Pilatus PC-9

Das Flugzeug Pilatus PC-9 ist ein zweisitziges Turboprop Trainingsflugzeug welches in der Schweizer Luftwaffe primär für die Zieldarstellung zu Gunsten der Fliegerabwehr eingesetzt wird.

Pilatus PC-9
Gruppe
Luftfahrzeuge
Klasse
Schulflugzeuge
Einsatzort
Luft

 

Hersteller: Pilatus Aircraft Ltd, Stans, Schweiz
Typ: Pilatus PC-9/F Turbo Trainer
Baujahr: 1988 (C-401 bis C-404), 1992 (C-405 bis C-408) und 1994 (C-409 bis C-412)
Verwendungszweck:

  • Grund- und Fortgeschrittenenausbildung (Tandemcockpit)
  • Zieldarstellung zu Gunsten der Fliegerabwehr
  • Störeinsätze für das Training der Elektronischen Kriegsführung (EKF)

Besatzung: 1 Pilot, im Nachtflug 2 Piloten
Im Einsatz seit: 1988
Anzahl beschaffter Flugzeuge: 12
Anzahl Flugzeuge noch im Einsatz: 4 (Bestand im November 2017)

Registrationen: C-401 bis C-412

 

Das Flugzeug Pilatus PC-9 ist ein zweisitziges Turboprop Trainingsflugzeug welches in der Schweizer Luftwaffe primär für die Zieldarstellung zu Gunsten der Fliegerabwehr eingesetzt wird. In einer Zweitverwendung kann es mit einem Störsender ausgerüstet werden um sowohl die Fliegerabwehr aber auch die Kampfflugzeuge elektronisch zu stören oder zu täuschen.

Weitere Informationen

Der PC-9 ist bei Pilatus Aircraft ein Nachfolger des PC-7 Turbo-Trainer. Das Triebwerk Pratt & Whitney Canada PT6A-62 liefert 1150 Wellen PS welche auf 950 PS gedrosselt werden. Der vierblätterige Hartzell Propeller dreht konstant mit 2000 Umdrehungen pro Minute. Beide Cockpit sind mit Martin Baker Schleudersitzen ausgerüstet. Markant ist die vordere Cockpitverglasung, sie kommt ohne Dachrahmen aus, genau gleich wie bei einem Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon.

Zwei schwere Vorkommnisse mit den früher im Ziel-Schleppdienst eingesetzten F+W Emmen C-3605 «Schlepp» führten 1987 zu einer sofortigen Ausserdienststellung jener alten Schleppflugzeuge. Als Ersatzmaschinen mussten rasch zwei PC-9-Werkmaschinen von der Firma Pilatus zuerst eingemietet (temporäre Kennungen A-795 und A-797), später käuflich erworben werden. Das erste Flugzeug der in der Schweizer Luftwaffe eingesetzten PC-9, die C-401, Werksnummer (MSN) 119, wurde am 8. August 1988 abgenommen. Die insgesamt 12 Flugzeuge wurden in drei Tranchen beschafft.

Die gelb-schwarzen PC-9 mit den Kennungen C-401 bis C-408 dienen als Träger für die Schleppziel-Winde RM-12, später RM-24, während die C-409 bis C-412 den Trainingsstörsender (jamming pod) VISTA 5 (Ericsson Erijammer A-100) mitführen können.

Das Flugzeug wird praktisch nur durch die Piloten der Zielflugstaffel 12 (Zfl St 12) betrieben. Der Einsatzraum befindet sich vorallem beim Fliegerabwehrschiessplatz S-chanf im Engadin (GR). Mit der Schleppwinde RM-12, respektive RM-24 kann ein Schleppsack ausgefahren und hinter dem Flugzeug gezogen werden. Das Schleppsystem RM-24 besteht aus einer unter dem Flügel angebrachten Kabelwinde und einem Schleppsack. Das Ausfahren des Schleppsacks dauert rund fünf Minuten, damit er den geforderten Abstand von 900 Meter zum Flugzeug erreicht. Die Kanoniere der Fliegerabwehr zielen mit der 35 mm Flab Kanone 63/90, zu der auch das Feuerleitgerät 75/95 gehört, auf diese Schleppsäcke und können - wenn alle Sicherheitsauflagen stimmen - auch den scharfen Schuss auslösen. Zielflugeinsätze finden auch in der Nacht statt.

Verlust der C-404

Absturz am 14.10.1998 bei Bichwil (SG) nach einer Kollision mit dem C-405 während dem Beüben der Mittleren Flab Rekrutenschule 245 in ihrem Dispositiv im Raum Uzwil-Flawil.

PC-9 weltweit im Einsatz

Folgende Luftstreitkräfte zählen, respektive zählten in der Vergangenheit unter anderem ebenfalls zu den Betreibern des erfolgreichen PC-9 und PC-9M:
Angola, Australien (Lizenzbau bei Hawker De Havilland), BRD (als Zielschleppversion von der zivilen HOLSTEN AIR für die deutsche Bundeswehr betrieben), Irak, Kroatien (PC-9M), Myanmar (vormals Burma), Oman, Saudi-Arabien, Slowenien, Südkorea, Thailand, USA (US Army, USAF und US Navy, Lizenzbau als T-6A Texan II bei Beech, heute Hawker Beechcraft) und Zypern. Diese etwas ältere Aufzählung ist nicht vollständig, denn im Jahr 2012 betreiben bereits 15 Luftwaffen diesen erfolgreichen Typ. Insgesamt wurden über 260 Flugzeuge weltweit verkauft (Stand 2015).

Weitere Hawker Beechcraft T-6A Texan II, T-6B und T-6C erhielten Griechenland (45), Irak (15 T-6A und möglicherweise 36 AT-6B), Israel (25 T-6A Efroni), Marokko (25 T-6C) und NATO Flying Training NFTC (26). 

Ausmusterung

Ausmusterung wegen Ersatzteilmangel

Bereits im Frühjahr 2012 wurde die PC-9-Flotte von elf auf acht Stück reduziert. Die C-401 wurde im Dezember 2012 dem Flieger Flab Museum (Air Force Center) in Dübendorf übergeben. Die Flugzeuge mit den Kennungen C-402 und C-403 gingen an RUAG Aviation und sollen als Ersatzteilspender zerlegt werden. Der C-402 befindet sich bereits seit Ende Juni 2012 bei RUAG.

Der Grund für die Flottenreduktion liegt bei der Ersatzteilbeschaffung für das Cockpit. Es handelt sich um eine erste Generation von Glascockpit. Bereits 2008 gab es ein Projekt für ein Upgrade des PC-9-Cockpits (analog jenes der Pilatus PC-7 Turbo-Trainer), doch es wurden aus Kostengründen nur die PC-7 zur Version NCPC-7 modernisiert.

2014 gingen der Luftwaffe die Ersatzteile für den Saab (vormals Ericsson AB) VISTA 5 Pod (Störsender) aus, der für die EKF-Einsätze benötigt wurde. Man versuchte aber, eine Verlängerung der Einsätze bis 2016 zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt (2016) erreicht die Schleppwinde für die Flab-Zieldarstellung ebenfalls ihr ursprünglich vorgesehenes Lebensende. Deshalb war eigentlich ursprünglich vorgesehen, die ganze PC-9-Flotte ab 2016 ausser Dienst zu stellen. Vier dieser bewährten Flugzeuge sollen jedoch gemäss aktueller Planung bis 2025 bei der Zielflugstaffel 12 weiter betrieben werden. Es handelt sich dabei um die Maschinen mit den Kennungen C-407, C-408, C-411 und C-412. Die anderen vier noch vorhandenen PC-9 (C-405, C-406, C-409 und C-410) wurden 2016 ausgeflogen und still gelegt. Die C-410 wurde 2017 liquidiert und leihweise dem Militärmuseum Wildegg (CH / AG) übergeben.

Es könnte aber auch sein, dass aus logistische oder finanziellen Überlegungen eine frühere Ausserdienststellung (als 2025) in Betracht gezogen werden muss. 

Technische Daten   
Max. Geschwindigkeit: 320 kts (590 km/h), Mach 0.68
Belastungsauslegung: +7g bis -3g
Max. Steigleistung: 4'000 Fuss pro Minute (1'219 m/min)
Max. Einsatzhöhe: 25'000 Fuss (7'620 m) über Meereshöhe
Flugdauer: 5 Stunden auf 20'000 Fuss (6'096 m) über Meer
Max. Reichweite: 830 Nautische Meilen auf 20'000 Fuss über Meer (1'536 km auf 6'096 m über Meer)
Bauart: Freitragener Tiefdecker, Ganzmetall Semi Monocoque Design
Länge: 10.175 m
Spannweite: 10.24 m
Höhe: 3.26 m 
Leergewicht: 1'750 kg
Fluggewicht:  2'250 kg (1 Pilot, mit Treibstoff ohne Aussenlasten)
2'500 kg (1 Pilot, mit Treibstoff, Schleppwinde)
Triebwerk: Propellerturbine Pratt & Whitney Canada PT6A-62A