Spannender Einsatz in einem komplexen Umfeld
Major Daniel war 19 Monate lang als Sekretär der Neutral Nations Supervisory Commission in Südkorea tätig. Im Interview gibt er Einblick in seine vielseitigen Aufgaben und schildert die Herausforderungen eines Einsatzes in einem komplexen internationalen Umfeld.

Text Sandra Stewart, Kommunikation SWISSINT, sprach mit Major Daniel, Sekretär Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC), Südkorea
Major Daniel, Sie waren als Sekretär zugunsten der NNSC in Südkorea tätig. Was hat Sie dazu bewogen sich zugunsten eines friedensfördernden Einsatzes zu engagieren?
Während rund zehn Jahren leistete ich Milizdienste am Ausbildungszentrum SWISSINT. Der Reiz mich persönlich einem Auslandeinsatz zu stellen, war schon länger vorhanden. Die berufliche Entwicklung in der Privatwirtschaft stand jedoch stets etwas stärker im Fokus. Im Rahmen einer beruflichen Neuausrichtung war der Zeitpunkt dann passend mich für ein solches Engagement zu bewerben. Dass es zu einem Einsatz in Südkorea kam, freute mich umso mehr – war die NNSC doch meine favorisierte Mission.
Welche Voraussetzungen mussten Sie für diese Funktion erfüllen?
Die Mindestvoraussetzungen sind eine kaufmännische Aus-und Weiterbildung, wünschenswert ist ein Hochschulabschluss. Eine mehrjährige, praktische, zivile Berufserfahrung, eine gute Prise Lebenserfahrung und sehr solide Englischkenntnisse sind ein Muss. Stabserfahrung auf Stufe Truppenkörper runden das Profil ab.
Welche Aufgaben fielen in Ihren Verantwortungsbereich?
Die Funktion des Sekretärs ist eine Schlüsselposition der NNSC. Zu meinen Kernaufgaben gehörten die Sicherstellung des Sekretariatsbetriebs, Co-Führung des Sekretariats der Gesamtkommission mit dem schwedischen Sekretär, das Besucher-, Veranstaltungs-und Einladungsmanagement sowie der IT-Support. Darüber hinaus gab es Gestaltungsspielraum für Projekte, die über das Tagesgeschäft hinausgingen. So konnte ich beispielsweise in Zusammenarbeit mit externen Partnern eine dreisprachige Website auf Englisch, Koreanisch und Chinesisch erarbeiten, um die internationale Wahrnehmung der NNSC zu verstärken, sowie eine Cloud-basierte Waffenstillstandsausbildung für Truppen in der demilitarisierten Zone konzipieren.
Ein weiterer Tätigkeitsbereich war die Erstellung von politischen Berichten zur Lageentwicklung auf der koreanischen Halbinsel zuhanden der jährlich stattfindenden «Capital Level Consultations», dem diplomatischen Steuerungsorgan für die drei NNSC-Delegationen Schweiz, Schweden und Polen. Die Mitarbeit an der 2024 lancierten diplomatischen «Outreach Initiative» zur Verbesserung der Kommunikation zwischen der Nord-und Südseite rundeten meine abwechslungsreichen Tätigkeiten ab.
Worin lagen die Herausforderungen?
Die Arbeit fand in einem komplexen, internationalen Umfeld statt. Sich darin sicher zu bewegen und mit den unterschiedlichsten Ansprechpartnern stufengerecht zu kommunizieren, gehörte insbesondere zu Beginn der Mission zu den grössten Herausforderungen. In Erinnerung bleibt aber auch die Dauerbeschallung durch die Lautsprecherpropaganda der beiden Koreas während den ersten acht Monaten meines Einsatzes. Durch unsere Präsenz an der militärischen Demarkationslinie konnten wir uns diesem Lärm – wir sprechen hier von störenden Geräuschen wie Sirenen, Trommeln, Tiergeheul oder kratzendes Metall – nicht entziehen.
War ein Erlebnis besonders prägend?
Es ist schwierig ein einzelnes Erlebnis auszuwählen, betrachte ich doch die ganzen 19 Monate in Südkorea als ein Highlight. Ein besonderer Höhepunkt war die Teilnahme an den Konsultationsgesprächen in Peking im Rahmen der «Outreach Initiative», ebenso die Möglichkeit das entwickelte NNSC E-Learning dem Chairman Joint Chiefs of Staff der südkoreanischen Streitkräfte, einem Viersterne-General, zu präsentieren. Das war definitiv etwas nicht Alltägliches. Zudem bleiben mir die Besuche bei uns im NNSC-Camp in Panmunjom in guter Erinnerung. Es war jeweils sehr bereichernd Gespräche mit spannenden Persönlichkeiten über die Geschichte Koreas, das Waffenstillstandsabkommen und die NNSC zu führen. Der Besuch des damaligen Chefs der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, gehört hier zum Beispiel dazu.
Welche Erfahrungen nehmen Sie aus Ihrem Einsatz mit nach Hause?
Es war eine einmalige Erfahrung an einem geopolitischen Schmelzpunkt der Welt zu arbeiten. Durch meinen Einsatz in Panmunjom habe ich realisiert, dass die Schweiz mit ihrer Präsenz im Rahmen der NNSC tatsächlich einen relevanten – wenn auch bescheidenen – Beitrag zur Stabilität auf der koreanischen Halbinsel leistet. Zudem war die enge Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen Streitkräften etwas Einmaliges.
Was haben Sie als Nächstes vor?
Zuallererst freue ich mich darauf mehr Zeit mit Familie, Freunden und vor allem mit meiner Patentochter zu verbringen. Beruflich werde ich wieder in den Privatsektor wechseln, aber längerfristig kann ich mir sehr gut vorstellen für einen erneuten Einsatz bei der NNSC nach Südkorea zurückzukehren.
