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Wenn der Pilot nicht antwortet – «Hot Mission» über dem Tessin

Die Piloten der Luftwaffe sind täglich für die Sicherheit im Schweizer Luftraum im Einsatz, unter anderem im Luftpolizeidienst. Hauptmann Yannick Zanata, Berufsmilitärpilot auf der F/A-18, leistete bereits zahlreiche solche Einsätze und erzählt, was dabei in der Luft geschieht. Ein Erfahrungsbericht.

16.09.2020 | Kommunikation Verteidigung, Saskia Graber

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Erscheint eine F/A-18 neben einem Flugzeug, ist es für den Piloten höchste Zeit zu reagieren (Symbolbild). (Foto: VBS/DDPS, Alexander Kühni und Sam Bossard).

«An diesem Nachmittag hatten mein Wingman und ich gerade den Dienst angetreten. Wir gingen verschiedenen Aufgaben nach, als wir den «Scramble»-Befehl erhielten, mit welchem ein «Hot Mission»-Einsatz ausgelöst wird. Per Telefon wurden wir umgehend über die Ausgangslage informiert: Ein aus Italien her kommendes Flugzeug im Instrumentenflug und ohne Funkkontakt ist in Richtung Schweizer Grenze unterwegs. Wir unterbrachen sofort unsere Tätigkeiten, zogen die Pilotenausrüstung an, und knapp zwölf Minuten später waren wir in der Luft.

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Hauptmann Yannick Zanata, Berufsmilitärpilot auf der F/A-18. (Foto: VBS/DDPS, Pablo Wünsch Blanco)

Wir fingen das Flugzeug in der Region von Lugano ab, als es Wolken durchflog – ein gefährliches Unterfangen in Anbetracht seiner Flughöhe.

Ab der Landesgrenze übernehmen wir

Auf der Funkfrequenz des taktischen Flugverkehrsleiters erhielten wir weitere Informationen: Es handle sich um ein Privatflugzeug, das von den italienischen Kampfflugzeugen zuvor abgefangen worden war. Doch der Pilot antworte nach wie vor nicht auf die Funksprüche und würde bald in den Tessiner Luftraum einfliegen. Auch fliege das Flugzeug unterhalb der für den Instrumentenflug vorgeschriebenen Minimalflughöhe. Für uns hiess das, dass wir ausserhalb der Wolken bleiben müssen, um es abzufangen. Noch vor der Schweizer Grenze drehten die italienischen Flugzeuge weg und übergaben die Mission an uns.

Gefährliche Flughöhe

Wir fingen das Flugzeug in der Region von Lugano ab, als es Wolken durchflog – ein gefährliches Unterfangen in Anbetracht seiner Flughöhe. In der Tat riskierte es, unvermittelt an einem von einer Wolke verdeckten Berg zu zerschellen. Wir flogen im Slalom zwischen den Wolken, bis es mir gelang, mich neben dem Flugzeug zu positionieren, damit ich es gemäss internationaler Zeichengebung auf uns aufmerksam machen konnte. Darauf identifizierte ich das Flugzeug und übermittelte der Einsatzzentrale, was ich sah: ein zweimotoriges Flugzeug mit vier Plätzen.

«Race track»

Unvermittelt begann das Flugzeug zu steigen, wobei es gleichzeitig seine Geschwindigkeit reduzierte. Für mich war es in dieser Situation schwierig, meine Position zu halten, während ich meine F/A-18 so langsam und so tief wie möglich hielt. Ich übergab daraufhin meinem Wingman, und wir begannen ein sogenanntes «race track»: Dabei wechselten wir uns so ab, dass jeweils einer von uns die Position neben dem Flugzeug hielt, während der andere eine Schlaufe flog. Das erlaubte es uns, eine höhere Geschwindigkeit beizubehalten und gleichzeitig das abgefangene Flugzeug weiterhin zu überwachen und gegebenenfalls zu unterstützen.

Mission erfolgreich beendet

Nachdem wir das Flugzeug einige Minuten lang auf diese Weise begleitet hatten, erhielten wir einen neuen Auftrag: Rückkehr zum Militärflugplatz. Der Pilot des abgefangenen Flugzeugs hatte, nachdem er uns schliesslich gesehen hatte, seinen Funk überprüft und den Fluglotsen geantwortet. Nach 45 Minuten intensiven Fluges landeten wir wieder in Payerne. Mein Wingman, der Chef Luftverteidigung und ich führten das Debriefing des Fluges durch, ehe wir uns wieder in Alarmbereitschaft für eine mögliche nächste Mission versetzten. Bereit, einen weiteren Einsatz für die Sicherheit im Schweizer Luftraum zu leisten.»