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MitteilungVeröffentlicht am 28. Juli 2026

Regionale Unterschiede, gemeinsamer Auftrag

Nach ersten Erfahrungen als Teil eines Liasion and Monitoring Team (LMT) in der geografischen Mitte des Landes, ist Oberleutnant Gina nun im Norden des Kosovo tätig. Dabei zeigt sich, wie stark sich die Herausforderungen je nach Region unterscheiden: Während im Norden vermehrt politische Themen und Fragen zur Sicherheit im Vordergrund stehen, prägten im früheren Einsatzgebiet vor allem soziale und wirtschaftliche Herausforderungen den Alltag. Der Beitrag gibt Einblick in die vielseitige Arbeit eines LMT und zeigt, wie wichtig der direkte Kontakt zur Bevölkerung für das Lagebild der KFOR ist.

Der Kontakt zur Zivilbevölkerung ist für Oblt Gina zentral. Bei Gesprächen wird sie jeweils von einem Teammitglied sowie einer Interpreterin oder einem Interpreter begleitet.

Text und Bilder Andrina Gehrig, Kommunikation SWISSINT

Oberleutnant Gina steht derzeit zum zweiten Mal mit der SWISSCOY in Kosovo im Einsatz. Sie ist Teil eines Liaison and Monitoring Teams (LMT) und übernimmt im Kontingent 54 die Funktion als Deputy Team Commander. Während sie ihre ersten Erfahrungen mit ihrem Team in Malishevë sammeln konnte, ist sie nun im Norden des Landes tätig. Dabei stellt sie fest, wie unterschiedlich derselbe Einsatz je nach Region sein kann.

Die zwei Einsatzgebiete, sogenannte Areas of Responsibility (AOR), lassen sich kaum miteinander vergleichen. Im Norden sind die Anforderungen und Herausforderungen an das Schweizer LMT anders gelagert. Auch die Bedeutung der Region für die KFOR ist eine andere. In der Vergangenheit kam es im Norden des Landes immer wieder zu Spannungen, welche die KFOR bei der Erfüllung ihrer Aufträge zur Sicherstellung eines sicheren und stabilen Umfelds (Safe and Secure Environment) sowie zur Aufrechterhaltung der Bewegungsfreiheit (Freedom of Movement) vor Herausforderungen stellte. Diese Ausgangslage prägt auch die tägliche Arbeit von Gina und ihrem Team.

Ein Beitrag zum Gesamtbild

Das LMT wird direkt von den regionalen Kommandanten der KFOR beauftragt und setzt sich anschliessend mit der Bevölkerung sowie Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Institutionen in Verbindung, um deren Sichtweisen einzuholen. Zusammen mit den Erkenntnissen aus anderen Regionen tragen diese dazu bei, ein möglichst umfassendes und einheitliches Lagebild des Kosovo zu schaffen. Im Norden stehen für Gina dabei stärker politische Themen im Vordergrund. Die Region ist stark von der kosovo-serbischen Bevölkerung geprägt; nur ein Dorf ist mehrheitlich kosovo-albanisch. Schulen, Arztpraxen, Restaurants und viele weitere Bereiche des Alltags sind sichtbar nach Serbien ausgerichtet. Auch finanzielle Unterstützungen und organisatorische Strukturen aus Serbien spielen für viele Einwohnerinnen und Einwohner eine wichtige Rolle.

Soziale Fragen statt politische Spannungen

Der Vergleich mit Ginas erstem Standort zeigt die Unterschiede deutlich. Rund 40-Autominuten südlich von Pristina war die Arbeit des LMT anders geprägt. Das Einsatzgebiet umfasste da eine Stadt sowie viele kleine, verstreute Dörfer. Es handelt sich um eine der ärmeren Regionen des Landes, was den Alltag der Menschen und damit auch die Arbeit des LMT stark beeinflusst.

Dort standen weniger politische Entwicklungen oder Ereignisse aus der Vergangenheit im Zentrum, sondern vielmehr die Lebensrealität der Bevölkerung. In den Gesprächen ging es um alltägliche Herausforderungen, wie beispielsweise den Arbeitskräftemangel aufgrund der Diaspora sowie um steigende Preise für Wasser, Elektrizität und weitere lebensnotwendige Güter.

Offenheit im Süden, Zurückhaltung im Norden

Besonders eindrücklich war für Gina der direkte Kontakt mit der Bevölkerung. Viele Menschen im Süden zeigten sich dankbar für die Präsenz der KFOR. Im Städtchen wurde dem Team zugerufen, auf den Strassen winkten Menschen aus den Fenstern oder hupten beim Vorbeifahren. Die Menschen erzählten von ihrer Arbeit, ihren Verwandten, ihren Nachbarn und von den Themen, die sie im Alltag beschäftigten.

Im Norden erlebt Gina den Kontakt zur Bevölkerung zurückhaltender. Viele Menschen orientieren sich stärker nach Serbien und begegnen der KFOR distanzierter. Gespräche finden zwar statt, doch oft bleiben die Inhalte ähnlich wie bei vorherigen Treffen. Der Zugang zu den Menschen ist deutlich anspruchsvoller.

Der Mensch bleibt Zentrum des Alltags

Für Oberleutnant Gina zeigt die Kombination dieser zwei Einsätze, wie vielseitig die Arbeit eines Liaison and Monitoring Teams ist. Der Auftrag bleibt grundsätzlich derselbe: zuhören, beobachten, verstehen und berichten. Doch die Realität vor Ort unterscheidet sich von Region zu Region stark. Gerade diese Unterschiede machen deutlich, wie wichtig die Präsenz der  LMT und der Beitrag der SWISSCOY für ein umfassendes Lagebild und die Stabilität im Kosovo sind.