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Das Gebirgsinfanteriebataillon 91 und die vierte Landessprache

Mit einem «Bun di ensemen!» werden schweizweit wohl die wenigsten Angehörigen der Armee in ihrer militärischen Laufbahn begrüsst worden sein. Anders ist dies im Geb Inf Bat 91 der Fall: Denn obwohl die Hauptsprache des Bataillons Deutsch ist, wurden in den 1980er Jahren einzelne Kompanien auch auf Romanisch geführt. Und auch heute ist die romanische Sprache bei den 91ern noch nicht verstummt - «zum Glück» - wie auch Divisionär Lucas Caduff feststellt.

29.06.2021 | Sdt Jan Schlatter, Geb Inf Bat 91

Titelbild Rumantsch
© VBS/DDPS

Am 20. Februar 1938 wurde «Rumantsch» offiziell zur vierten Landessprache der Schweiz ernannt. Ein Meilenstein für die Rätoromanen, welche bekanntlich sehr stolz auf ihre Herkunft und Sprache sind. Das Geb Inf Bat 91 war zu dieser Zeit bereits über 60 Jahre alt. Romanisch wurde im Bat zwar untereinander gesprochen, jedoch dauerte es noch einige Jahre, bis die romanische Sprache den Schritt zur offiziellen Ausbildungssprache machen konnte – wenigstens versuchsweise.

Auf Anregung von mehreren Romanisch sprechenden Offizieren und zu Gunsten der romanischen Sprache wurden in den neunziger Jahren vier gänzlich Romanisch sprachige Kompanien testhalber gegründet. Nach der Gründung der vier Kompanien wurden das Dienstreglement 80 sowie mehrere Ausbildungsreglemente in Ladin und Sursilvan übersetzt.

Ein beträchtlicher Mehraufwand und eine minimale Wahlfreiheit für Rätoromanen

Ein Teil dieses Versuchs war auch Divisionär Lucas Caduff, Kommandant der Territorialdivision 3 und stolzer Rätoromane: «Meine Erfahrung zeigt, dass die Sprache auch der Schlüssel zum Herzen der Mitmenschen ist!» Als zwischen 1988 und 1995 versuchsweise vier Infanteriekompanien auf Romanisch geführt wurden, war Divisionär Caduff als Kdt der «cp fis munt 2/91» daran beteiligt. In dieser Zeit wurden Soldaten nach Herkunft eingeteilt, was dazu führte, dass im damaligen Gebirgsfüsilierbataillon 91 bis zu zwei Drittel der Soldaten Romanisch sprachig waren. Einer der Initianten dieser romanischen Kompanien und auch einer der grössten Förderer der romanischen Sprache in der Schweizer Armee war Divisionär Rudolf Cajochen. Da man das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken wollte, wurde ganz bewusst versucht, die Einheiten sprachlich so einheitlich wie nur möglich zu halten. Dieses Streben nach Zusammengehörigkeit hat dann im Jahr 1988 für Rätoromanen ihren Höhepunkt gefunden, als einzelne Kompanien mehrheitlich auf Romanisch geführt wurden.

Doch trotz des speziellen Schlüssels, welches die Rätoromanen durch ihre Sprachgewandtheit mittragen, sollte das Projekt nach 1995 nicht konkretisiert werden. Das hat gemäss Divisionär Caduff mehrere Gründe: «Nicht weiter geführt wurde das Projekt, weil es zu einer "Ghettoisierung" der Romanisch sprechenden Angehörigen der Armee geführt hätte.» Denn um die geschaffenen Kompanien alimentieren zu können, hätte man jeden Rätoromanen als Füsilier ausheben und einteilen müssen. Eine solche Schubladisierung war damals nicht möglich «und würde auch heute nicht funktionieren», ergänzt Divisionär Lucas Caduff. Erschwert hat die Etablierung auch der Mehraufwand, welcher alle romanischen Angehörigen der Armee jeglicher Stufe hatten: «Jedes Formular, welches die jeweiligen Kp verliess musste auf Deutsch umgeschrieben werden», erinnert sich Divisionär Caduff. «Zudem wurde sehr viel Energie und Zeit dafür aufgewendet, um die militärischen Fachbegriffe zu lernen und zu gebrauchen.»

Gegenwärtig ist ein neuer Versuch, die romanische Sprache im militärischen Ausbildungsalltag zu integrieren, nicht vorgesehen. Zu gross ist auch heute der organisatorische Mehraufwand, um die Romanen aus fünf romanischen Sprachregionen in einzelne Kompanien zusammenzuführen - und zu klein die daraus entstehende Wahlfreiheit der Funktion für die AdA.

Das Romanische anerkennen, pflegen und hochhalten

Heute ist die romanische Sprache im Armeealltag der 91er noch unter den Kameraden und bei einem Besuch des Divisionärs zu hören, welcher bei nahezu jedem seiner Truppenbesuche einige romanische Sätze mitbringt. Dass einzelne Kompanien des Geb Inf Bat 91 zeitweise auf Romanisch geführt worden sind, ist schweizweit in der Geschichte der Armee einzigartig. Auch in Zukunft soll diese Einzigartigkeit das Geb Inf Bat 91 begleiten: «Ich wünsche mir, dass sich die Romanisch sprechenden Angehörigen der Armee so zusammenfinden und zusammenarbeiten können, dass das Romanische als "Teamsprache" gebraucht und akzeptiert wird», sagt Divisionär Lucas Caduff.

Sprachen müssen untereinander gebraucht, gepflegt und verbreitet werden, damit sie eine lange Zukunft haben können. Auch auf der militärischen Ebene kann dieses Ziel verfolgt werden und so zu einem optimierten Gemeinschaftsdienst beitragen. Oder um es mit den Worten von Divisionär Lucas Caduff zu sagen: «Am Schluss zählt die Leistung der Gemeinschaft und nicht die eines Einzelnen. Und das Romanische unterstützt beim Zusammenfügen dieses Kollektivs.»

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