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Von Charkiw nach Davos

Samuel Vögeli evakuiert Schwerverletzte aus dem Krisengebiet in der Ukraine. Am WEF ist er Einsatzkommandant der Sanitätshilfsstelle. Ein Musterbeispiel des Schweizer Milizsystems.

18.01.2023 | CUMINAIVEL | sf

Während sich die Schweiz darüber empörte, dass die Mannschaftskapitäne an der Fussball-WM in Katar die Regenbogen-Armbinde nicht tragen dürfen, entging Samuel Vögeli gerade einem Bombenangriff. Die Raketengeschosse detonierten neben dem Rettungswagen. Der Lärm sei ohrenbetäubend gewesen. Vögeli hatte nur einen Gedanken: raus aus dem Krisengebiet. In Rumänien angekommen, waren er und sein Rettungsteam in Sicherheit.

Zurück in der Schweiz

Heute, zwei Monate später, leistet Vögeli am WEF seinen Dienst als Einsatzkommandant der Sanitätshilfsstelle. Schon sein Weg zum Leutnant ist aussergewöhnlich. «Ich kam mit 24 wieder in die Schweiz, damit ich die RS machen konnte», sagt der heute 27-Jährige. Seine Eltern gründeten Anfang der 90er-Jahren die Hilfsorganisation SFI, die in Albanien zunächst Schulen aufbaute und später medizinische Ausbildungsprogramme entwickelte. Aus den ursprünglich geplanten drei Monaten wurden dreissig Jahre, und so verbrachte er seine Kindheit zwischen Albanien und der Schweiz.

2012 gründet SFI den ersten professionellen Rettungsdienst in Albanien. Drei Jahre später ist Vögeli deren Kommandant, im Alter von nur 20 Jahren. Hier sammelt er Führungserfahrung und lernt mit Stresssituationen umzugehen. Er merkt: Er will noch mehr lernen. «In der Schweizer Armee nimmt man sich die Zeit, die Armeeangehörigen richtig gut auszubilden. Ich habe aus den letzten vier Jahren im Militär sehr viel lernen können», sagt Vögeli. «In der Offiziersschule wurde uns sehr viel beigebracht, etwa das Planen von Aufträgen und Routen.» 

Einsätze in der Ukraine

Das Erlernte aus der Offiziersschule konnte Vögeli nicht zuletzt für seine Arbeit bei SFI einbringen. Denn seit Beginn des Konfliktes in der Ukraine vor bald einem Jahr ist die Organisation auch in der Ukraine tätig, liefert medizinische Versorgung und führt Patiententransporte durch. «Wir evakuieren hauptsächlich schwerverletzte Patienten, Kinder und Neugeborene», sagt Vögeli. «Von Charkiw nach Kiew und dann aus dem Land heraus.» Auch für diese Arbeit habe er auf das in der Schweizer Armee Gelernte zurückgreifen können. Gleichzeitig betont der Leutnant: «Die Situation in einem Krisengebiet ist immer angespannt. Man weiss nie, was in der nächsten Minute passiert», so Vögeli.

Der Leutnant hat mit seinen jungen Jahren bereits einen grossen Erfahrungsrucksack, den er mich sich trägt. Wie er sagt, lässt er gerne auch seine Kameraden hier am WEF an diesem Rucksack teilhaben. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten sind gerade in der Sanitätshilfsstelle (San Hist) von Vorteil. Denn dort im Rettungszentrum müssen im Falle eines schweren Ereignisses, die verletzten Personen erstversorgt werden. Leutnant Vögeli und sein Team sind darauf vorbereitet.


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