print preview

Zurück zur Übersicht Startseite


Tourismus und Armee?!

Geht das überhaupt? Dieser Frage ist CUMINAIVEL nachgegangen. Wir wollten wissen, ob der örtliche Tourismus von der Präsenz der Armee profitieren kann. Ein Berufsmilitär und ein Hotelier geben Auskunft.

21.01.2023 | CUMINAIVEL | ft

(Bild: Hotel Weisses Kreuz)

Thomas Egli ist Chefadjutant bei der Territorialdivision 3. Er ist unter anderem für die Unterbringung der Armeeangehörigen während des Weltwirtschaftsforum (WEF) verantwortlich, eine Herkulesaufgabe. Denn der Platz ist knapp. Jedes zur Verfügung stehende Bett wird gebraucht. Davon profitieren auch die Hotels im Einsatzraum. Ein Hotelier aus Thusis sagt uns wie. Doch dazu später. Zuerst sprechen wir mit Chefadjutant Thomas Egli.

Chefadjutant Egli, während des Assistenzdienstes am Weltwirtschaftsforum sind Offiziere der Armee im Einsatzraum auch in Hotels einquartiert. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Armee und Hotellerie?

So früh wie möglich, spätestens im Mai nach der ersten Planungsphase, erfolgt die Vorreservierung bei den Hotels. Nach der Erkundung vor Ort und der Finalisierung des Diensteinsatzplanes buchen wir dann definitiv. Dabei geben wir die benötigte Zimmeranzahl für alle Detachemente des WEF-Stabes der Territorialdivision 3 an. Da die Offiziere an verschiedenen Orten stationiert sind, sind entsprechend auch mehrere Hotels in unsere Planung integriert, also im Raum Thusis, Chur und Davos.

Was sind die Herausforderungen, wenn Armeeangehörige in Hotels einquartiert werden?

Die einzige Herausforderung sind Reservierungsanpassungen kurz vor oder während des Einsatzes. Solche Anpassungen sind etwa dann nötig, wenn der Einsatz länger oder kürzer verläuft als geplant. Ein weiterer Grund bildet das Diensttagemanagement. Hier kann es ebenfalls zu Anpassungen kommen, die Auswirkungen auf die Reservationen in den Hotels haben können. Es geht dabei aber nicht darum, unnötige Dienstage zu verbrauchen, wenn der Auftrag zum Beispiel früher als geplant erledigt ist. Das wäre ja kontraproduktiv. Erwähnen möchte ich noch kurzfristig geplante Besuche. Hierzu gehören beispielsweise Truppenbesuche von höheren Stabsoffizieren, zivilen Partnern oder der Politik. 

Was kostet eine Nacht im Hotel pro Armeeangehöriger?

Von Seiten der Armee haben wir pro Nacht und Kopf maximal 100 Franken für Offiziere und höhere Unteroffiziere zur Verfügung.

Soll mit der Unterbringung von Armeeangehörigen in Hotels indirekt auch der Tourismus in der Region gefördert werden? Etwa wenn sie Freizeitaktivitäten, Bäder oder Restaurants nutzen?

Aus militärischer Sicht, aber auch aus Sicht des Steuerzahlers, buchen wir nur Hotels, wenn keine adäquaten Unterkünfte für das Kader zur Verfügung stehen. Wenn wir Thusis als Beispiel nehmen, dann haben wir in diesem Raum tatsächlich zu wenige Unterkünfte. Deshalb weichen wir mit einzelnen Kaderangehörigen in Hotels aus. Selbstverständlich können alle Armeeangehörigen in ihrer Freizeit die im Raum zur Verfügung stehende Infrastruktur nutzen. Aufgrund der langen Arbeitstage sind es Einzelfälle. Hingegen am Wochenende gibt es immer wieder vereinzelte Armeeangehörige, die zum Beispiel Skifahren gehen. Dafür ist Graubünden im Januar ja prädestiniert. Sicher am meisten genutzt werden von Soldaten und Kader die Restaurants im Raum. Ein Bier zum Feierabend ist ja auch etwas tolles (lacht).

Wäre das Ziel auch, dass die Armeeangehörigen während ihres Dienstes finden; Wow, hier ist es aber schön und später mal mit ihrer Familie zurückkehren, um Urlaub zu machen? Stichwort: Touristische Nachhaltigkeit via Armee?

Aus regionaler Sicht ist ein positiver Nebeneffekt tatsächlich, dass einige dieser Armeeangehörigen die schönen Erinnerungen an ihren Militärdienst mit Familie und Freunden teilen und vielleicht sogar in die Region oder gar in das gleiche Hotel zurückkehren. Je besser die Angebote in der Region sind, desto grösser ist in diesem Sinne die touristische Nachhaltigkeit. Insgesamt höre ich viele positive Feedbacks von den Hotels und Restaurants  im Raum. Ich persönlich, wenn ich mit meiner Frau zwischen Chur und dem Tessin unterwegs bin, lasse mir ein Halt im Restaurant Bernina in Thusis nicht entgehen.  Dort gibt es die beste Pizza der ganzen Schweiz (lacht).

Die Armee kann also durchaus einen positiven Nebeneffekt für den Tourismus in der Region haben. So beherbergt im Januar etwa das Hotel Weiss Kreuz in Thusis dutzende Armeeangehörige. Sie übernachten dort während ihres Assistenzdienstes zugunsten der Sicherheit am Weltwirtschaftsforum (WEF). Welche Bedeutung die Armee für den Hotelleriebetrieb und damit für den Tourismus hat, erklärt Thomas Rüegg im Interview. Er ist Hotelier vom Weiss Kreuz in Thusis.

Thomas Rüegg, wie wichtig ist das Militär als Gast für Ihren Hotelleriebetrieb?

Grundsätzlich ist jeder einzelne Gast für uns sehr wichtig. In einem nicht so touristischen Ort wie Thusis und gerade im Januar sind wir natürlich sehr dankbar, dass wir das Militär zu unseren Gästen zählen dürfen. Zusätzlich schätzen wir es sehr, dass die Zimmerpreise für das Militär dem Marktpreis angenähert wurden.

Wie sind Ihre Erfahrungen als Hotelier bezüglich den Armeeangehörigen als Hotelgäste?

Die Armeeangehörigen sind sehr angenehme Gäste. Im Verlaufe der Zeit sind wertvolle Kontakte entstanden, der Umgang ist entsprechend freundschaftlich. Wir haben festgestellt, dass wir als Gastgeber die Ranghöhe und Truppenzugehörigkeit nicht ausser Acht lassen dürfen.

Welche Vorteile bringt die Armee allgemein der Hotellerie und der Gastronomie in einer Gemeinde wie etwa Thusis?

Diese Frage können wir nur in Bezug auf die Gastronomie beantworten, da uns der Überblick über das allgemeine Konsumverhalten der Militärangehörigen in der Gemeinde Thusis fehlt. In jedem Fall sind unsere Militär-Hotelgäste sehr treue Gäste und berücksichtigen unsere Restauration täglich. 


Zurück zur Übersicht Startseite