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Schatten der Bundesrätin

Während des Weltwirtschaftsforums folgt Oberst im Generalstab Felix Stoffel Verteidigungsministerin Viola Amherd auf Schritt und Tritt. Im Notfall muss es schnell gehen.

13.01.2020 | CUMINAIVEL | mm

Mobile Luftlage Luftwaffe
Luftfhansa Airbus A380-800, "Zürich", D-AIMF, Ident und Escort to Land LSZH mit F/A-18C Hornet Fl St 11

Den berühmten Koffer, den trägt er schon längst nicht mehr hinterher. Am WEF-Einsatz der Schweizer Luftwaffe ist Oberst i Gst Felix Stoffel so etwas wie die rechte Hand der Verteidigungsministerin. Sie wäre es, die im äussersten Notfall den Abschussbefehl erteilen müsste. Für solche Fälle und für die Darstellung der mobilen Luftlage gab es früher einen Koffer, bestückt mit der benötigten Ausrüstung. Heute beschränkt sich dies alles auf wesentlich kleinere digitale Gerätschaften. Mit zwei Hauptfunktionen: «Die Luftlage muss jederzeit und mobil darstellbar, die Kommunikation allzeit gewährleistet sein», sagt Oberst Stoffel. Über das gleiche Luftlagebild verfügt man auch in der Einsatzzentrale Luftverteidigung (EZ LUV) in Dübendorf.

Bei einem Eindringling in den während des Einsatzes gesperrten Luftraum etwa ist es die eingeübte Verfahrenskette des Eskalationsprozesses, an die es sich zu halten gilt. Von der Kontaktaufnahme über Funk bis zu einer im äussersten Notfall notwendigen Neutralisierung des fehlbaren Luftfahrzeugs reicht dieser Prozess. Dabei haben sich die Kampfjet-Piloten stets gemäss internationaler Regeln zu verhalten.

«2001 war ein Einschnitt fürs WEF», erinnert sich Generalstabsoffizier Stoffel, der schon damals dabei war. Die Anschläge von 9/11 veränderten das Sicherheitsbedenken rund um die Politik- und Wirtschaftskonferenz in Davos. Im Jahr danach fand das WEF in New York statt, seither wieder in den Bündner Bergen – aber die Sicherheitsstandards haben sich gerade bezüglich Luftraum komplett geändert. «Der bewaffnete Schutz des Luftraums hat Einzug gehalten», sagt Stoffel.

Zwischen der EZ und der Verteidigungsministerin ist Stoffel die Kommunikationsbrücke. Stoffel ist während des WEF immer an der Seite der Verteidigungsministerin und stellt die Kommunikation in die EZ LUV sicher. Alles wurde im Vorfeld im Beisein der Departementsvorsteherin minutiös trainiert. Kurz: Wo Amherd ist, ist auch Stoffel.

Weicht ein Flugzeug von einer der Haupt-Luftverkehrsstrassen Europas von Mailand nach Zürich Richtung Davos ab, würde es nicht lange dauern, bis es das Landwassertal erreicht hätte. Entsprechend schnell muss die Befehlskette funktionieren. «Da gibt es natürlich wichtige Redundanzen», sagt Oberst im Generalstab Felix Stoffel. Und auch mal eine Kompetenzüberweisung. Die Verteidigungsministerin könne, etwa bei wichtigen Sitzungen, ihre Kompetenz durchaus für zwei Stunden an den Kommandanten der Luftwaffe delegieren. Ganz wie im Piloten-Jargon heisst es dann: «Your controls».