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Den Äther im Blick

Erfolg im Einsatz hat meist die Seite mit den besseren Informationen. Eine wichtige Rolle spielt dabei längst nicht mehr nur die Aufklärung mit Feldstecher und Wärmebildkamera, sondern auch jene im elektromagnetischen Raum. Das Stichwort dazu: «Signals Intelligence», kurz SIGINT.

16.01.2024 | CUMINAIVEL | PI

Die Abkürzung dürften viele Leserinnen und Leser schon gehört haben. Aber was dahintersteckt, wissen wohl nur wenige. Kein Wunder, denn die SIGINT-Welt ist voller Geheimnisse. Für diesen Artikel konnte CUMINAIVEL mit dem Chef der Einsatzzentrale SIGINT (EZ SIGINT) der Luftwaffe sprechen. Er hat unseren Autor in einem neutralen Sitzungszimmer empfangen – die EZ selbst ist in einer Schutzzone und der Zugang strikt geregelt. Schon vor dem Zutritt zum Bürotrakt deponiert man als Besucher sein Handy und seine Smartwatch in einem Schliessfach.

Alles voller Wellen

Unsere Atmosphäre ist voll von elektromagnetischen Signalen: WLAN, Handy, Flug- und Amateurfunk, GPS, Radio und Fernsehen, um nur das Gängigste zu nennen. Hinzu kommen militärische Aussendungen wie jene von Radarsystemen oder fliegenden Mitteln. Während sich Panzerkolonnen oder Versorgungskonvois leicht optisch beobachten lassen, braucht es zur Erfassung und Auswertung all dieser Wellen besondere technische Geräte und speziell geschultes Personal.Der Bereich SIGINT umfasst zwei Gebiete, (1) die Aufklärung von Kommunikationssystemen wie Funk (COMINT, communication intelligence) und (2) die Auswertung anderer elektromagnetischer Signale (ELINT, electronic intelligence). Signale werden mit geeigneten Sensoren erfasst und in Echtzeit verarbeitet oder zur späteren Decodierung und Analyse aufgezeichnet. Kein Thema in der EZ SIGINT sind nota bene die eingangs zur Illustration erwähnten zivilen Anwendungen wie WLAN oder Mobiltelefone.

Zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Luftwaffe

Für den Betrieb der EZ SIGINT ist ein Team von Profis verantwortlich, das punktuell durch Angehörige der Miliz unterstützt wird. Gerade während des Weltwirtschaftsforums ist diese Verstärkung nötig, um die Durchhaltefähigkeit im 24-Stunden-Betrieb sicherzustellen.Dass die Luftwaffe über eine eigene SIGINT-Abteilung verfügt, ergibt sich aus ihren spezifischen Bedürfnissen, namentlich der Identifikation von Luftfahrzeugen im Rahmen der Wahrung der Lufthoheit. So besteht denn auch ein zentraler Auftrag der EZ SIGINT darin, das bereits vorhandene Luftlagebild (recognized air picture, RAP) mit Informationen aus dem elektromagnetischen Raum anzureichern. Das RAP ist eine Übersicht, die grob gesagt der Darstellung ähnelt, wie sie Interessierte von Portalen wie zum Beispiel FlightRadar kennen.«Wir können mit SIGINT Informationen gewinnen, die andere Quellen nicht liefern», sagt der  Chef der Einsatzzentrale und schiebt sofort nach, dass er diesbezüglich nicht ins Detail gehen dürfe. Ein weiterer Vorteil der SIGINT ist, dass ihre Sensoren passiv sind. Sie empfangen also lediglich Signale, die andere Objekte abstrahlen, ohne dabei selbst zu senden. Dadurch sind sie schwierig zu lokalisieren.

Unaufhaltsamer Fortschritt

Die Ausbreitung von Signalen folgt den Gesetzen der Physik, die man mit keiner auch noch so raffinierten Technik überlisten kann. Elektromagnetische Emissionen können sich nicht davor schützen, von einer passenden Antenne empfangen zu werden. Und tatsächlich ist schon das Wissen darüber, dass irgendwo etwas ausgesendet wird, etwas wert, denn jedes Gerät sendet in einem bestimmten Frequenzband mit typischen Signalformen. Ein empfangenes Signal kann also unter Umständen gewisse Rückschlüsse auf die Quelle und ihren Standort zulassen. Entsprechend werden die Übermittlungsverfahren laufend komplexer. War zur Zeit der Weltkriege unverschlüsselter Analogfunk der Standard, funken heutige Geräte in vielen (aber nicht allen!) Bereichen digital. Übertragungen werden nicht selten durch moderne kryptografische Verfahren gegen das Abhören geschützt. Um den Anschluss nicht zu verlieren, muss man sich dauernd der Umwelt anpassen. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel.Ob wir denn international gesehen gut dastehen, will CUMINAIVEL bei der Verabschiedung noch wissen. «Auch wenn wir sicher über weniger Ressourcen verfügen als zum Beispiel die Grossmächte, müssen wir uns bestimmt nicht verstecken», sagt der Einsatzleiter. Aber zu sehr im Rampenlicht will die SIGINT dennoch nicht stehen. Und darum verschwindet er wenig später wieder im abgeriegelten Bereich.


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