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Schnarchen – eine Typologie des Grauens

WK-Soldaten tauschen für 3 Wochen ihr ziviles Leben gegen ein militärisches Umfeld. In einer losen Reihe versucht sich Cuminaivel verschiedenen Phänomenen im Alltag eines Miliz-Soldaten anzunähern. Heute: Teil 2 – das «Schlafen».

20.01.2020 | CUMINAIVEL | sf

Militärischer Alltag: Schnarchen

 

Nach dem Ausgang ist es der zweitliebste Punkt auf dem Tagesprogramm eines jeden Soldaten, der sich mentaler Gesundheit erfreut: die Nachtruhe.

Wobei, mit der «Ruhe» ist es ja oft nicht weit her. Auf jeden Fall nicht in Massenschlägen, in denen zwanzig bis dreissig Nasen ihren Schlaf zu finden versuchen. Denn mit zunehmendem Alter schnarchen etwa 40% der Männer. Wobei diese Zahl nichts als eine statistische Randnotiz ist. Denn eine einzige Schnarchnase reicht aus, um eine ganze Truppe kampfunfähig zu machen.

Man mag den Opfern jetzt vorhalten, sie sollen sich nicht so anstellen, schliesslich gebe es Schlimmeres als ein paar geräuschvoll Schlafende. Ein leeres Bierregal etwa, eine weitere Finanzkrise oder Waterboarding. Das ist falsch. Es gibt kaum etwas vergleichbar Nervtötendes wie jemand, der einen um den Schlaf bringt, auch wenn das von Rhonchopathen gerne heruntergespielt wird. Schlafentzug war nicht zufällig eine der gängigsten Foltermethoden der DDR.

Und es ist ja nicht allein die akustische Beeinträchtigung, die einen nicht einschlafen lässt. Es geht um Grundsätzliches: Da erholt sich jemand auf Kosten anderer! Diese fundamentale Ungerechtigkeit versetzt nicht selten den friedliebendsten Zeitgenossen in eine solche Rage, dass er den Störenfried am liebsten meucheln würde.

Aber betrachten wir die Sache systematisch. Denn Schnarchen ist nicht gleich Schnarchen. Es gibt mindestens 4 Typen von Schläfern, die mit ihren dysfunktionalen Atemwegen an anderer Leute Nerven sägen.
Da ist erstens der Typ Darth Vader. Kein eigentlicher Schnarcher zwar, aber mit seinem übermässig lauten Atem besonders perfide. Immerhin: Ohropax verschaffen hier Abhilfe.

Typ 2 ist der Gurgler. Er beginnt harmlos, fast wähnt man sich in Sicherheit. Doch plötzlich ertönt von ganz hinten im Rachen ein feines Grollen, das immer mehr anschwillt, sodass man zwischenzeitlich befürchten muss, dass der Übeltäter sein eigenes Gurgeli verschluckt.

Typus 3 ist der Klassiker. Von fein säuselnd bis laut sägend beherrscht er alle Register der nasalen Marter. Zwischenzeitlich hält er inne, sodass man glauben könnte, man habe es überstanden, nur um einem von Neuem wieder den Schlaf zu rauben. Bei Typen 2 und 3 hilft sanftes Rütteln, um sich so lange Ruhe zu verschaffen, bis man selbst eingeschlafen ist.

Und dann gibt es noch Typus 4. Der Unbarmherzige. Der so gnadenlos durchsägt, dass die schallinduzierte Vibration den sichersten Luftschutzkeller zum Einstürzen bringen kann. Hier gibt es nur noch zwei Auswege: wachhalten oder verbannen. Um der Gesundheit der Truppe willen.