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Die Armee und das Coronavirus: Zeit für eine Bilanz

Der Assistenzdienst der Armee zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie endet offiziell am 31. März 2022. Innerhalb von zwei Jahren leistete die Armee drei Mal Assistenzdienst und rund 380 000 Diensttage, um das zivile Gesundheitswesen zu unterstützen. Nachfolgend ein Rückblick auf diesen Armeeeinsatz.

31.03.2022 | Kommunikation Verteidigung, Anthony Favre

Die Angehörigen der Sanitätstruppen wurden insbesondere in Spitälern in der Grundpflege eingesetzt. Sie entlasteten das Pflegepersonal, das sich dadurch auf spezifischere Aufgaben konzentrieren konnte.
Die Angehörigen der Sanitätstruppen wurden insbesondere in Spitälern in der Grundpflege eingesetzt. Sie entlasteten das Pflegepersonal, das sich dadurch auf spezifischere Aufgaben konzentrieren konnte. ©VBS/DDPS, Jan Pegoraro.

Am 25. Februar 2020 verzeichnete die Schweiz den ersten Fall einer Covid-19-Infektion. Rasch schnellten die Fallzahlen in die Höhe. Dies veranlasste den Bundesrat, Massnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des damals noch weitgehend unbekannten Virus zu bremsen. Am 6. März gab der Bundesrat im Hinblick auf eine drohende Überlastung des Gesundheitswesens bekannt, 800 Armeeangehörige zur Verfügung zu stellen. Zehn Tage später stufte er die Situation gemäss Epidemiengesetz als «ausserordentliche Lage» ein und erhöhte die Obergrenze für den Assistenzdienst auf 8000 Armeeangehörige.

Erste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg

Zuerst kamen die Verbände zum Einsatz, die sich im regulären Truppendienst befanden. Anschliessend mobilisierte die Armee die Formationen mit hoher Bereitschaft, namentlich die Spitalbataillone und die Sanitätskompanien. Das hatte es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Mit über 80 Prozent bestätigter Rückmeldungen innerhalb von 24 Stunden war die Mobilmachung ein Erfolg. Nachdem sie als Vorbereitung auf ihren Einsatz eine dreitägige Instruktion absolviert hatten, waren mehrere Tausend Armeeangehörige in der Lage, die zivilen Behörden zu unterstützen.

Armee beweist als Gesamtsystem, dass es sie braucht

Gewiss erbrachte die Armee im Rahmen dieses Einsatzes in erster Linie sanitätsdienstliche Leistungen zugunsten des Gesundheitswesens – aber nicht nur. Sie leistete überdies logistische Unterstützung, und zwar durch Transporte und den Aufbau von Infrastrukturen, aber auch, indem sie über die Armeeapotheke die Versorgung des gesamten Gesundheitswesens mit Schutzmaterial sicherstellte.

Des Weiteren war das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (damals noch Eidgenössische Zollverwaltung) aufgrund der Grenzschliessungen auf die Hilfe der Armee angewiesen. Elemente der Militärpolizei sowie des Gebirgsinfanteriebataillons 91 und des Infanteriebataillons 19 unterstützten die Grenzwache bei der Durchsetzung der Einreisebeschränkungen.

Auch die Luftwaffe unterstützte tatkräftig, indem sie im April 2020 den Transport von rund 900 Beatmungsgeräten in die Notfallstationen sicherstellte. So standen auf dem Höhepunkt der ersten Coronawelle etwa 5000 Armeeangehörige zugunsten des Gesundheitswesens und zur Gewährleistung von Logistik und Sicherheit im Einsatz. Im Laufe der Wochen beruhigte sich die Situation und am 30. Juni 2020 endete der erste Corona-Assistenzdienst.

Zweiter Assistenzdienst: Armee zieht Lehren aus der ersten Welle

Im Herbst 2020 erfasste eine zweite Coronawelle die Schweiz. Am 4. November 2020 entschied der Bundesrat, bis am 31. März 2021 bis zu 2500 Armeeangehörige in der Grundpflege und im Patiententransport einzusetzen.

Um die Arbeitgeber zu entlasten, wurden zuerst Freiwillige mit einer Sanitätsausbildung aufgeboten. Auch erfolgte der Armeeeinsatz nach klaren Subsidiaritätskriterien. Das bedeutet, dass die Armee erst als letztes Mittel zur Krisenbewältigung eingesetzt wurde. Demnach mussten die Kantone – bevor sie von den Truppen Unterstützung erhielten – eine Subsidiaritätserklärung unterzeichnen und damit beweisen, dass sie alle anderen, zivilen Mittel (Zivilschutz, Zivildienst, Feuerwehren, Medizinstudierende oder Arbeitslose) ausgeschöpft hatten.

Dritter Assistenzdienst und verstärkte Motivation

Im Herbst 2021 nahmen die Ansteckungen mit dem Coronavirus wieder zu, sodass der Bundesrat am 7. Dezember 2021 entschied, die Armee zum dritten Mal den Kantonen zur Verfügung zu stellen, die darum ersuchten. Erneut setzte die Armee Freiwillige ein. Zusätzlich mobilisierte sie Teile der Spitalbataillone 2 und 66. Die betreffenden Armeeangehörigen wurden in der Grundpflege, beim Impfen und im Patiententransport eingesetzt. Insgesamt kam die Armee 25 Gesuchen um Unterstützung nach. Bis zu 570 Armeeangehörige standen gleichzeitig im Einsatz.

Auch im dritten Einsatz hat die Armee sämtliche Aufträge zu hundert Prozent erfüllt. So würdigte der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati den Einsatz des Spitalbataillons 66 als wertvolle Hilfe für das Gesundheitssystem. Einige Armeeangehörige leisteten zum dritten Mal Assistenzdienst. «Über einen Zeitraum von zwei Jahren haben die Angehörigen meines Stabes neun Monate Dienst geleistet», bemerkt Oberstleutnant i Gst Raoul Barca, Kommandant des Spitalbataillons 2. Die Professionalität und die hohe Bereitschaft zur Auftragserfüllung der Milizkader aller Stufen haben Raoul Barca beeindruckt. «Ich wurde förmlich überrannt mit Anfragen von Offizieren und höheren Unteroffizieren, die, motiviert von diesem realen Einsatz, einen Beförderungsdienst absolvieren wollten.»

«Dank gilt auch den Familien und Arbeitgebern»

Beim ersten Assistenzdienst war der Chef der Armee insbesondere von der Mobilmachung per SMS beeindruckt, von den Aufgebotenen sind über 90 Prozent eingerückt. «Unser Milizsystem ist eine enorme Stärke und passt sehr gut zur Schweiz», sagt Korpskommandant Thomas Süssli. Von den 323'000 Diensttagen des ersten Assistenzdienstes wurden rund 20'500 freiwillig geleistet, was die hohe Motivation der Angehörigen der Armee sowie die Sinnhaftigkeit des Einsatzes belegt. Korpskommandant Süssli: «Auf die erbrachten Leistungen bin ich sehr stolz. Mein Dank gilt auch den betroffenen Familien und Arbeitgebern, welche die Einsätze der Armee mit ihrer Flexibilität und ihrem Verständnis mitgetragen haben.»

Innerhalb von zwei Jahren stand die Armee drei Mal bereit, als man ihre Hilfe benötigte. Sie stellte in Rekordzeit gut ausgebildete Truppen zur Verfügung und konnte die zivilen Behörden entlasten, als alle anderen Mittel ausgeschöpft waren. Dementsprechend hat sie ihre Bedeutung als Gesamtsystem und letzte strategische Reserve der Sicherheit des Landes unter Beweis gestellt.

Die Assistenzdienste in Zahlen

Zahlen gerundet
1. Einsatz
 
Total geleistete Diensttage 323 000
Davon zugunsten Gesundheitswesen 215 000
Davon zugunsten EZV
30 800
Davon zugunsten SEM 3 100
Davon zugunsten Polizei 7 200
Davon zugunsten Helping Hands 1 600
Davon zugunsten rückwertige Dienste 65'300
2. Einsatz  
Total geleistete Diensttage 36 100
Davon zugunsten Gesundheitswesen 27 800
Davon zugunsten rückwertige Dienste 8 300
3. Einsatz  
Total geleistete Diensttage 22 600
Davon zugunsten Gesundheitswesen 10 250
Davon zugunsten rückwertige Dienste 12'350
Speziell für 3. Einsatz   
Diensttage zugunsten «Low-level-care» 6 600
Diensttage zugunsten «Impfen» 3 350
Diensttage zugunsten «Transport» 0
Diensttage zugunsten «Intensivpflege» 300

Timeline


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