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Fahrer aus Leidenschaft

Während des WEF spult Soldat Tim Müller hunderte Kilometer im Auto ab. Der 25-Jährige ist der persönliche Fahrer des Kommandanten der Territorialdivision 3. Der Bündner könnte sich keinen besseren Job im WK vorstellen.

24.01.2020 | CUMINAIVEL | ac

Fahrer aus Leidenschaft

 

Auf dem Parkplatz vor dem Bürokomplex bringt die Sonne gerade die letzten Schneereste zum Schmelzen. Soldat Tim Müller steht vor der Treppe, die Hände in den Hosentaschen, und blinzelt kurz in den Himmel. Er wartet. Das ist jeden Tag Teil seines Auftrags. Müller ist der persönliche Fahrer von Divisionär Lucas Caduff. Wenn in Davos das WEF stattfindet, steht Müller dem Kommandanten der Territorialdivision 3 für mehrere Wochen zur Verfügung.

BMW statt Duro

Er sei in der RS zunächst als gewöhnlicher Infanterist ausgebildet worden, erklärt Müller. Dass er heute nicht hinten in einem Duro durchs Feld transportiert wird, sondern in einem weissen BMW vorne links sitzt, verdankt er dem Zufall. «Als ein neuer Fahrer für den Divisionär gesucht wurde, sollte dieser vorzugsweise wie Caduff auch aus der Region kommen.» Ein Glücksfall für den Bündner Müller. Nach einer kurzen Fahrer-Ausbildung hatte er den Job. Mittlerweile ist es bereits sein vierter WK, an dem Müller den Divisionär chauffieren darf. Meistens gehen die Fahrten nach Davos und Umgebung, manchmal stehe aber auch spät Abends noch ein Termin in Bern an. «Man muss immer konzentriert bei der Sache sein, auch wenn die Tage als Fahrer lang sein können.»

«Ich fahre übervorsichtig»

Autos sind die Leidenschaft des 25-Jährigen. Im zivilen Leben arbeitet er als Automobil-Mechatroniker und brettert mit einer Corvette über die Strassen. Auch die nötigen Kurse für eine Renn-Lizenz hat er absolviert. Am Steuer des Dienstwagens ist sich Müller aber seiner Verantwortung bewusst. «Hier fahre ich fast übervorsichtig.» Er will sich nicht ausmalen, was passieren würde, wenn er mit dem Divisionär auf der Rückbank einen Unfall hätte.

Per Du mit dem Chef

Egal ob Divisionär, Brigadier oder Chef der Armee – durch seine Arbeit sind Treffen mit ranghohen Militärs für Müller zur Gewohnheit geworden. «Es hat schon etwas von einem Sonderstatus, den man als Fahrer geniesst», lacht Müller. Auch zu Lucas Caduff hat der Soldat mittlerweile ein engeres Verhältnis. «Seit Kurzem sind wir per Du.» Und nach so vielen gemeinsamen Stunden im Fahrzeug wisse er auch ganz genau, wann der Divisionär lieber seine Ruhe haben und nicht sprechen will.

Tim Müller schaut zieht kurz sein Handy aus der Hosentasche. Keine Nachricht. Er muss also weiter auf die nächsten Anweisungen warten. «Geduld braucht es für diese Arbeit halt schon auch», sagt er. Dann muss er lachen. Müller würde seinen Job im WK nicht mehr tauschen wollen.