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Jeder Handgriff muss sitzen

Kein Einsatz für schwache Nerven: An der Seite von zivilen Rettungstrupps haben die Gebirgsspezialisten der Schweizer Armee hoch über Davos eine spektakuläre Bergungsübung durchgeführt. Geprobt wurde auch das Zusammenspiel von Militär und örtlichen Helfern.

24.01.2020 | CUMINAIVEL | ac

Jeder Handgriff muss sitzen

 

Auf dem Weissfluhjoch auf 2693 m ü. M. herrscht an diesem Morgen Postkarten-Wetter. Keine Wolke ist am blauen Himmel zu sehen. Doch während sich draussen die Wintersportler gleich reihenweise auf die Pisten stürzen, sitzt Hans Martin Henny konzentriert im SOS-Posten der Bergstation. Der 53-Jährige gebürtige Bündner ist Stabsadjutant, dipl. Bergführer und mitverantwortlich für die Ausbildung der Gebirgsspezialisten der Schweizer Armee mit Standort in Andermatt. Er weiss: In wenigen Augenblicken werden seine Truppen auf dem Berg hoch über Davos den Ernstfall üben. 

Eine Viertelstunde und ein kurzes Briefing später stehen Henny und ein Team aus Gebirgsspezialisten, Einsatzkräften der Pistenpatrouille sowie Mitgliedern der Alpinen Rettung Schweiz auf dem Gipfel über einer steilen Felswand. Etwas mehr als 20 Leute sind vor Ort. Dort, wo sich selbst die waghalsigsten Freerider kaum mehr hin trauen, steigen die Rettungsteams ohne zu zögern in den Hang. Viel Zeit zum Abwarten bleibt ihnen ohnehin nicht. Drei Personen sollen aus dem unwegsamen Gelände geborgen werden. Im Ernstfall zählt jede Minute. «Es ist ein realistisches Szenario», erklärt Henny.

Einer, der auf der Unglücksstelle stets den Überblick behalten muss, ist der erst 26-jährige Oberleutnant Marco Stephan. Er koordiniert die zur Verfügung stehenden Helfer. «So ein Einsatz ist nicht alltäglich, deshalb ist man auch entsprechend angespannt.» Anmerken lässt sich der Luzerner ETH-Abgänger das aber kaum. Stephan weiss, dass er auf sein Team zählen kann. Die aufgebotenen Gebirgsspezialisten sind ein Team aus Alpinisten-Profis. Stabsadjutant Henny sagt denn auch nicht ohne Stolz: «Diese Leute bringen enorm viel Know How aus ihrem zivilen Leben mit.» Ihre Erfahrung macht sich auch bei der Übung auf dem Weissfluhjoch schnell bemerkbar. Jeder Handgriff sitzt, von unnötiger Hektik keine Spur. Doch es sind nicht nur die Truppen der Armee, die hier am Berg perfekt funktionieren müssen. «Ein Ziel der Übung ist es auch, das einwandfreie Zusammenspiel mit den zivilen Rettungseinheiten zu trainieren», sagt Henny. 

Trotz des schönen Wetters sind die Bedingungen für die Helfer unerbittlich. Permanent fegt eine eiskalte Bise über den Grat. Fast drei Stunden dauert der Einsatz am Berg, erst dann sind alle vermissten Personen geborgen. Hans Martin Henny kennt die Tücken der Arbeiten in dieser extremen Umgebung. Seit mehr als 25 Jahren ist er beruflich in den Bergen unterwegs. Er sagt: «Der Fokus ist auf der Rettung der Betroffenen. Doch die Suchtrupps müssen stets auch darauf achten, nicht noch selber in Gefahr zu geraten.» Auch darum zieht er unmittelbar nach dem Einsatz ein positives Fazit. Ruhig und sauber hätten die Einheiten gearbeitet. «Das ist wichtig», nickt Henny zufrieden.