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Im Dialog mit dem Armeechef

Der Chef der Armee (CdA), Korpskommandant Thomas Süssli, war am Freitagmittag zu Besuch im Kanton Appenzell Innerrhoden, auf dem Programm stand ein CdA-Lunch-Event.

08.04.2022 | Ter Div 4

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Der Chef der Armee (CdA), Korpskommandant Thomas Süssli, war am Freitagmittag zu Besuch im Kanton Appenzell Innerrhoden, auf dem Programm stand ein CdA-Lunch-Event. Nachdem er 2015 in Walzenhausen (Kanton Appenzell Ausserrhoden) stattgefunden hatte, war diesmal Appenzell an der Reihe. In der Kunsthalle Ziegelhütte sprach der Chef der Armee vor über 100 Vertretern aus Wirtschaft und Politik von weltweiten Megatrends, von möglichen Bedrohungsbildern, die die Armeeführung daraus ableitet fürs Jahr 2030 und von den Leadership-Fähigkeiten, die militärische Führungskräfte erwerben.

Aus aktuellem Anlass äusserte sich Thomas Süssli zu Beginn seines Vortrags zur Situation in der Ukraine. „Man liest häufig vom „Konflikt in der Ukraine“. Es ist aber kein Konflikt, es ist ein Krieg. Ein Krieg gegen die Ukraine, ein Krieg gegen die westlichen Werte“, betonte Süssli. Er ordnete den Konflikt aus politischer und militärstrategischer Sicht ein. Er ging auf die verschiedenen Narrative ein, mit denen der russische Präsident, Vladimir Putin, arbeitet, ortete mögliche Fehler, die Putin passiert waren beziehungswiese Falschinformationen, mit denen dieser offenbar bedient worden war und er beurteilte die Waffensysteme und die Militäreinsätze aus operativer Sicht. Die Ausführungen stiessen beim Publikum auf grosses Interesse, das verdeutlichten die Gespräche, die nach dem Vortrag beim Stehlunch geführt wurden.

Die Schweiz und die Welt

Der Chef der Armee sprach im Rahmen seines 35minütigen Referats nicht nur von der Ukraine, sondern auch von der Schweiz und ihrer Armee. Das Erfolgsmodell Schweiz stehe, so Süssli, auf vier Pfeilern: Innovation, Industrialisierung, direkte Demokratie und Sicherheit. Und für den letzten Pfeiler, die Sicherheit der Schweiz, setze er sich ein. Er erinnerte daran, dass man dabei nicht vergessen dürfe, in welcher Welt die Schweiz stehe. Von den vier globalen Kräften sei auch sie sehr direkt betroffen. Die vier globalen Kräfte, das sind: die Urbanisierung mit wachsenden Megacities, die Demografie mit immer mehr Menschen, der Klimawandel, der zu Migrationsbewegungen und Ressourcenkämpfen führt und schliesslich die 4. Industrielle Revolution mit der künstlichen Intelligenz und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen.  

Bereit sein wenn’s zählt

Die weltweiten Entwicklungen wirken sich auf das Bedrohungsbild aus, von dem die Schweizer Armee ausgeht. Als Richtpunkt gilt das Jahr 2030. Laut Süssli wirke der Gegner in Zukunft vermehrt aus der Distanz und unerkannt aus dem Cyberraum. Wichtig: Er versuche das Gegenüber an der sensibelsten Stelle zu treffen, den kritischen Infrastrukturen. Die Bedrohung könne gleichzeitig und vernetzt aus unterschiedlichsten Operationssphären kommen und das klassische Gefecht finde, wenn, dann zunehmend in urbanem Gebiet statt. Darauf gelte es sich einzustellen als Armee. «Luft – Boden – Cyber – für alle haben wir Konzepte ausgearbeitet. Die Grundlagen sind vorhanden», so der Chef der Armee.

   Als grosse Herausforderung bezeichnet er die Alimentierung der Armee. Wenn alles bleibe, wie es sei, so seine Aussage, dann würden Armee und Zivilschutz 2030 nicht mehr funktionieren können. Süssli verwies auf die zwei Modelle, die der Bundesrat aktuell zur Diskussion stellt und appellierte: «Reden Sie mit, bringen Sie sich ein und bilden Sie Ihre Meinung.» Süssli schloss seinen Vortrag vor den Vertretern aus Politik und Wirtschaft mit einem Verweis zum Thema «Leadership». Die Armee sei heute fast die einzige praktische Ausbildungsstätte für Führungskräfte. Wer in der Armee abverdiene, lerne sehr viel und lerne vor allem innerhalb einer gesetzten Frist gute und solide Entscheide zu fällen.  

   Gastgeber des Anlasses mit dem Chef der Armee war Divisionär Willy Brülisauer, Kommandant der Territorialdivision 4. Die Grussbotschaft des Kantons überbrachte Landesfähnrich Jakob Signer. In der Fragerunde kam auch Hauptmann Kilian Meier, Kompaniekommandant der Unterstützungskompanie des Infanteriebataillons 61 (Inf Bat 61/4), zu Wort.


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