print preview Zurück zur Übersicht Logistikbasis der Armee

Auch Militärfahrzeuge benötigen Fachkenntnisse

Ob Radschützenpanzer, Lieferwagen «Duro» oder einfache Personenwagen: Die Schweizer Armee verfügt über einen grossen und vielfältigen Fuhrpark. Wie zivile Fahrzeuge müssen auch militärische gewartet, gegebenenfalls instand gesetzt und einer regelmässigen Inspektion unterzogen werden. Die Verantwortung für diese Aufgaben, die für die Einsatzbereitschaft der Armee unerlässlich sind, obliegt den fünf Armeelogistikcentern. Sie müssen jederzeit für sichere Fahrzeuge besorgt sein. Die Werkstätten auf dem Armeegelände in Grolley FR geben einen Einblick.

18.04.2019 | Kommunikation Verteidigung, Anthony Favre

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Fotos: ©VBS, ZEM, Samuel Bosshard

Der Prozess ist allen Autobesitzern bekannt: In regelmässigen Abständen müssen sie ihr Fahrzeug beim kantonalen Strassenverkehrsamt für die Motorfahrzeugkontrolle «vorführen». Die gleiche Auflage gilt auch für militärische Fahrzeuge. In den Armeelogistikcentern (ALC) werden sämtliche Militärfahrzeuge periodisch überprüft: Schwerfahrzeuge über 3,5 Tonnen jährlich, Leichtfahrzeuge alle zwei Jahre. Raupenfahrzeuge hingegen unterliegen einem anderen Prozess. Zusätzlich zu den periodischen Überprüfungen werden bei jeder Materialrücknahme nach dem Dienst (WEMA) alle Fahrzeuge technisch geprüft, bevor sie wieder an die Truppe abgegeben werden. «Unsere wichtigste Mission ist es, jederzeit 100 Prozent sichere Fahrzeuge zu garantieren», erklärt Christian Clément, Leiter der Radfahrzeugabteilung des ALC Grolley.

Millimeterarbeit

Während der WEMA bringt die Truppe mehrere Hundert Fahrzeuge innerhalb weniger Stunden zurück. Angesichts einer solchen Menge sind Gründlichkeit und methodisches Vorgehen die Schlüsselwörter. Bei jedem Fahrzeug führen die Automobilmechatroniker im Logistikcenter unmittelbar nach der Übernahme von der Truppe eine erste Sichtprüfung durch. Es folgt eine kurze Probefahrt und Tests der Bremsen, um die wichtigsten Sicherheitselemente zu kontrollieren. Werden keine Mängel festgestellt, kann das betreffende Fahrzeug direkt für einen erneuten Einsatz bereitgestellt werden. Gibt es Probleme, kommt das Fahrzeug in die Werkstatt, um dort instand gesetzt zu werden.

Mehrere Tausend technische Inspektionen pro Jahr

Etwa 4500 Radfahrzeuge gehören zum ALC Grolley. In den Werkstätten der Leichtfahrzeuge arbeiten Automobilmechatroniker an «Duro», Anhängern und Mercedes-G-Klasse auf Autoliften. Einen Katzensprung entfernt befindet sich die Lastwagenwerkstatt. Hier werden IVECO-, Steyr- oder Saurer-LKW ebenso instand gesetzt wie Spezialfahrzeuge, beispielsweise Schneepflüge oder Outdoor-Wartungsfahrzeuge. Einzig die gepanzerten Radfahrzeuge werden nicht hier, sondern am Aussenstandort Romont FR repariert.

Allein im Jahr 2018 wurden 4900 Fahrzeuginstandsetzungen durchgeführt. Dabei kann sich das ALC auf qualifiziertes Personal verlassen. 56 Mitarbeitende und 29 Auszubildende stellen die Wartung jeglicher Art von Radfahrzeugen sicher. Alle Mitarbeitenden sind ausgebildete Automobilmechatroniker. Darüber hinaus haben die Automobilexperten des Prüfzentrums eine Spezialausbildung zum Verkehrsexperten bei der ASA (Vereinigung der Strassenverkehrsämter der Schweiz) absolviert. Dieser Kurs ist identisch mit der Ausbildung der zivilen Experten der Motorfahrzeugkontrolle.

Trotzdem ein Spezialfall

Obwohl sie scheinbar Ähnlichkeiten mit der Instandhaltung ziviler Fahrzeuge hat, ist die Instandhaltung von Militärfahrzeugen dennoch etwas Besonderes. Zwei wesentliche Unterschiede erfordern eine umfassendere Überprüfung: einerseits das ständige Kommen und Gehen der Fahrzeuge, andererseits der ständige Wechsel der Fahrer. Beides erschwert die Fehlererkennung.

Darüber hinaus haben Militärfahrzeuge eine ungleich längere Lebensdauer. Denn es werden an ihnen Instandsetzungen durchgeführt, die im zivilen Gebrauch nicht mehr vorgenommen werden würden», erklärt Christian Clément und zeigt auf einen 30-jährigen Saurer-LKW. Von Anfang an ist eine regelmässige und gründliche Wartung unerlässlich dafür, sicherzustellen, dass die Fahrzeuge eine gewisse Langlebigkeit erreichen.

Ziel ist es, im Falle einer Mobilmachung eine Mindestverfügbarkeit von 85 Prozent der Fahrzeugflotte zu gewährleisten. «Das ganze Jahr über einen robusten und qualitativ hochwertigen Service zu bieten, das ist unsere Herausforderung», so Christian Clément abschliessend.

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