Schweizer Führungskompetenz im internationalen Einsatz
Mitten im komplexen Einsatzumfeld von Kosovo sorgt die Joint Logistic Support Group dafür, dass sich die KFOR jederzeit bewegen, versorgen und einsatzfähig bleiben kann – und die Schweiz spielt dabei eine tragende Rolle. Als führende Nation stellt sie nicht nur entscheidende logistische Fähigkeiten bereit, sondern übernahm mit Oberst i Gst Rico Randegger als Kommandant auch die Verantwortung für die gesamte multinationale Unterstützung. Im Interview zeigt dieser auf, welchen strategischen Mehrwert dieser Einsatz für die Schweizer Armee bringt – von Führungsstärke über Interoperabilität bis hin zur Weiterentwicklung des Milizsystems.

Text und Fotos Fachoffizier Fiona Lehmann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 53, führte das Interview mit Oberst im Generalstab Rico Randegger, Kommandant Joint Logistics Support Group KFOR und Senior National Representative SWISSCOY, Kosovo
Welches Gewicht hat die JLSG in der KFOR-Struktur bezüglich Einsatzbereitschaft, Beweglichkeit und Durchhaltefähigkeit der Kräfte?
Die JLSG spielt eine zentrale Rolle in der Einsatzbereitschaft und Beweglichkeit der KFOR. Wir transportieren alle Soldatinnen und Soldaten bei Rotationen und führen Materialkonvois zwischen den Häfen in Griechenland sowie Albanien und dem Einsatzraum durch. Weiter sind wir für die Versorgung mit Treib-und Schmierstoffen aller Kategorien sowie den Betrieb des militärischen Flughafens in Slatina verantwortlich. Im Fall einer Lageverschärfung ist die JLSG vital: Nur sie verfügt auf Stufe KFOR über die Mittel taktisch im permissiven oder nicht-permissiven Umfeld Verkehrsträger zu öffnen oder zu schliessen.
Als Kommandant JLSG sind Sie direkt dem KFOR-Kommandanten unterstellt. In welchen Aspekten mussten Sie sich als Schweizer Offizier anpassen, um sich in der KFOR wirkungsvoll einzubringen?
Zunächst musste ich verstehen, wie der Organismus KFOR funktioniert. Es gibt eine Ebene der Offiziere, die alle sechs bis zwölf Monate rotiert und daneben eine Ebene von zivilen, teils langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zwischen diesen beiden Ebenen bestehen Zielkonflikte, die ich erst nach und nach erkennen konnte. Seitdem gelingt es mir durch geschicktes Navigieren zwischen den unterschiedlichen Interessen und den gezielten Aufbau tragfähiger Arbeitsbeziehungen innerhalb der KFOR Dinge zu bewegen.
Inwiefern trägt die Führung der JLSG durch die Schweiz zur Weiterentwicklung der strategischen und operativen Führungskompetenz von Schweizer Kadern bei?
Als JLSG-Kommandant ist man nicht nur in die logistischen und operativen Fragestellungen der KFOR eingebunden, sondern arbeitet auch eng mit NATO-Partnern im multinationalen Umfeld zusammen. Dabei stehen insbesondere Fragen der Beweglichkeit, der logistischen Koordination sowie der Abstimmung multinationaler Kräfte im Vordergrund. In diesem Kontext erhält man Einblick in übergeordnete Planungsprozesse und beteiligt sich an entsprechenden fachlichen Diskussionen.
Im Austausch mit neu hinzukommenden truppenstellenden Nationen werden zudem geopolitische und strategische Fragestellungen thematisiert, die gemeinsam mit Kameradinnen und Kameraden aus Partnerstaaten reflektiert und eingeordnet werden. Dies trägt wesentlich zur Weiterentwicklung der strategischen und operativen Führungskompetenz von Schweizer Kadern bei.
Im Rahmen der JLSG kann die Schweizer Armee Fähigkeiten aufbauen und vertiefen. Welche sind in multinationalen Einsätzen sowie im nationalen Kontext relevant?
Insbesondere die Drohnenabwehr im statischen und dynamischen Einsatz wird zentral sein. Sei es als Dienstleistung zugunsten anderer Kräfte oder zum Selbstschutz. Ebenso essenziell ist die Fähigkeit im Bereich Mobility Support Detachement für Einsätze in einem nicht-permissiven Umfeld. Drohnenabwehr und Beweglichkeit stellen damit Schlüsselfähigkeiten für die Verteidigung dar.
Wie werden Schweizer Kader im multinationalen Einsatz wahrgenommen? Spielt es eine Rolle, ob die Schweiz einen Berufsmilitär oder einen Milizoffizier entsendet?
Unsere militärische und fachspezifische Kompetenz wird sehr geschätzt. Eine Differenzierung zwischen Berufsmilitärs und Miliz konnte ich nicht feststellen. Teilweise wurde mir vor dem Einsatz geraten nicht auf meine Milizkarriere hinzuweisen, da die internationalen Militärangehörigen dies nicht verstehen würden. Das habe ich so nicht erlebt. Im Gegenteil: Meine Ausführungen zum Milizsystem stiessen auf grosses Interesse. Dies insbesondere vor dem Hintergurund, dass mehrere Nationen nach Wegen suchen die Miliz wieder einzuführen oder zu stärken.
In welcher Form möchten Sie Ihre Erfahrungen aus dem Einsatz in die Miliz einbringen?
Ich bin in der Territorialdivision 4 eingeteilt, die zwei Nachbarländer mit eigenen Armeen hat: Deutschland als NATO-Mitglied und Österreich als Mitglied der Partnership for Peace. Eine aktive Pflege der Beziehungen unter den Logistikern ist anzustreben, da im Verteidigungsfall ein auf Kooperation basierendes Logistiknetzwerk notwendig ist. Sicherlich werde ich deshalb versuchen Kameradinnen und Kameraden zu motivieren, einen Einsatz zu leisten!
