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«Meilensteine in der Geschichte der Schweizer Luftwaffe»

Die Typenentscheide des Bundesrates zur Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges und eines Systems der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite sind Meilensteine in der Geschichte der Schweizer Luftwaffe. Weshalb, erklärt deren Kommandant, Divisionär Peter Merz, in einem Gastbeitrag des Luftfahrtmagazins Cockpit.

12.08.2021 | Divisionär Peter Merz, Kommandant Luftwaffe

Divisionär Peter Merz

 

Am 30. Juni 2021 hat der Bundesrat entschieden, nebst der Beschaffung von fünf Feuereinheiten des bodengestützten Luftverteidigungssystems Patriot dem Parlament auch den Kauf von 36 F-35A zu beantragen. Beide Systeme erzielten in der Evaluation mit Abstand den höchsten Gesamtnutzen und gleichzeitig die tiefsten Gesamtkosten. Diese Erkenntnisse brachte ein Evaluationsbericht hervor, an dem rund 70 ausgewiesene Expertinnen und Experten aus verschiedensten Fachbereichen des VBS mitgearbeitet hatten.

Als neuer Luftwaffenkommandant freue ich mich, zusammen mit den Mitarbeitenden und Milizangehörigen der Luftwaffe beide Systeme in unsere Armee einzuführen. F-35A und Patriot stellen in vieler Hinsicht einen «Game-Changer» dar. Warum?

Wir wechseln zum Prinzip der «Integrierten Luftverteidigung», was bedeutet, dass wir gleichzeitig mit boden- und luftgestützten Systemen in den selben Luftraum wirken können und so die jeweiligen Stärken der Systeme voll zur Geltung kommen. Mit dem F-35A verändern sich die Trainingsinhalte und das Verhältnis der Flug- zu den Simulatorstunden. Aufgrund der umfassenden und weiterentwickelten Sensoren im Vergleich zu herkömmlichen Kampfflugzeugen erhält die Besatzung ein viel besseres Situationsbewusstsein und eine Informationsüberlegenheit. Dadurch wird es möglich, mit weniger Aufwand die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die durchschnittliche Missionsdauer wird etwas länger als heute. Die Anzahl Starts und Landungen reduzieren sich auf rund 50% im Vergleich zur heutigen F/A-18- und F-5 Flotte und der CO2-Aussstoss wird um rund 25% gesenkt.

Der F-35A ist zwar nur mit einem, aber zuverlässigen und leistungsstarken Triebwerk ausgerüstet. Er zeigt im Steigflug zum Beispiel nach einem Alarmstart für eine Luftpolizeimission gleiche Flugleistungen wie andere Kandidaten. Ein grosser Vorteil ist, dass er keine Aussenlasten, weder für Flugpetrol noch für Waffen oder Sensoren mittragen muss, sondern für die meisten Einsätze immer gleich «schlank» und aerodynamisch konfiguriert ist. Seine «Stealth»-Charakteristik (Tarnkappen-Eigenschaft) stellt auch in der defensiven Luftverteidigungsrolle einen weiteren klaren Vorteil des F-35A dar.

Die Schweiz wird Patriot und F-35A autonom betreiben können und entscheidet selber darüber, welche Daten sie mit dem Hersteller oder anderen Luftwaffen austauschen will, so wie sie dies mit unseren heutigen Kampfflugzeugen tut.

Die Entscheide sind Meilensteine in der Geschichte der Schweizer Luftwaffe.