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Mit einer Leine in die Hölle

Erst die Explosion, dann die Flammen und die ersten vermissten Zivilisten. Ein dramatischer Weckruf für das Dorf Ambri während der Übung «OSSIGENO», die in einem Industriegebiet der Leventina stattfand. Der Gegner führte eine Sabotageaktion mit Sprengstoff entlang der Bahngleise durch. Dies hatte zur Folge, dass sich die Flammen ausbreiteten und auf ein Gebäude übergingen. Das Rettungsbataillon 3 wurde hinzugezogen, um das Gebäude zu sichern und die verletzten Personen in Sicherheit zu bringen. Ein fiktives aber durchaus realistisches Übungsszenario. Warum eine Leine über Leben und Tod entscheiden kann.

16.06.2022 | JA


Der Konvoi trifft ein und die Truppen des Rettungsbataillon 3 beginnen mit dem Sichern der Umgebung. Mindestens vier Personen werden in dem brennenden Gebäude vermisst, möglicherweise auch mehr. Von aussen sieht man einen dichten Rauchvorhang. Deshalb ist schnelles Handeln durch die Truppen gefragt. Nachdem sie sich vergewissert haben, dass das Gebäude nicht einsturzgefährdet ist, rüsten sich die Trupps für den Einsatz im Inneren aus. Sauerstoffflaschen und Schutzausrüstung werden in Teamarbeit angezogen und die Kameraden sind im nu bereit für den Einstieg. Zuerst soll der Aufenthaltsort der vermissten Personen ermittelt werden. Anschliessend sollen diese gerettet und dann alle Fenster geöffnet und die Türen des Industriegebäudes geschlossen werden.

Eine Leine fürs Überleben

Bei Einsätzen mit eingeschränkter Sicht, erklärt Wachtmeister Roberto, werden Führungsleinen verwendet. Dieses Fachwort bezeichnet ein Seil, das in einem Beutel am Gürtel des Feuerwehrmannes befestigt ist. Sie ermöglicht die Orientierung im Gebäude und hilft beim Kennzeichnen der bereits durchsuchten Räumen. Jeder Trupp, der das Gebäude betritt, spannt eine neue Führungsleine damit sichergestellt ist, dass sie den Weg zurückfinden. So sichert die Leine gleich mehrere Leben. 

Dank dieser guten Organisation sind die ersten beiden Verwundeten schnell gefunden. Der Trupp versucht den Zustand der Personen ausfindig zu machen und bereitet den Abtransport vor. Währenddessen stösst der Rettungstrupp, wie in einem realen Szenario zu erwarten, auf Unerwartetes. Ein Fass mit unbekanntem Inhalt wird gefunden und birgt neue Gefahren für die Helfer. Ein Feuerwehrmann, welcher Experte für chemische Kampfstoffe ist und von dem Adjutant Unteroffizier Martial Koenig vom Ausbildungszentrum der Rettungstruppen verkörpert wird, greift nun zur Unterstützung ein. Die Gruppe soll das Etikett des Fasses und seine Eigenschaften zu überprüfen. So kann der Experte anschliessend über die Gefahrstoffdatenbank die zu ergreifenden Sicherheitsvorschriften abrufen.

Alles liegt an der Führung.


– Adj Uof Martial Koenig, Ausbildungszentrum der Rettungstruppen (AZR 76)

 

Am Ende der Übung erklärt uns Adj Uof Koenig wie er die Kader bei solchen Einsätzen vorbereitet. «Alles liegt an der Führung», sagt er uns. «Ob unter optimalen Bedingungen und mit optimalen Ressourcen gearbeitet wird oder nicht, hängt in jeder Situation von der Führung der Verantwortlichen ab. Sie müssen darauf achten, dass Sie Ihre Truppen richtig anweisen, damit jeder weiss, was er zu tun hat. Wenn die Prozesse korrekt angewendet werden, können nicht nur Leben gerettet, sondern auch weitere Zwischenfälle vermieden werden.»

 


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