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SWISSCOY Update - Personelle Vielfalt in der SWISSCOY

Die SWISSCOY setzt sich aktuell aus 165 – resp. ab April 2021 aus 195 – Armeeangehörigen zusammen. Darunter befinden sich Personen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Geschichten. Einer der Angehörigen des SWISSCOY Kontingents 43 mit einem speziellen und interessanten Lebenslauf ist Soldat Timo Allemann. Der 24-jährige hat in seinem noch jungen Leben bereits viel erreicht, wovon viele Sportbegeisterte träumen: Ein Leben als Spitzensportler. Was die Sonnen- aber auch Schattenseiten eines solchen Lebens sind, hat er unseren Presse- und Informationsoffizieren der SWISSCOY verraten.

01.02.2021 | SWISSINT, C. Busenhart und L. Marty, PIO SWISSCOY 43

Sdt Timo Allemann, MOVCON Operator Kontingent 43 /Spitzensportler
Sdt Timo Allemann, MOVCON Operator Kontingent 43 /Spitzensportler

Timo, vor deinem Einsatz als Operator bei der MOVCON hast du etwas komplett anderes gemacht, was war das und wie bist du dazu gekommen?

Ich war Amateur-Spitzensportler im Judo. Dies liegt bei uns in der Familie. Ich bin das Jüngste von vier Kindern und alle meine Geschwister haben bereits diese Sportart ausgeübt. So war es für mich ein kleiner Schritt mit fünf Jahren das erste Mal selbst auf der Matte zu stehen. Ich habe dann schnell Freude am Training und an der Bewegung bekommen und so wurde irgendwann aus blossem Spass eine grosse Leidenschaft für diesen Sport.

 

Was fasziniert dich an dieser Sportart?

Ich liebe es, dass man wirklich alles trainiert im Judo, von Kraft und Ausdauer bis hin zur Beweglichkeit. Zudem ist Judo auch so extrem vielfältig, weil jeder Gegner anders ist und man sich in den ersten Sekunden im Kampf auf ihn einstellen und sein Vorgehen anpassen muss. Trotzdem darf man aber nie die eigene Linie und Technik verlieren. Ja, ich glaube es ist einfach diese Vielfältigkeit, die mich so fasziniert.

 

Wie gelang dir der Werdegang vom Anfänger zum Profi?

Nachdem ich mit fünf Jahren mit Judo angefangen habe, bin ich mit zwölf Jahren in die Sportschule gegangen. Das ist wie eine normale Oberstufe, aber mit mehr Zeit fürs Training. Mit 16 bin ich dann in die Nationalmannschaft eingetreten. Parallel absolvierte ich eine Berufslehre als Polymechaniker in einem für Sportler angepasstem Betrieb mit Trainingszeiten und Freiraum für Trainingslager. Danach kam ich in die Spitzensport-Rekrutenschule. Im Anschluss war ich dann wirklich Vollzeit fürs Judo unterwegs.

 

Wie muss man sich das Leben als Profisportler vorstellen?

Ich trainierte zweimal täglich – am Morgen Kraft und am Abend dann effektiv Judo. In der Zwischenzeit benötigt man die Zeit für die Regeneration. Ebenfalls muss man sich auch insbesondere während Wettkampfzeiten auf die Ernährung konzentrieren. Mein Kampfgewicht liegt bei 73 Kilogramm und dieses muss ich unbedingt halten können. Es stehen natürlich auch viele Reisen für Trainingslager und Wettkämpfe an. Unter anderem war ich schon in Japan, der Mongolei, China, Russland, Mexiko, Marokko, Aserbeidschan, Georgien – um hier eine Auswahl zu nennen.

 

Hast du ein Erlebnis in dieser Zeit, welches dir speziell in Erinnerung geblieben ist?

Der Moment als ich in Dubrovnik den Europacup gewonnen hatte, auf dem obersten Podestplatz stand und dann die Nationalhymne der Schweiz gespielt wurde – Gänsehaut und Emotionen pur!

Nicht ein spezifisches Erlebnis, aber dennoch sehr prägend waren die verschiedenen Kulturen in den Trainingslagern. Die Situation, dass dort 50 bis 60 Nationen auf kleinstem Raum aufeinandertreffen, war sehr faszinierend.

 

Gab es Dinge, die schwierig waren?

Der Profisport ist eine Welt, die viel Faszination ausstrahlt und viele ganz tolle Seiten hat. Aber sie hat auch mit sehr viel Verzicht zu tun. Das eine ist, wie bereits angesprochen, die Ernährung auf die man zu achten hat und man nicht einfach immer essen kann was man will. Ein anderes Beispiel von Verzicht ist beispielsweise die Tatsache, dass ich ungefähr mit 16 Jahren das letzte Mal in den Ferien war. Aber dazu gilt es auch noch zu sagen, dass ich diesen Preis gerne bezahlt habe, um meiner Leidenschaft nachzugehen.

 

Was waren deine grössten Erfolge?

Zum einen die beiden Europacup Goldmedaillen in Dubrovnik und Sarajevo im Jahr 2018, die mir dann auch die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ermöglichten. Zum anderen die beiden Drittplatzierungen beim Weltcup in Warschau und Oberwart. Diese beiden dritten Plätze waren vor allem speziell, weil ich mich dadurch für die Europameisterschaft 2020 qualifiziert habe – diese musste dann jedoch aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden.

 

War dies auch der Grund, warum du dann ganz aufgehört hast?

Ja und Nein. Wäre COVID-19 nicht gewesen hätte ich sicher noch an der Europameisterschaft teilgenommen. Dass ich diesen Wettkampf nicht bestreiten konnte, das wurmt mich ehrlichgesagt noch bis jetzt. Aber ich habe auch gemerkt, dass die Leidenschaft und eben die Bereitschaft die Entbehrungen zu bezahlen, die der Profisport mit sich bringt, nach und nach abnahm. Und dann ist es eigentlich auch Zeit aufzuhören. Zwar etwas gezwungen durch COVID-19, habe ich dann den Schlussstrich unter die Profikarriere gezogen. Jetzt bin ich glücklich, diese für mich schon lang ersehnte Erfahrung mit der SWISSCOY machen zu dürfen.

 

Gibt es etwas, was du aus der Zeit als Profisportler gelernt hast?

Es ist erst fertig, wenn der Schlussgong ertönt! Im Judo werden Kämpfe, die über mehrere Minuten gehen oft noch in den letzten Sekunden entschieden. Also muss man durchziehen und wirklich alles geben was man hat bis tatsächlich Schluss ist. Das ist auch etwas, was ich für mich in mein ziviles Leben mitgenommen habe.