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«Am Helikopter fasziniert mich das Handwerk»

Helikopterpiloten der Armee stehen während des Weltwirtschaftsforum rund um die Uhr im Einsatz. In engem Kontakt mit der Kantonspolizei Graubünden erfüllen sie ihre Aufträge. Ein junger Militärpilot erzählt.

22.01.2023 | CUMINAIVEL | rb

Wer während des Weltwirtschaftsforum (WEF) in Graubünden unterwegs ist, sieht und hört immer wieder Helikopter am Himmel. Die Helipiloten der Luftwaffe leisten am WEF ihren Assistenzdienst im Auftrag der Kantonspolizei Graubünden. Unter anderem werden Überwachungsflüge zur Sicherheit sowie Personen- und Materialtransporte durchgeführt. CUMINAIVEL konnte einen jungen Helikopterpiloten zum Interview treffen und mit ihm über seine Arbeit sprechen. Aus Persönlichkeitsschutz und aufgrund weiterer Einsätze des Piloten verzichten wir auf die Nennung seines richtigen Namens und verwenden stattdessen seinen Nicknamen «Toad».

Sie sind zum ersten Mal während des Weltwirtschaftsforum im Dienst. Wie sieht Ihre Arbeit im Cockpit aus?

Speziell ist die intensive Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Graubünden. Bei jedem Flug sitzt ein Einsatzleiter der Polizei neben mir im Cockpit. Das erfordert eine gute und verständliche Kommunikation.

Wer hat im Cockpit das Sagen? Sie oder der Kantonspolizist?

Beide. Die Kantonspolizei hat die Einsatzverantwortung und ist somit zuständig für die Erfüllung der einzelnen Aufträge. Was das Fliegen angeht, bin ich im Lead. Ich berate die mitfliegende Crew und entscheide über die Flugmanöver, also ob sie überhaupt durchgeführt werden können oder nicht. Zudem stehen wir beide in direktem Kontakt mit der Einsatzzentrale. Es wird also viel gesprochen während eines Flugs.

Wie bleibt man da fokussiert?

Ich briefe vor jedem Flug die Kantonspolizisten und allfällige weitere Passagiere. Dabei wird geregelt, wer in welcher Situation wann kommunizieren soll. So kann ich mich auf das Fliegen konzentrieren. Hilfreich ist: Viele Kantonspolizisten bringen langjährige Erfahrung mit und kennen den Umgang im Cockpit bestens. 

Wie bereiten Sie sich auf die Flüge vor?

Ich befolge die Ruhezeiten, studiere die Wetterentwicklung und nehme vor jedem Flug am offiziellen Briefing der Kantonspolizei Graubünden teil. Dort klären wir unter anderem, was unser genauer Auftrag ist, wie viele Personen mitfliegen, und besprechen die geltenden Restriktionen und Routen. Währenddessen bereiten Flughelfer den Helikopter vor, damit wir kurz nach dem Briefing startbereit sind.

Wie viele Flüge pro Tag fliegt ein Pilot während des WEF?

Die genaue Zahl darf ich nicht sagen. Jeder Tag ist unterschiedlich. Flexibilität ist hier gefragt.

Was macht für Sie die Faszination am Fliegen aus?

Am Helikopter fasziniert mich besonders das Handwerk. Wie bei einem Bagger bewegen wir die Maschine mit Hebeln und Pedalen. Dabei wird eine unglaubliche Präzision erreicht, was mich immer wieder von Neuem beeindruckt. Ich selbst bin neben einem Heliport aufgewachsen und wollte schon seit meinem 14. Lebensjahr Helikopterpilot werden. Diesen Traum habe ich mir erfüllen können.

Wieso haben Sie sich für die militärische Ausbildung entschieden?

Weil die Ausbildung in der Armee sehr umfassend, intensiv und vielfältig ist. Die Ausbildung zum Berufsmilitärpiloten hat mir in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum viel Erfahrung in verschiedenen Arten von Luftfahrzeugen ermöglicht. Auch jetzt, nach der Ausbildung, ist mein Aufgabengebiet als Helikopterpilot sehr breit und umfangreich. Diese Abwechslung ist unbezahlbar.

Sie sind ein verhältnismässig junger Pilot. Was nehmen Sie aus Ihrem ersten Einsatz am WEF mit?

Mit jedem zusätzlichen Flug wächst meine Erfahrung. Mein Entscheidungsprozess wird ausgefeilter, wenn es beispielsweise darum geht, wie lange geflogen werden kann und wann ein Flug abzubrechen ist. Mein rund zweiwöchiger Einsatz hier im Raum Davos hilft mir bei der Beantwortung solcher Fragen. Daher hoffe ich sehr, dass ich auch nächstes Jahr am WEF wieder im Einsatz stehen darf, oder besser gesagt, fliegen darf (lacht).


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