Rund um die Uhr im Einsatz
Das Tactical Operations Center (TOC) von SWISSINT ist die zentrale Drehscheibe für die Lageverfolgung in den Einsatzgebieten sowie für operative und administrative Prozesse der militärischen Friedensförderung. Als permanente Anlaufstelle steht es in engem, täglichem Kontakt mit den Peacekeeperinnen und Peacekeepern – sowohl im Einsatz als auch vor und nach der Mission.

Text Philipp Jordi, Chef Tactical Operations Center (TOC) SWISSINT
Fotos SWISSINT
Im TOC laufen alle relevanten Informationen zusammen, werden analysiert, aufbereitet und gezielt weitergeleitet. Unsere Arbeit gliedert sich dabei in zwei Bereiche: Rot und Blau. Der Bereich Rot ist für die nachrichtendienstliche Lageverfolgung verantwortlich. Ziel ist es, jederzeit ein aktuelles, verlässliches und gesamthaftes Lagebild aller Einsatzgebiete zu erstellen. Dazu werden Informationen aus unterschiedlichen Quellen ausgewertet, unter anderem aus Lageberichten der Kontingente und Einzelpersonen, offenen Quellen, internationalen Partnern sowie internen Meldungen. Auf dieser Grundlage erstellt das TOC regelmässig Risikobeurteilungen, die dem Kommandanten als Entscheidungsgrundlage dienen.
Rasche und fundierte Informationen sind essentiell
Kommt es in einem Einsatzgebiet zu politischen Spannungen, Unruhen oder einer Verschlechterung der Sicherheitslage, analysiert Rot die möglichen Auswirkungen auf das eingesetzte Personal. In kurzer Zeit werden Lageeinschätzungen und Lageentwicklungsmöglichkeiten erarbeitet, Handlungsoptionen aufgezeigt und Empfehlungen formuliert – etwa zur Anpassung von Bewegungsfreiheit, zur Verstärkung von Schutzmassnahmen oder zur temporären Einschränkung von Reisen. Gerade in dynamischen Lagen ist es entscheidend, rasch, präzise und fundiert zu informieren. Im Idealfall gelingt es Eskalationsspiralen im Voraus zu antizipieren, so dass SWISSINT sowie die Peacekeeperinnen und Peacekeeper im Einsatz vorbereitende Massnahmen einleiten können. Als beispielsweise im April 2023 der Bürgerkrieg im Sudan überraschend ausbrach, verfügte die damalige UNO-Mission über keine kinetischen Mittel, weshalb eine autonome Evakuierung nicht möglich war. Zwei Schweizer Peacekeeper befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Hauptstadt Khartum und konnten die Evakuationsbemühungen der UNO durch wertvolles militärisches Know-how unterstützen. Das TOC wiederum konnte dank Partnern aus dem nationalen Sicherheitsverbund den Peacekeepern wichtige Informationen zur Lage in der Stadt und ausserhalb mitteilen, die entscheidend für ihre Evakuierung waren.
Im steten Kontakt mit Peacekeepern weltweit
Der Bereich Blau fokussiert währenddessen auf das Einsatzpersonal und deckt dessen nationale Bedürfnisse ab. Hier wird das Lagebild unserer Peacekeeperinnen und Peacekeeper geführt: Wer befindet sich wann, wo und in welcher Funktion im Einsatz? Blau begleitet das Personal über den gesamten Einsatzzyklus hinweg, von der Einsatzplanung über administrative Vorbereitung bis zur Rückkehr.
Zum TOC-Alltag gehören beispielsweise die Koordination von Flugverbindungen bei kurzfristigen Lageänderungen oder die Unterstützung bei allgemeinen administrativen Fragen aus dem Einsatzgebiet. Auch im Ereignisfall, etwa bei einem medizinischen Notfall, stellt Blau sicher, dass relevante Stellen sofort informiert sind und notwendige Massnahmen koordiniert werden können. Die jederzeitige Verfügbarkeit korrekter Einsatz-und Personaldaten ist dabei essenziell. Ein zentraler Bestandteil des Notfallmanagements ist zudem die stufenübergreifende Ausbildung. Das Kompetenzzentrum SWISSINT stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden sowie sämtliche im Friedensförderungsdienst eingesetzten Schweizer Truppen über die notwendigen Kenntnisse und Handlungssicherheit im Notfallmanagement verfügen. Damit wird gewährleistet, dass Prozesse nicht nur definiert, sondern auch verstanden und im Ernstfall konsequent umgesetzt werden können.
Ein weiterer Auftrag des TOC ist die kontinuierliche Kommunikation mit den Peacekeeperinnen und Peacekeepern. Rückmeldungen aus dem Einsatz werden systematisch erfasst und ausgewertet. Diese Feedbacks fliessen direkt in die Weiterentwicklung von Ausbildungsinhalten, Einsatzvorbereitung und internen Abläufen ein und bilden die Grundlage dafür, dass Erkenntnisse aus dem Echteinsatz systematisch in den Aufbau und die Stärkung der Fähigkeiten der Schweizer Armee einfliessen.
Das TOC sorgt dafür, dass Entscheidungen auf einer soliden Informationsbasis getroffen werden können und unsere Peacekeeperinnen und Peacekeeper sich auf eine professionelle Unterstützung verlassen können – rund um die Uhr und weltweit.
