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Einsatz am Lauberhorn: Von Kanten, Kälte und Kalorien

Bei den Skirennen in Wengen und Adelboden fiebern Jahr für Jahr Millionen Menschen direkt an der Strecke oder an den TV-Geräten rund um den Globus mit. Die Fliegerabwehr leistete dieses Jahr einen wichtigen Beitrag dafür, dass die Ski-Cracks über perfekt präparierte und abgesicherte Pisten donnern konnten.

23.01.2019 | Fachof Andy Abächerli, Fachof Noël Graber, LVb Flab 33

Einsatz am Lauberhorn
Einsatz am Lauberhorn: Instruktion vor eindrücklicher Kulisse

Die Halle des Militärflugplatzes im Raum Berner Oberland ist kurz vor 17 Uhr fast menschenleer. Dass hier hunderte Angehörige der Fliegerabwehr ihren WK leisten, wird erst auf den zweiten Blick klar. Die Einrichtung der kalten, grauen Betonhalle erinnert an ein Ski-Service-Center – ein gut bewachtes. Zahlreiche Skipaare stehen fein säuberlich aufgereiht in ihren Ständern, Skischuhe, der Grösse nach geordnet in den Gestellen. Auf Werkbänken liegen Akkuschrauber bereit, um die Skis einzustellen. «Das Gros der Mannschaft ist jetzt oben im Einsatz», sagt Kommandozugführer Oberleutnant Noah Marti. Mit «oben» meint er am Lauberhorn. Das Gros der Mittleren Fliegerabwehr Abteilung 45 (M Flab Abt 45) unterstützt zusammen mit Gast-WK'ler aus über 60 verschiedenen Einheiten in diesem Jahr das OK des Skirennens in Wengen. Die Flugplatzhalle ist das Materiallager der Truppe – das «Mat Mag». Natürlich sei es ein spezieller Einsatz, sagt Oberleutnant Marti. «Unsere Leute werden von zivilen Mitgliedern des OKs geführt.» Die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden funktioniere hervorragend. Beide Seiten profitieren dabei auch von der traditionsreichen Kooperation. Man merkt schnell, dass Marti eigentlich lieber draussen bei den Leuten mithelfen würde. Er formuliert es diplomatisch: «Die Führung des Kommandozugs ist eine ungewohnte Aufgabe für mich, aber auch eine Abwechslung».

Ein riesiges, steiles Eisfeld

In einem abgetrennten Raum im hinteren Teil des Flughafengebäudes befindet sich das Herzstück: die Einsatzzentrale. Anders als in der menschenleeren Halle herrscht hier rege Betriebsamkeit. Armeeangehörige diskutieren, Telefone klingeln, an einer riesigen Pinnwand werden kleine Kärtchen herumgeschoben. «Das OK meldet uns jeden Tag, wie viele Einsatzkräfte am Folgetag für welche Tätigkeiten benötigt werden», erklärt Wachtmeister Philipp Weilenmann, der für die Einsatzplanung zuständig ist. «Darauf basierend erstellen wir dann die Pläne». An der Pinnwand sind die verschiedenen Tätigkeiten aufgelistet: Aufbau der Fangnetze, Tribünenbau, Piste freischaufeln, Vereisen, Piste markieren und so weiter. Darunter sind die Einsatzkräfte zugeordnet – jeder mit Namen, Telefonnummer und einer Einschätzung seiner Skifahr-Künste. «Bei gewissen Tätigkeiten ist es unerlässlich, dass man gut Skifahren kann», erklärt Einsatzplaner Wachtmeister Weilenmann. «Eine Weltcup-Piste ist ganz anders als eine Piste, wie wir Hobbyskifahrer sie uns gewohnt sind. Es ist eigentlich ein riesiges, steiles Eisfeld.»

Viele, viele Kalorien

In einem Hangar, keine 100 Meter von der Halle entfernt ist der Speisesaal der Einheit untergebracht – und eine kleine Bar, die extra eingerichtet wurde. «Hier können die Leute nach ihrem Einsatz und dem Abendessen noch etwas trinken, bevor sie dann mit dem Shuttle in eine der drei Unterkünfte gefahren werden», sagt Fourier Remo Mäder, der für das leibliche Wohl der Truppe verantwortlich ist. Die Bar werde allerdings nicht bis in die späten Abendstunden frequentiert: «Die harte Arbeit, die Kälte und die Höhe fordern unsere Leute stark», sagt Mäder. Viele gehen schon bald nach dem Abendessen schlafen. Die Härte des Einsatzes macht sich auch im Kalorienverbrauch der Truppe bemerkbar. «Es wird etwa zweieinhalb Mal so viel gegessen, wie in einer regulärer Dienstleistung.»

Unterdessen herrscht in den Flugplatzgebäuden Hochbetrieb. Immer mehr der Angehörigen der Armee kehren von ihrem Einsatz am Lauberhorn zurück um hier zu essen und bald schon schlafen zu gehen. Er sei nicht gemacht für diese Kälte, sagt einer der Soldaten im Vorbeigehen. «Viel besser als ein ‘normaler’ WK», meint ein anderer. Die Einsatzkräfte haben teilweise eineinhalbstunden Weg zu absolvieren, bis sie an ihrem Einsatzort, oder von dort zurück auf dem Flugplatz sind. Man könne schliesslich nicht mit dem Duro aufs Lauberhorn fahren, sagt Fourier Mäder. «Deshalb transportieren wir Mensch und Material vorwiegend mit dem Zug.»

Die Angehörigen der Fliegerabwehr sind sich Einsätze in klirrender Kälte zwar gewohnt, der Einsatz am Lauberhorn ist für sie dennoch ein Novum. Deshalb sind neben der M Flab Abt 45 auch Angehörige von weiteren Einheiten vor Ort, welche schon mehrfach am Lauberhorn Dienst geleistet haben. Einer von ihnen ist Oberleutnant Marc Burkhardt vom Gebirgsinfanteriebataillon 17. «Wie immer bei solchen Einsätzen braucht es am Anfang eine Findungsphase», erklärt Burkhardt. «Die Kollegen von der Flab haben sich aber schnell zurechtgefunden und leisten hervorragende Arbeit.»

 

Stimmen zum Einsatz im Berner Oberland

Was ist Ihre Aufgabe bei der Unterstützung der Ski-Weltcuprennen in Wengen und Adelboden?

Der Territorialdivision 1 unterstellt leisten wir einen so genannten VUM-Unterstützungseinsatz zu Gunsten ziviler Tätigkeiten. Dabei unterstützen wir die beiden OKs und tragen insbesondere zur Pistenpräparation, zur Pistensicherung und zum Tribünenbau bei. Weiter leisten wir Beiträge in den Bereichen Logistik, Material und Verpflegung.

Wie unterscheidet sich für Sie der Lauberhorn-Einsatz von anderen Einsätzen oder Ausbildungsdiensten?

Der Einsatz ist eine interessante Abwechslung zu den regulären Ausbildungsdiensten oder den uns vertrauten Einsätzen. So ist zum Beispiel die Führung mit zivilen Abschnittchefs und Abspracherapporten mit den OKs deutlich anders als in der regulären Kommandoordnung der Abteilung. Auch die Aufträge auf der Skipiste oder beim Tribünenbau sind für die Truppe neu. Zahlreiche Herausforderungen sind hingegen ähnlich wie beim WEF: Der Umgang mit den winterlichen Verhältnissen, die Einsatzlogistik oder der Einsatz zu unregelmässigen Arbeitszeiten rund um die Uhr während 7 Tagen pro Woche.

Nützt Ihnen dieser Einsatz auch etwas für Ihr Leben ausserhalb der Armee?

Der Einsatz ist für mich als Einheitskommandant eine interessante Führungserfahrung. So führe ich hier rund 400 Armeenagehörige statt der üblichen rund 200 meiner Batterie. Auch die persönlichen Kontakte mit Vertretern der OKs, mit Angehörigen der Armeeführung oder die Zusammenarbeit mit verschiedenen Zivilschutzorganisationen sind bereichernd.
 

Was ist Ihre Aufgabe bei der Unterstützung der Lauberhornrennen?

Als Verantwortlicher für die Einsatzzentrale bin ich zuständig für die Einsatzplanung respektive die Einteilung der Soldaten in verschiedene Gruppen, welche auf und um die Rennstrecken arbeiten. Dabei muss ich den Bedarf des OK optimal auf die Verfügbarkeit und die Fähigkeiten der Soldaten abstimmen. Wir wollen die Rennen bestmöglich unterstützen und finden es schön, Teil dieses legendären Anlasses zu sein.

Wie unterscheidet sich für Sie der Lauberhorn-Einsatz von anderen Einsätzen oder Ausbildungsdiensten?

Nicht stark. So unterstützen wir wie zum Beispiel am WEF auch hier die zivilen Behörden. Die in der Einsatzzentrale anfallenden Arbeiten unterscheiden sich nicht grundsätzlich von den Arbeiten bei anderen Einsätzen oder Ausbildungsdiensten. Und auch für die Truppe der Flab sind viele Grundvoraussetzungen ähnlich wie zum Beispiel das Klarkommen mit der Kälte.

Nützt Ihnen dieser Einsatz auch etwas für Ihr Leben ausserhalb der Armee?

Ja, was ich hier mache, nützt mir auch im Berufsleben. So lerne ich zum Beispiel vieles im Bereich der Aufgabenkoordination und -priorisierung und schule mein vernetztes Denken.  

Was ist Ihre Aufgabe bei der Unterstützung der Lauberhornrennen?

Vor dem eigentlichen Einsatz half ich in meiner Funktion als Kanonierfahrer bei der Verschiebung der Fahrzeuge vom Logistikzentrum Thun nach Interlaken. Nun bin ich in einem Detachement auf der Wengernalp eingeteilt. Dort arbeiten wir beim Aufbau der Tribünen mit und verlegen Stromleitungen.

Wie unterscheidet sich für Sie der Lauberhorn-Einsatz von anderen Einsätzen oder Ausbildungsdiensten?

Weil ich sonst als Fahrer eingesetzt werde, unterscheidet sich dieser Einsatz für mich vor allem bezüglich der hier herrschenden eisigen Temperaturen. Kräftiges Anpacken hält aber zum Glück angenehm warm… (lacht)

Nützt Ihnen dieser Einsatz auch etwas für Ihr Leben ausserhalb der Armee?

Ehrlich gesagt eher wenig. Nützlich für mein Zivilleben ist aber sicher die gewonnene Fahrpraxis.