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CHATRANG: Showdown am Simulator

Im Rahmen der Simulationsübung CHATRANG hat der Lehrverband Fliegerabwehr 33 (LVb Flab 33) am Führungssimulator in Kriens die Aktionsplanung und Lageverfolgung auf Stufe Abteilung trainiert. Wir haben den Stab der Mobilen Fliegerabwehr Lenkwaffen Abteilung 4 (Mob Flab Lwf Abt 4) während Teilen der Übung begleitet.

19.06.2020 | Fachof Noël Graber, Komm Gr LVb Flab 33

U CHATRANG 2020
Kdt Mob Flab Lwf Abt 4, Maj Philipp Schumacher, und Kdt Stv Maj i Gst Matthias Meier

17 Uhr: Die Stabsmitarbeitenden der Mob Flab Lwf Abt 4 stehen im «Achtung». Der Stab ist zum Beurteilungsrapport angetreten. «Lassen Sie sich nicht überraschen!» Mit diesen Worten hatte Brigadekommandant und Übungsleiter Brigadier Hugo Roux die beübten Stäbe kurz vorher auf die Übung eingeschworen. Das nehmen sich die Stabsmitarbeiter der Abteilung 4 zu Herzen. Sie beginnen nun damit, die Möglichkeiten des Gegners zu beurteilen. Die Abteilung hat mehrere Aufträge gefasst: Sie muss Übergänge über die Thur und eine mechanisierte Brigade vor Angriffen aus der Luft schützen. Stabschef Maj i Gst Matthias Meier fordert seine Leute: «Mit wie vielen Flugzeugen ist genau zu rechnen? Ab wann? Und ab welcher Position könnte der Gegner die zu beschützenden Ziele angreifen?» Derweil verschafft sich Abteilungskommandant Maj Philipp Schumacher den Überblick: «In dieser Phase muss ich der ruhigste Mann im Raum sein. Meine Aufgabe ist es, das grosse Ganze anzuschauen, die Zusammenhänge zu sehen und das "Big Picture" zu haben, um zu entscheiden.

19:30 Uhr: Entschlussfassungsrapport. Der Abteilungskommandant hat seinen beiden RAPIER-Gefechtsbatterien Aufträge zugewiesen. Die Batteriekommandanten präsentieren ihre Lösungsvorschläge jeweils in Varianten. Risiken werden abgewogen. «Sollen wir uns mit zwei Feuereinheiten den Rücken freihalten oder darauf vertrauen, dass die Kameraden uns Rückendeckung geben?» Abteilungskommandant Schumacher wägt die Varianten anhand definierter Kriterien ab. «Welche Variante gibt uns mehr Handlungsfreiheit? Welche ist einfacher?» Noch bis tief in die Nacht feilt der Abteilungsstab an den Plänen. Man kann schliesslich nie bereit genug sein.

Nächster Tag, 08:00. «Von Regie an alle: Die Übung CHATRANG ist gestartet», hallt es über den Lautsprecher. Für die Abteilung 4 startet die Übung mit dem Aufmarsch – also dem Weg der Feuereinheiten in ihre Stellungen. Es ist ein friedlicher Start für den Abteilungsstab. Führungskarten werden ajour gehalten und überprüft, Koordinaten gegengecheckt, Eventualitäten durchgesprochen. Der Aufmarsch der Einheiten läuft entlang einer definierten Marschroute. «Da ist man immer etwas angespannt», gibt Abteilungskommandant Philipp Schumacher zu. «Während der Verschiebung haben wir keinen direkten Kontakt zu unseren Einheiten im Feld.» Zwei Stabsmitarbeitende tragen eine Kartenwand quer durchs KP. Es wird nochmal umdisponiert. «Manchmal merkst du erst, dass ein Setup nicht optimal ist, wenn der Einsatz läuft», sagt der Stabschef. Dann kommt eine Meldung von der Verschiebung: Bei einem Verkehrsunfall sind zwei Armeeangehörige verletzt worden, das Übermittlungsfahrzeug ist schwer beschädigt. Der Stab ist gefordert: Die Versorgung der Verletzten übernimmt zwar die Batterie selbst, die Abteilung muss aber für Fahrzeugersatz sorgen. Denn ohne Übermittler kann die Feuereinheit ihren Auftrag nicht erfüllen. Jetzt kommen weitere Meldungen von der Strasse: Trümmerteile machen die Marschroute unpassierbar. Ein Stau verzögert den Aufmarsch an einem anderen Ort. Ereignisse, auf die es zu reagieren gilt. Der Stab der Abteilung 4 ist im Einsatz angekommen.

14:30 Uhr. Die Herausforderungen des Vormittags sind gemeistert. Der Flab-Schirm ist aufgespannt, die Feuereinheiten in ihren Stellungen angekommen. Sie schützen die Thur-Übergänge und die mechanisierte Brigade gegen Angriffe aus der Luft. Kurze Verschnaufpause für die Stabsmitarbeiter der Abteilung. Die Ruhe währt allerdings nur kurz. Ein Batteriekommandant meldet über Funk: Feindbeschuss! Die Folgeradare von mehreren Feuereinheiten wurden mit Luft-Boden-Raketen zerstört. Sofort herrscht im Abteilungs-KP Betriebsamkeit. Weitere Meldungen treffen von der Front ein. Weitere Radare zerstört, Munitionsdiebstahl, eine Einheit meldet den Abschuss eines gegnerischen Flugzeugs. Die Situation wird unübersichtlich. «Lagerapport!», entscheidet Kommandant Schumacher. Schnell werden der Kommandant und der Stab wieder Herr der Lage. Auf der Führungskarte wird aufgezeichnet, welche Feuereinheiten noch wie einsatzfähig sind. Gleichzeitig wird in Erfahrung gebracht, wie schnell Ersatz für das zerstörte Gerät bereitsteht. Über allem steht die grosse Frage: Kann die Abteilung ihre Aufträge mit den verbleibenden Mitteln überhaupt noch erfüllen? Wieder werden Varianten besprochen und abgewogen. Hier eine Feuereinheit abziehen um dort eine Lücke im Dispositiv zu schliessen? Wann ist der nächste Angriff des Gegners zu erwarten? Die Herausforderungen gehen dem Stab der Abteilung 4 nicht aus.

Nach drei Tagen intensivem Üben auf dem Simulator werden positive Bilanzen auf allen Stufen gezogen. Aber die Anwendung der Produkte der Führung (Führungskarte, Synchromatrix und Statusboard) ist weiter zu trainieren. Es war für alle sehr lehrreich und spannend. Jedem ist klar: üben, üben, üben.