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Wir pflegen Traditionen!

Trotz neuem Namen des Kommandos gilt unverändert: wir pflegen Traditionen! Diese Devise des Kommandos Training BODLUV 33 (Kdo Tng BODLUV 33) des Lehrverbandes Fliegerabwehr 33 (LVb Flab 33) bezog sich auf den Kommandanten-Tisch, welcher der Weitergabe von Informationen aus erster Hand und dem Hochhalten der Kameradschaftspflege dient. Am 11. Juni 2018 fand die diesjährige Ausgabe statt.

08.07.2018 | Oberstlt Urs Achermann, C Komm LVb Flab 33

Br Hugo Roux informiert die Truppenkörperkommandanten
Br Hugo Roux informiert die Truppenkörperkommandanten

Im bisherige Kommando Flabverbund FDT und nunmehrigen Kdo Tng BODLUV 33 unter der Leitung von Oberst René Meier werden die Ausbildungsdienste der Formationen (ADF) der BODLUV geführt. Oberst Meier nutzte deshalb den ersten Teil der Veranstaltung zur Befehlsausgabe an die Truppenkörperkommandanten im Hinblick auf die Ausbildungsdienste 2019, bevor der Informationsblock auf dem Programm stand.

Weiterentwicklung BODLUV: Von der Flab zur BODLUV

Der Kommandant Weiterentwicklung BODLUV, Oberst i Gst Christoph Schmon, führte aus, dass das Projekt BODLUV2020, das bekanntlich von Bundesrat Parmelin im 2016 sistiert wurde, im November 2017 beendet worden sei. Gleichzeitig sei aber im Rahmen des Beschaffungsprogramms Air2030 das Projekt BODLUV gestartet worden, um die bodengestützte Luftverteidigung der Zukunft auf den Weg zu bringen. Das Bedrohungspotential aus der Luft sei heute extrem vielfältig, die Aufteilung in symmetrische und asymmetrische Bedrohung überholt, beides finde gleichzeitig statt. Doch während mit der Luftverteidigungskonzeption ab Mitte der 60er Jahre, mit der grosse Anstrengungen zur Modernisierung der Luftverteidigung unternommen worden waren (mit den bekannten Mitteln Florida, Taflir, Mirage, Tiger, Bloodhound, M Flab, Rapier), immerhin eine partielle Integration vorhanden war, sei die Luftverteidigung heute völlig separiert. „Es gibt zwar den M Flab Sensorverbund, aber keine umfassende Integration der bodengestützten Wirkmittel“, so die Erkenntnis von Oberst i Gst Schmon.

Die Luftverteidigung der Zukunft müsse einerseits Angriffsmittel, sprich Kampfflugzeuge, beinhalten. Anderseits aber auch BODLUV-Mittel grösserer Reichweite und BODLUV-Fähigkeiten für die lokale Luftraumverteidigung und die Punktverteidigung. Dazu eigene Sensorik- und Kommunikationsmittel und Führungseinrichtungen sowie Logistikmittel. Die Mittel müssten vollständig integriert sein, aber mit der Fähigkeit zur Degradierung. „Die zukünftige BODLUV muss sowohl Plattformen wie Waffen bekämpfen können“, so Oberst i Gst Schmon. Deshalb müsse sie über Fähigkeiten im mittleren und oberen Luftraum gegen Plattformen und Waffen, im unteren Luftraum vor allem gegen Waffen verfügen. Dabei sei dem Prinzip "layered defense" (Schichtprinzip) grosse Bedeutung beizumessen.

Zur konkreten Umsetzung der neuen BODLUV führte Oberst i Gst Schmon aus, dass der C VBS am 23. März 2018 die Shortlist bekanntgegeben habe. Es sind dies SAMP/T von Eurosam, David's Sling von Rafael und Patriot von Raytheon.
Gemäss Zeitplan der armasuisse solle der Typenentscheid im Herbst 2020 zusammen mit dem Entscheid zum neuen Kampfflugzeug fallen. 2022 wäre das Geschäft dann im Parlament, 2025 könnte mit der Einführung begonnen werden.

Abschliessend erklärte Oberst i Gst Schmon, dass mit diesem skizzierten Vorgehen zuerst die seit 1999 bestehende Fähigkeitslücke zu schliessen sei. Bei der lokalen Luftraumverteidigung (Rapier und Stinger) und der Punktverteidigung (M Flab) seien heute immerhin Fähigkeiten vorhanden, wenn auch mit deutlichen Fähigkeitsmankos. Mit Massnahmen gelte es zu verhindern, dass daraus auch noch Fähigkeitslücken entstehen würden.

His master’s voice

Beim obligaten Traktandum war die Reihe am Kommandanten des LVb Flab 33, Br Hugo Roux. Er konstatierte, dass in seinem Verband die Menschen willig seien und einen guten Job machten, aber das Material am Lebensende sei, stamme es doch aus der Zeit des Kalten Krieges. Deshalb das neue Motto des Lehrverbandes: Den Worten Taten folgen lassen. „Das geht nicht, ohne Geld in die Hand zu nehmen“. Die Geschichte zeige, dass man in Krisen von Morgen mit der Ausrüstung von heute gehe. Bei Ausbruch der Krise sei aber kein zusätzliches Material mehr erhältlich. Dies sei umso bedenklicher, als dass das Zeitalter der Sorglosigkeit vorbei sei. „Die Machtpolitik ist zurückgekehrt, das Militär wird wieder zur Durchsetzung von staatlichen Interessen eingesetzt“, konstatierte Br Roux. Die Antwort auf die neue Bedrohungssituation könne nur sein: bereit sein. Aber die Schweiz sei mit ihren Verteidigungsausgaben lediglich auf Rang 131, knapp vor Österreich, mit 0,71 % des BIP. Das Fazit aus der Diskussion: Die BODLUV sei eine exklusive Aufgabe der Armee, dort solle Geld investiert werden.

Bei den Prozessen liege das Schwergewicht darauf, dass die Miliz wieder befähigt werde und führe. Ziel sei es, dass sich die Berufsmilitärs immer mehr zurückzögen, sodass die Verantwortung, aber auch die Gestaltungsmöglichkeiten wieder bei der Miliz lägen.

Weiter führte Br Roux aus, dass der LVb seit anfangs Jahr mit acht Abteilungen funktioniere. „Erfreulicherweise ist der Status quo des LVb inzwischen akzeptiert, er bleibt langfristig als direktunterstellter Verband des Kdt Luftwaffe erhalten – nachdem der LVb vor einem Jahr vor der Auflösung stand.“ Damit sei die Umsetzung der BODLUV-Aufgaben aus einer Hand akzeptiert, gleichzeitig sei dies aber auch Verpflichtung. Die Führung der BODLUV-Einsätze in der besonderen und ausserordentlichen Lage sei aber noch nicht geklärt.

Nach Ausführungen von Chefadj Richard Blanc zur Vision für das Unteroffizierskorps zitierte Br Roux zum Schluss aus einer Rezension des Buches «Internat» des ukrainischen Schriftstellers Serhij Zhadan, das vom Krieg im Donbass handelt. «Der Krieg ist ein Geschehen sui generis – er ist das Tier, das in den Verliessen unseres Daseins schlummert und erwacht, wo Hass und Hetze triumphieren». Hass und Hetze seien in Europa wieder en vogue – wahrlich keine beruhigenden Aussichten.