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Der Einsatz als Triebfeder

«Der Fokus liegt auf dem Einsatz; er sagt uns, was wir tun und können müssen» sagt Oberst im Generalstab Niels Blatter, der Kommandant des Kompetenzzentrums ABC-KAMIR. Seine rund 100 Mitarbeitenden sind neben einem breiten Einsatzspektrum auch für die Doktrin und die Ausbildung zuständig. Der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, konnte sich während eines Besuchs ein Bild des Leistungsprofils machen.

17.08.2021 | Kommunikation Kommando Ausbildung, Michael Senn

©VBS/DDPS Alex Kühni, ZEM
Der Chef der Armee, Korpskommandant Thomas Süssli, besuchte das Kompetenzzentrum ABC-KAMIR und legte selbst Hand an. ©VBS/DDPS Alex Kühni, ZEM

Der Besuch des Chefs der Armee startete mit der «Mutter aller Folien – die Bedrohungsszenarien im CBRNE-Bereich», wie sie Oberst i Gst Blatter nennt. Die Abkürzung steht für Chemical, Biological, Radiological, Nuclear, and Explosives. Und an Bedrohungsszenarien mangelt es nicht – Dirty Bombs, Paketbomben, Rizin, die Fälle Skripal und Nawalny: Die vergangenen Jahre haben immer wieder aufs Neue gezeigt, wie auch mit relativen einfachen Mitteln grosser Schaden angerichtet werden kann. Und das auch im nahen Ausland. Die Bedrohungen sind zahlreich und können sich schnell verändern, daran muss sich das Kompetenzzentrum (Komp Zen) laufend anpassen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Labor Spiez und internationalen Partnern ist dafür essenziell.

Ferngesteuerte Entschärfung

Vom Theoriesaal ging es per Einsatzfahrzeug zu einer Sprenggrube auf dem Waffenplatz Thun. Dort warteten Kampfmittelbeseitigungs-Spezialisten (KAMIBES Spez), die dem Chef der Armee ihre Einsatzverfahren anhand einer Unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtung (USBV) zeigten, welche in einem Koffer installiert war. Einer der KAMIBES Spez fertigte zuerst ein Röntgenbild des Koffers an, indem er sich mit einer rund 40kg schweren Schutzausrüstung dem Objekt annäherte. Die Bilder gaben Aufschluss über den Aufbau des Sprengsatzes und dessen Zündmechanismen. Der nächste Schritt wurde per Entschärfungsmanipulator unternommen. Ferngesteuert fuhr dieser zum Sprengsatz und unterbrach mit einem gezielten Schuss den Zündmechanismus. Anhand der Kamerabilder wurde eruiert, dass keine Bedrohung mehr vom Objekt ausging. So konnte es anschliessend manuell entfernt werden.

Wie ein Schweizer Uhrwerk

Das Kompetenzzentrum ABC-KAMIR lässt sich mit einem Uhrwerk vergleichen. In dieser Metapher ist der Einsatz die Triebfeder, welche die Zahnräder Ausbildung und Doktrin antreibt. Der Kommandant KAMIR, Oberst Daniel Widmer, sagt: «Jeder meiner Mitarbeiter geht in den Einsatz, und jeder arbeitet an Projekten mit. So fliessen die Erfahrungen, die wir draussen machen, in unsere Grundlagen und in die Ausbildung ein.» Dazu gehören z.B. eine Referenzsammlung mit rund 5000 Objekten, eine Datenbank und zahlreiche andere Ausbildungsunterlagen. Neben den eigenen Leuten werden von Spiez aus auch Mitarbeitende der LBA, von Kantonspolizeien und in Zukunft auch weitere Angehörige der Armee ausgebildet. Der Chef der Armee konnte sich davon vor Ort ein Bild machen und wurde Zeuge der Zuverlässigkeit und Präzision des Spiezer Uhrwerks.

Fotos

Echteinsätze

Täglich Echteinsätze

Mit dem Kommando KAMIR verfügt das Komp Zen ABC-KAMIR über hauseigene Spezialisten in den Bereichen Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung. Das Kommando bekämpft die Bedrohungen, welche von Minen, Blindgängern, Munitionsdepots sowie von Unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) ausgehen und leistet dazu täglich Echteinsätze im In- und Ausland. Seit der Coronapandemie gibt es besonders viel zu tun: Letztes Jahr verzeichneten die Kampfmittelbeseitiger in der Schweiz einen Zuwachs an Blindgängermeldungen von rund 40%. Vermehrte Kellerräumungen und ein neuerlicher Wanderboom sorgen für glühende Telefonleitungen in der Blindgängermeldezentrale

Seit 2010 befindet sich permanent ein EOD-Team (Explosive Ordonance Disposal) im Kosovo. Die KAMIR-Experten engagieren sich auch im Bereich der humanitären Minenräumung z.B. in der Demokratischen Republik Kongo oder vielen weiteren Einsatzgebieten. Seit rund zwei Jahren kümmert sich das Kdo KAMIR auch um Schiessplatzsanierungen. Von schweizweit etwa 2200 Zielgebieten werden derzeit nur noch circa 600 militärisch genutzt. Der Rest muss vor der Veräusserung von Blindgängern befreit werden. Um dieses Grossprojekt stemmen zu können, wurde das Kommando KAMIR personell aufgestockt. Dennoch kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, wie lange die Sanierungsarbeiten dauern werden.