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Armee stieg für das Schwingfest in die Hosen

Die Armee steht mitten in der Gesellschaft – sie bildet Spitzensportler aus und unterstützt zivile Stellen und Organisatoren bei Bedarf mit militärischen Mitteln. So auch am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug. Zwar gewann mit Christian Stucki kein Sportsoldat – aber die Armee war dennoch in der Arena und ausserhalb stark engagiert.

26.08.2019 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

Christian Stucki (r.) und Joel Wicki traten am Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Zug gegeneinander an – und Stucki gewann. Copyright: swiss-image.ch / Photo Andy Mettler.
Christian Stucki (r.) und Joel Wicki traten am Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Zug gegeneinander an – und Stucki gewann. Copyright: swiss-image.ch / Photo Andy Mettler.

Als Christian Stucki im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes (ESAF) die Arme zur Siegerpose streckte, hatte er Joel Wicki gerade mit einem Blitzsieg bezwungen. Der Berner Hüne warf den Innerschweizer mit den Hosenträgern als Markenzeichen innerhalb weniger als einer Minute ins Sägemehl und darf sich fortan Schwingerkönig nennen. «Das ist unfassbar!», sagte er nach dem Sieg. Der Routinierte gewann gegen den Jungstar, der als Topfavorit gehandelt worden war und sich doch erst seinen ersten eidgenössischen Kranz erkämpft hat. Wickis Fazit: «Die Freude und der Stolz über diesen gelungenen Wettkampf überwiegt bei mir gegenüber der Enttäuschung.» Er habe mit dem Kranz sein Hauptziel erreicht.

Die meisten von Wickis Kollegen trugen am Eidgenössischen das traditionelle Edelweisshemd mit der Zwilchhose. Ab und an streifen sich aber wie auch Wicki viele den Tarnanzug über. Wicki ist Sportsoldat, er absolvierte zusammen mit Remo Käser 2016 die Spitzensport-Rekrutenschule in Magglingen. Der 22-Jährige aus Sörenberg (LU) hatte sich danach nach einer schweren Verletzung in Magglingen wieder fit gemacht und dabei mit den besten unter den Schweizer Schwingern trainiert. «Das hat mich weitergebracht», so Wicki. Allein dieses Jahr hat er sechs Wochen für seine Vorbereitung die Infrastruktur des Kompetenzzentrums Sport der Armee genutzt; eine lange, strenge Zeit, wie er sagt. «Aber ich habe es durchgestanden, um am Eidgenössischen meine Topform abrufen zu können. Das ist mir heute gelungen.» Deshalb sei er der Armee dankbar für das Engagement.

Ein Blick #insidearmee

Das ESAF bot der Schweizer Armee eine gute Gelegenheit, sich einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Am Stand #insidearmee präsentierte sie sich in ihrer ganzen Breite – von der Verteidigung der Zukunft bis hin zur Ready-Fitness-App. Spitzensportsoldaten gaben Autogramme. Ramon Zenhäusern zum Beispiel. Der Ski-Alpin-Star bereitet sich als Zeitmilitär-Spitzensportler und Teilzeitangestellter der Armee für die Wintersaison sowie die nächsten Olympischen Spiele vor. Der ehemalige Spitzensport-Rekrut zeigt sich dankbar: «Ich habe für meine Karriere von der Armee profitiert, insbesondere von der Infrastruktur, die sie mir zur Verfügung stellt.» Deshalb gebe er gerne etwas zurück. Die Leute nähmen es positiv auf, dass er bei der Armee angestellt sei. «Sie finden das gut, dass die Schweizer Armee uns Sportler auf unserem Weg zum Erfolg unterstützt.»

An Zenhäuserns Seite stand an diesem wolkenlosen Sonntagnachmittag Sina Siegenthaler. Die junge Snowboard-Crosserin aus dem Emmental – übrigens Schwingfan und frühere Jungschwingerin – absolvierte dieses Jahr die Spitzensport-Rekrutenschule. Das war ein Gewinn für sie, wie sie sagt: «Ich kann hier optimal trainieren. Es ist genial.»

Unterstützung auf und neben dem Gelände

Nicht nur im Sägemehlring – auch ausserhalb setzt sich die Schweizer Armee für den Sport und Veranstaltungen ein. Das Verkehrs- und Transportbataillon 1 unter dem Kommando von Oberstleutnant im Generalstab Bernhard Horn kümmerte sich im Auftrag des OKs in Zug darum, den Verkehr fliessend zu halten und Besitzer zum Beispiel von Park- und Zutrittskarten durchzuschleusen. Die Bilanz: Die Verantwortlichen des Bataillons sind mit der Arbeit ihrer Einsatzkräfte zufrieden, wie sie zurückmelden: «Die Soldaten haben sehr gute Arbeit geleistet – trotz Hitze und teilweise herausfordernden Situationen mit den Verkehrsteilnehmern.» Tatsächlich verzeichnete das Organisationskomitee bis zum Ende der Veranstaltung kaum nennenswerte Verkehrsprobleme.

Auch die Sanität leistete ihren Beitrag für das Gelingen des Anlasses – sie führte unter der Leitung der zivilen Rettungskräfte eine Sanitätshilfsstelle sowie weitere Posten auf dem Gelände und unterstützte die zivilen Patrouillen. So halfen Sanitätssoldaten der Armee zum Beispiel beim Abtransport von verletzten Schwingern aus der Arena.

Die Organisatoren sind mit der Armee zufrieden

«Die Armee und der Zivilschutz unterstützen uns kompetent, zuverlässig und sicher», hatte die Speakerin während des Festes im Namen des Organisationskomitees durchgegeben. Dessen Präsident, Regierungsrat Heinz Tännler, betonte nach dem Anlass auf Anfrage, dass das ESAF ohne die Unterstützung von Armee und Zivilschutz nicht zu stemmen gewesen wäre, vor allem im Bereich Infrastruktur: «Wir hätten das nicht selber machen können. Das sind Fachleute. Sie haben einen unglaublichen Einsatz geleistet.» Tännler bedankte sich bei den Hilfskräften in Uniform: «Ich möchte der Armee und dem Zivilschutz ein Kränzchen winden.»

Im Dienst der Öffentlichkeit

Von den 17 Schwingern, die im Vorfeld als Sportsoldaten in Magglingen trainiert hatten, erreichten neun am ESAF den begehrten eidgenössischen Kranz (Joel Wicki, Armon Orlik, Matthias Aeschbacher, Sven Schurtenberger, Kilian Wenger, Patrick Schenk, Simon Anderegg, Niklaus Zenger und Florian Gnägi). Seit rund sieben Jahren absolvieren Schwinger Spitzensport-Rekrutenschulen und Wiederholungskurse. Allein im Jahr 2019 stellte die Armee den Schwingern 430 Diensttage zur Verfügung. 4200 Diensttage hat die Armee für das ESAF 2019 insgesamt eingerechnet. Der Einsatz dauert bis Mitte September, bis zum vollständigen Abbau der Arena. Armeeangehörige waren/sind beim Auf- und Abbau der Arena sowie im Bereich der Sanität und der Verkehrsregelung aktiv. Ausserdem präsentierte sich die Armee anlässlich ihrer Ausstellung #insidearmee am ESAF. Zivilangestellte und Armeeangehörige erläuterten die Leistungen der Armee sowie die Mittel, mit denen sie diese erbringt.

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