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«Ich habe grossen Respekt vor dieser Aufgabe»

Oberstlt Adrian Krauer ist seit dem 01.01.2019 neuer Kommandant (Kdt) der Mittleren Fliegerabwehr Abteilung 45 (M Flab Abt 45). Den ersten Einsatz unter dem neuen Kommandanten leistete die Abteilung zur Unterstützung der Alpin-Weltcup-Skirennen in Adelboden und Wengen. Der nächste Einsatz steht in einem Jahr an. Dann geht es für die M Flab Abt 45 an einen anderen Anlass mit internationaler Ausstrahlung – das World Economic Forum WEF in Davos. Um sich einen Eindruck über den nächsten Einsatz seiner Abteilung machen zu können, ist Oberstlt Krauer im Januar 2019 nach Graubünden gereist. Im Interview erzählt er von seinen Eindrücken.

05.02.2019 | Interview: Fachof David Eichler, Komm Gr, LVb Flab 33

Oberstlt Adrian Krauer
Oberstlt Adrian Krauer, Kdt M Flab Abt 45

Adrian Krauer, Sie stehen im Moment mit Ihrer Abteilung in einem VUM-Einsatz* an den Weltcup-Skirennen im Berner Oberland. Jetzt sind Sie für einen Besuch hier im Raum Davos. Wie ist es dazu gekommen?

Krauer: Ich wurde von Oberst René Meier, Kdt Training BODLUV 33 und aktuell Kdt Flab Gruppe 33, hierher aufgeboten, um mir vor Ort anzuschauen, was mich und meine Abteilung nächstes Jahr erwarten wird. Ich schätze das sehr.

Die Einsätze haben ein paar Parallelen: Schnee und Berge. Wo sehen Sie die grössten Unterschiede?

Krauer: Die Hintergründe sind natürlich komplett anders. Der Einsatz am WEF ist ein Echteinsatz, bei dem unsere Kernkompetenzen, die bodengestützte Luftverteidigung und der Beitrag zum Luftlagebild im Zentrum stehen. Dafür haben wir jahrelang trainiert. Jetzt können wir zeigen, dass wir unseren Beitrag zur Sicherheit der Schweiz leisten. Ich glaube, es ist für die Truppe auch eine enorme Motivation, beweisen zu können, dass sie beherrscht, was sie immer wieder geübt hat.

Sie waren jetzt einen Tag lang im Raum Davos unterwegs. Was haben Sie für einen Eindruck gewonnen?

Krauer: Ich bin wirklich sehr beeindruckt. Hier wird von der Berufsorganisation und der Miliz in engster Zusammenarbeit Hervorragendes geleistet. Ohne diese Zusammenarbeit wäre ein solcher Einsatz nicht möglich. Definitiv nicht. Berufs- und Milizkomponente zeigen, dass sie aufeinander angewiesen sind und dass diese Zusammenarbeit auch wirklich gut funktioniert.

Oberstlt Adrian Krauer, Oberst René Meier
Oberstlt Adrian Krauer (links) folgt gespannt den Ausführungen von Oberst René Meier, Kdt Training BODLUV 33 und aktuell Kdt Flab Gruppe 33

Worin sehen Sie im Moment die grösste Herausforderung für Sie persönlich?

Krauer: Ich habe grossen Respekt vor dieser Aufgabe. Ich war in den letzten Jahren beim Lenkwaffensystem RAPIER zuhause. Der Einsatz am WEF findet mit der Mittleren Fliegerabwehr als «Mittel der letzten Meile» statt. Ich konnte das RAPIER-System in den letzten Jahren sehr gut kennen lernen. In der M Flab habe ich weniger Erfahrung. Umso wichtiger ist es, dass ich mir hier und heute einen ersten Eindruck verschaffen konnte. Zudem kann ich mich auf das geballte Fachwissen des Stabes und der Kader und Mannschaft der M Flab Abt 45 verlassen.

Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Krauer: Zuerst leisten wir noch unseren VUM-Einsatz zu Ende. Erste Informationen zum Einsatz 2019 werde ich dann am «Kommandantentisch» erhalten. Danach werden wir mit dem Unterstützungsrapport Stufe Abteilung (URA) erste handfeste Informationen erhalten und in der Folge anlässlich Stabsarbeitstagen verarbeiten. Im Unterstützungsrapport Stufe Einheit (URE) kommen die Einheiten zum ersten Mal ins Dispositiv, um die Örtlichkeiten zu erkunden.

Haben Sie heute Tipps und Ratschläge erhalten, die Sie sofort umsetzen müssen?

Krauer: Der Kommandant der Stabsbatterie M Flab Abt 34 hat mir geraten, so schnell wie möglich mit dem Vermieter der Unterkunft für die Kader der Stabsbatterie Kontakt aufzunehmen. Das ist für mich jetzt eine Sofortmassnahme. Die Unterkünfte im Raum Davos sind während des WEF sehr gefragt. Er konnte diese Unterkunft organisieren, da er beruflich bereits Kontakt zum Vermieter hatte. Das sind Verbindungen, die man nutzen kann und muss. Das steht so in keinem Befehl und in keinem Reglement. Man erfährt im persönlichen Gespräch davon. Dafür bin ich sehr dankbar. Solche Einsätze leben von Erfahrungen. Die Standard-Prozedur entwickelt sich dadurch stetig weiter. Es ist entsprechend wichtig, diesen Erfahrungsschatz abzuholen.

Ist das anders als beispielsweise bei Ihrem aktuellen VUM-Einsatz?

Krauer: Nein. Das läuft da auch so. Die Kommandanten tauschen ihre Erfahrungen gegenseitig aus. Wenn man aber eine solche Aufgabe neu übernimmt, prasseln Unmengen an Informationen auf einem ein. Ein Batteriekommandant, der eine solche Aufgabe zu ersten Mal übernimmt, kann noch nicht alles wissen. Da muss man zu Beginn auch Informations-Prioritäten setzen und coachen.

Sie werden ja 2020 auch Kader mit dabei haben, die bereits WEF-Erfahrung haben.

Krauer: Ja, aber ich gehe davon aus, dass jeder Einsatz hier oben seine Eigenheiten hat. Dinge entwickeln sich weiter. Es werden neue Produkte erstellt, die im Einsatz-Alltag helfen. Diese Produkte gilt es zu optimieren und anzupassen. So, dass der Abteilungskommandant, der 2021 am WEF sein wird, auf dem aktuellsten Stand ist. Hier spielt auch die Miliz eine sehr grosse Rolle. Ich arbeite als Logistikleiter und kann mit meiner zivilen Erfahrung vielleicht mit dafür sorgen, dass die Logistikprozesse hier oben noch weiter verbessert werden können. Darin sehe ich eine der grössten Stärken der Miliz.

Was ziehen Sie für ein Fazit nach diesem Tag hier?

Krauer: Wie ich zu Beginn gesagt habe: ich bin beeindruckt davon, was hier alles auf die Beine gestellt wird. Ich bin davon beeindruckt, wie die Leute mitarbeiten und motiviert sind. In der Motivation und mentalen Vorbereitung der Kader und der Truppe sehe ich eine meiner grossen Aufgaben. Es ist schon eine Umstellung, von einem VUM-Einsatz zum Einsatz am WEF. In Adelboden und Wengen kommt es vor, dass sich Besucher, Athleten oder Vertreter des OKs direkt bei den AdA für den Einsatz bedanken - ein Hammer-Erlebnis für jeden AdA. Am WEF leisten die AdA hervorragende Arbeit, stehen jedoch viel mehr im Hintergrund. Schon nur aufgrund des taktischen Rahmens. Umso wichtiger ist es für mich als Kommandanten, die Wertschätzung und die Dankbarkeit direkt zu vermitteln und wann immer möglich direkt weiterzugeben. Und das funktioniert, wie ich heute eindrücklich mitbekommen habe.

Was wünschen Sie Adrian Krauer für Mitte Januar 2020?

Krauer: Ich wünsche ihm, dass er mit seiner Truppe erfolgreich alle Vorbereitungen abgeschlossen, die Zertifizierungen mit Bravour bestanden hat und motiviert und optimistisch und vor allem mit Vorfreude in den Einsatz gehen darf.

*Verordnung über die Unterstützung ziviler oder ausserdienstlicher Tätigkeiten mit militärischen Mitteln