesem Morgen im Café mit den Wachsoldaten, als wir redeten und lachten über dieses komische Wort «umalölala».

Ich wünsche dir einen schönen Sonntag.

Hptm Fabio Theus, Armeeseelsorge


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