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MitteilungVeröffentlicht am 23. Oktober 2025

Zwei Instruktoren, zwei Nationen, eine Mission: Internationale Zusammenarbeit beim SUNMOC

Beim Swiss United Nations Military Observer Course (SUNMOC) bringen erfahrene Instruktorinnen und Instruktoren aus verschiedensten Ländern ihre Perspektiven und Einsatzerfahrungen ein. Ihr gemeinsames Engagement verdeutlicht, wie wertvoll internationale Zusammenarbeit für die Ausbildung von UNO-Militärbeobachterinnen und -beobachtern ist. Ihr Zusammenspiel zeigt, wie unterschiedliche Ansätze und Kulturen zu einer praxisnahen Vorbereitung auf Missionen beitragen.

Die erfahrenen Instruktoren, Oberstleutnant Ralf Lündsmann und Hauptmann Tapio Syväosa aus Finnland bringen Einsatzerfahrungen aus verschiedenen Ländern in die Ausbildung ein.

Text: Fachof Aisha Seitz, Kommunikationsoffizierin Milizstab SWISSINT

Wenn Schweizer Zuverlässigkeit auf finnische Gelassenheit trifft, entsteht ein spannender Austausch – besonders dann, wenn beide Seiten auf eine reiche Erfahrung in internationalen Friedensmissionen zurückblicken können. Der Schweizer Oberstleutnant Ralf Lünsmann war bereits in Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Syrien, in der Kaschmir-Region zwischen Pakistan und Indien, in Ghana und im Libanon im friedensfördernden Einsatz. Zudem war er 2000/01 für das EDA als Berater zur Unterstützung des Monitoring-Teams für die «Humanitarian Pause» in Aceh/Sumatra (Indonesien) tätig. Im zivilen Leben ist er Geografie-Lehrer. Seine ruhige, strukturierte Art und sein analytischer Blick auf komplexe Situationen machen ihn zu einem geschätzten Ausbildner. «Im Feld ist es entscheidend, schnell Vertrauen aufzubauen – mit der lokalen Bevölkerung, aber auch mit internationalen Partnern». Als Gast-Instruktor war er bereits in Militärbeobachterkursen in Finnland, Kanada, Irland und Vietnam tätig. Ihn habe der «Peacekeeper-Virus» gepackt, verrät er.

In seinen Augen macht es einen grossen Unterschied, wenn Instruktoren selbst als Militärbeobachterin oder Militärbeobachter im Einsatz waren und die tatsächlichen Herausforderungen aus eigener Erfahrung kennen. «Die Peacekeeperinnen und Peacekeeper benötigen alles, was sie hier lernen, auch tatsächlich im Einsatz.»

Internationaler Austausch

Hauptmann Tapio Syväoja von den finnischen Streitkräften bringt eine andere, aber ebenso wertvolle Perspektive mit. Er war unter anderem in Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Afghanistan und im Libanon im Einsatz. «In einer multinationalen Umgebung zu arbeiten bedeutet, ständig voneinander zu lernen: Über andere Kulturen, andere Arbeitsweisen, andere Sichtweisen», erklärt er. «Das ist eine der grössten Stärken der UNO-Missionen – und auch des SUNMOC.» Als Gast-Instruktor hat er bereits an Kursen in der Schweiz und in Österreich mitgewirkt. Von sich selbst sagt er lachend, er habe zwei Hobbies: «Peacekeeping und Beekeeping». Ausserhalb des Militärdienstes unterrichtet er Marketing, Management und Leadership in der Erwachsenenbildung und er profitiert auch im Militär von seinem zivilen Know-how.

«Wir ergänzen uns sehr gut», sagt Oberstleutnant Lünsmann über die Zusammenarbeit mit seinem finnischen Kollegen. Hauptmann Syväoja sagt, die Chemie habe von Anfang an gestimmt. Er betont, wie gut und detailliert in der Schweiz alles geplant ist: «Trotzdem muss man flexibel bleiben, den Plan an die jeweilige Situation anpassen und sich vor allem gegenseitig unterstützen. Denn wir sitzen alle im gleichen Boot.»

Lernen durch Diversität

Der SUNMOC, der jährlich am Ausbildungszentrum SWISSINT in der Schweiz durchgeführt wird, bereitet Offizierinnen und Offiziere aus aller Welt auf ihre Rolle als Militärbeobachterin oder Militärbeobachter in UNO-Missionen vor. Die Teilnehmenden lernen, wie man unparteiisch beobachtet, berichtet, vermittelt – und in einem schwierigen und herausfordernden Umfeld mit komplexer Sicherheitslage agiert. Dabei profitieren sie nicht nur vom strukturierten Lehrplan, sondern auch vom praktischen Erfahrungsschatz der Instruktorinnen und Instruktoren. Im Gegenzug bieten die Auslandseinsätze auch einen wertvollen Return on Investment: Die Angehörigen der Armee gewinnen unter realen Bedingungen Erfahrungen, welche direkt zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Schweiz und zur Steigerung der Interoperabilität der Armee beitragen.

Beide Instruktoren betonen, wie wichtig der internationale Austausch nicht nur für die Kursteilnehmenden, sondern auch für sie selbst ist. «Ich lerne in jedem Kurs etwas Neues, sowohl von den Teilnehmenden als auch vom Instruktoren-Team», sagt Tapio Syväoja. Ralf Lünsmann ergänzt: «Es ist inspirierend zu sehen, wie Menschen aus unterschiedlichen Ländern das gleiche Ziel verfolgen – nämlich Frieden zu sichern.» Für ihn ist es daher auch der «beste Job in der Schweizer Armee».

Fundierte Ausbildung bei SWISSINT

Bei SWISSINT gibt es rund 30 Ausbildungsoffizierinnen und -offiziere, die nach Bedarf in ihrem Milizdienst für Übungen und Kurse aufgeboten werden. Die Bedingung für eine solche Funktion ist, selbst über Einsatzerfahrung zu verfügen. Das Ziel: die Ausbildung so realitätsnah wie möglich zu gestalten, um die Teilnehmenden bestmöglich auf ihre späteren UNO-Missionen vorzubereiten. Die Kursinhalte werden zudem laufend an aktuelle Gegebenheiten und veränderte Risiken in den Einsatzgebieten angepasst.

Der SUNMOC ist damit nicht nur ein Ausbildungsprogramm, sondern auch ein Ort gelebter Völkerverständigung. Und Instruktoren wie Oberstleutnant Lünsmann und Hauptmann Syväoja sind das beste Beispiel dafür, wie internationale Zusammenarbeit auf Augenhöhe funktioniert – kompetent, respektvoll und mit einem gemeinsamen Ziel: dem Frieden.