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Die Swisscoy: Seit 20 Jahren in stetem Wandel

Vor zwanzig Jahren reiste das erste Swisscoy-Kontingent in den Kosovo, um sich in der von der Nato geführten UNO-Mission zu engagieren. Seither haben 620 Frauen und 7880 Männer im Auftrag der Schweizer Armee einen friedensfördernden Einsatz zu Gunsten der Kosovo Force (KFOR) geleistet.

02.10.2019 | Kommunikation Verteidigung, Sandra Stewart-Brutschin

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Heute bilden die Liaison and Monitoring Teams (LMT) einen wichtigen Bestandteil der Swisscoy. Sie sind sowohl im Süden wie auch im Norden unterwegs und suchen das Gespräch mit der lokalen Bevölkerung und den Behörden.

Am 23. Juni 1999 beschloss der Bundesrat, sich mit einem Kontingent von maximal 160 Soldaten an der Kosovo Force (KFOR) zu beteiligen. Die Abteilung Friedenserhaltende Operationen (AFO), Vorgängerin des heutigen Kompetenzzentrums SWISSINT, erhielt den Auftrag, ein Kontingent zu rekrutieren, auszurüsten, auszubilden und per Oktober 1999 in den Kosovo zu schicken.

Im Juli 1999 führte die AFO die Rekrutierung durch und stellte den Ausbildungskurs zusammen. Über 1000 interessierte Frauen und Männer bewarben sich für die unterschiedlichen Funktionen. Gleichzeitig musste der Logistikbereich das Material für den Campaufbau und -betrieb sowie die Ausrüstung für die Peacekeeper organisieren.

Ab Oktober 1999 im Kosovo

Im August begann der knapp zweimonatige Ausbildungskurs auf dem Waffenplatz in Bière. Parallel dazu wurde tonnenweise Material in den Kosovo geflogen. Spezialisten des Festungswachtkorps verbauten Container in knapp zwei Monaten zu Unterkünften und Büros für die Schweizer Armeeangehörigen im Camp Casablanca in der Nähe von Suva Reka. Zusätzlich mussten Strom- und Wasserleitungen verlegt und angeschlossen werden. Generatoren produzierten Strom, und eigens gebohrte Brunnen lieferten das Trink- und Brauchwasser. Das Ziel war, das Camp von der öffentlichen Infrastruktur, die weitgehend zerstört war, unabhängig zu machen.

Im Oktober 1999 verschob das erste Swisscoy-Kontingent in den Kosovo, wo es zusammen mit deutschen und österreichischen Soldaten im Camp Casablanca stationiert war. Da die Swisscoy-Angehörigen aufgrund des Militärgesetzes ihren Einsatz damals unbewaffnet leisteten, zeichnete sich die österreichische Armee verantwortlich für den Verbandsschutz der Schweizer. Die Campbewachung übernahmen die Deutschen zusammen mit den Österreichern.

Die Swisscoy war zu Beginn eine logistische Unterstützungseinheit zugunsten des österreichischen KFOR-Bataillons und erbrachte im Wesentlichen Leistungen wie Transporte, Betriebsstoffversorgung, Trinkwasseraufbereitung und Campunterhalt. Weiter baute sie wichtige Brücken und sanierte Strassen, um die Bewegungsfreiheit der KFOR-Truppen sicherzustellen. Die bewaffnete Präsenz und Sichtbarkeit der internationalen Truppen waren erforderlich, um die Sicherheit wiederherzustellen und damit den Wiederaufbau durch die zahlreichen humanitären Organisationen zu ermöglichen.

Nachdem das Schweizer Stimmvolk im Juni 2001 der Bewaffnung von Soldaten zum Selbstschutz in friedensfördernden Operationen zugestimmt hatte, ging im Oktober 2002 das erste bewaffnete Kontingent in den Einsatz. Die Swisscoy wurde um eine Infanteriekompanie aufgestockt und umfasste neu 220 Personen. Diese beteiligte sich an Patrouillen, an der Bewachung von Konvois sowie an der Campsicherung. Ab Oktober 2002 engagierte sich auch die Schweizer Luftwaffe im Kosovo und steht seither der KFOR mit einem Super Puma für Personen- und Warentransporte zur Verfügung.

Mehrmals umgezogen

Die positive Entwicklung der Sicherheitslage im Kosovo erlaubte es der KFOR, die Anzahl Sicherungselemente schrittweise abzubauen und sich auf die Überwachung der Entwicklung des Landes zu konzentrieren. Dies geschieht mithilfe der Liaison and Monitoring Teams (LMT), die im ganzen Land verteilt sind. Sie sammeln durch Gespräche mit der Bevölkerung und den Behörden Informationen, die dem Kommandanten der KFOR als umfassendes Lagebild weitergeleitet werden. Diese Veränderungen wirkten sich auch auf die Swisscoy aus, die ihre Aufgabenbereiche entsprechend anpasste. So umfasst sie seit 2010 ein Kampfmittelbeseitigungsteam. Der Rückzug der Infanteriekompanie ab Frühling 2012 erlaubte ein verstärktes Engagement zugunsten der LMT.

Im Herbst 2012 wurde das Camp Casablanca geschlossen und die Schweizer zogen teils ins Feldlager Prizren, teils ins Hauptquartier der KFOR in Pristina um. Im Frühling 2018 hiess es auch Schluss in Prizren, und ein erneuter Umzug war erforderlich, diesmal in den Norden in das Camp Novo Selo. Gleichzeitig wurde die erste Reduktion des Kontingents auf maximal 190 Armeeangehörige umgesetzt. Diese hatte das Parlament mit der letzten Mandatsverlängerung beschlossen.

Wieder gleich gross wie zu Beginn

Im Oktober 2019 wird die Schweiz das Kommando über das Joint Regional Detachement North abgeben, das seit 2012 ein Schweizer Oberst führt. Ebenfalls im Oktober wird die zweite Reduktion auf maximal 165 Personen stattfinden. Somit wird das Kontingent ab Herbst mit praktisch gleich vielen Armeeangehörigen im Kosovo präsent sein wie vor 20 Jahren, als die Swisscoy mit 160 Personen startete – allerdings mit anderen Aufgaben.

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