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Der Spielplatz der «Bösen»: Die Armee machts möglich

Es ist einer der grössten Sportanlässe der Schweiz: das Schwing- und Älplerfest, das «Eidgenössische». In Zug werden vom 23. bis 25. August rund 300'000 Menschen erwartet – in der und rund um die Arena, in der sich die besten Schwinger des Landes messen werden. Für den Auf- und Abbau dieser grössten mobilen Sportarena der Welt stehen aktuell Angehörige des Katastrophenhilfe-Bereitschaftsbataillons im Einsatz.

08.08.2019 | Kommunikation Verteidigung, Fahrettin Calislar

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Rund 56500 Personen werden sich dieses Jahr die Kämpfe im Sägemehl der grossen Arena nicht entgehen lassen.

Sie ist riesig, das Stadion des «Eidgenössischen» in Zug – die weltweit grösste, mobile Sportarena. Und mit fast jeder Durchführung des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes (ESAF) wird sie grösser. Während sie 2016 in Estavayer noch gut 52'000 Personen Platz bot, bauen Angehörige des Katastrophenhilfe-Bereitschaftsbataillons (Kata Hi Ber Bat) zurzeit Tribünen für 56'500 Personen. Das Schwingen ist beliebt und das Publikum froh um jeden weiteren Sitz. Und die Armee macht es möglich.

Durchdiener tragen die Hauptlast

Ende Juli: Grossbaustelle am Stadtrand von Zug. Wo sich einen Monat später die besten Schwinger im Sägemehl wälzen, schwitzen rund 80 junge Männer in Uniform. Die Durchdiener stehen hier bei brütender Hitze ihren Mann und arbeiten unter Verantwortung von zivilen Vorarbeitern am Aufbau der Tribüne. Für das Kata Hi Ber Bat ist der Einsatz in Zug nicht immer einfach, räumt der Kommandant, Oberst im Generalstab Daniel Reimann ein. Die Durchdiener hätten kaum Erfahrung im Gerüstbau. Nach einer Sicherheitsschulung steigen sie auf die Gerüste, krempeln – bildhaft gesprochen – die Ärmel hoch und legen los. Die Arbeiten finden ohne Schatten und in praller Sonne statt, betont Stabsadjutant Patrick Hehli, der militärische Einsatzleiter. «Das ist nicht ganz einfach.» Dabei zeigt sich laut Reimann auch die Qualität der Zusammenarbeit. Auf seine Anfrage hin, wie man der Hitze begegnen könne, habe das Organisationskomitee kurzerhand einen Wasseranschluss installiert, damit sich die Arbeiter abkühlen können. So komme die Arbeit gut voran. Laut Hehli war es sogar zeitweise so, dass die Gerüstfirma das Material weniger schnell zuführen konnte, als die Soldaten es verbaut haben. «Einfach, weil wir schnell sind.»

Keine Chance ohne die Armee

Die Zusammenarbeit wird von beiden Seiten gewürdigt. David Frei, Projektleiter der Gerüstbaufirma Nüssli, sagt: «Die Zusammenarbeit klappt sehr gut. Man merkt, dass sie nicht das erste Mal auf einer Baustelle sind. Wir sprechen die gleiche Sprache.» Chefmonteur Alain Zahnd weiss: «Dafür, dass sie das noch nie gemacht haben, machen sie eine gute Büez.» Und nach einer kurzen Pause: «Ich mache es einfach zu gehen.» Er könne sich vorstellen, die Arbeit auch mit Zivilen oder Freiwilligen zu machen, aber: «Es würde mehr Leute brauchen, und mehr Geld und mehr Nerven kosten.»

Der Hauptnutzniesser des Armeeeinsatzes, Infrastruktur-Chef Walter Lötscher, schliesst: «Ich habe einen unglaublichen Respekt vor der Arbeit der Armeeangehörigen. Das hätte ich nie erwartet, das ist einfach der Hammer!» Vor allem die Muskelkraft der eingesetzten Soldaten wie auch die logistische Unterstützung seien unbezahlbar. Und sein Chef, OK-Präsident Heinz Tännler, gab vor den Medien zu Protokoll: «Ohne Armee und Zivilschutz wären solche sportlichen Grossanlässe kaum zu bewältigen».

Leutnant Nicola Conrad, einer der beiden Detachementchefs der Kompanie auf der Baustelle, gibt das Kompliment weiter an die zivilen Vorarbeiter: «Wir merken zwar, dass einige wenig Erfahrung mit Führung haben, aber es klappt gut. Sie geben klare Befehle. So kommen wir gut voran.»

Territorialdivision koordiniert den Einsatz

Der Einsatz findet im Rahmen der Verordnung zur Unterstützung ziviler Tätigkeiten mit militärischen Mitteln – kurz VUM – statt. Die Koordination der Arbeiten obliegt der jeweils regional betroffenen Territorialdivision (Ter Div) – im Fall des Kantons Zug ist es die Ter Div3. Laut deren Stabschef, Oberst im Generalstab David Accola, ist die Zusammenarbeit mit dem OK reibungslos. Die Durchdiener machten auch unter den heissen Wetterbedingungen eine hervorragende Arbeit, so Accola. «Ich habe bisher keinen einzigen Anruf erhalten, dass wir an der Planung etwas ändern müssten.» Die zivilen Partner seien vollumfänglich zufrieden mit dem Engagement der Armee.

Maximal 4200 Diensttage sieht die Armee während dieses Sommers für das ESAF vor. Der Einsatz begann Mitte Juni und dauert voraussichtlich bis Mitte September. Dann soll die Arena wieder abgebaut sein. Die Armee unterstützt die Organisatoren beim Auf- und Abbau der Arena sowie im Betrieb während der Festtage. Eine Sanitätskompanie betreibt während des Anlasses zur Unterstützung des Sanitätswesens eine Hilfsstelle und stellt Patrouillen in Zusammenarbeit mit den zivilen Sanitätsdiensten. Eine Transportkompanie kümmert sich um die Verkehrsregelung. Und die Kommunikation Verteidigung arbeitet an der Einrichtung und dem Betrieb der Armeeausstellung am ESAF mit (siehe Kasten).

Spitzensportler im Sägemehl

Schliesslich marschieren an diesem Grossanlass «Spezialkräfte» der Armee auf: die schwingenden Spitzensportsoldaten des Kompetenzzentrums Sport, angeführt vom amtierenden «König» Glarner Matthias.

 

Einblicke in die Schweizer Armee

Die Armee baut am ESAF 2019 in Zug nicht nur, sie präsentiert sich auch. An ihrer neuen Ausstellung #insidearmee erläutern Zivilangestellte und Armeeangehörige der beteiligten Truppenkörper den Besucherinnen und Besuchern die Leistungen der Armee sowie die Mittel, mit denen sie diese vollbringt. Die Ausstellung im Sponsorendorf wurde erstmals diesen Frühsommer anlässlich des Eidgenössischen Turnfestes in Aarau gezeigt und umfasst mehrere Stände zu unterschiedlichen Themen. Zwei Spitzensportler geben Autogramme und stehen für Selfies zur Verfügung stehen: die junge Biathletin Lena Häcki (Samstag) und Ski-Alpin-Star Ramon Zenhäusern (Sonntag, jeweils im Laufe des Nachmittags).

Fotos

Virtuellen Rundgang

Die Zug Arena, wenn sie fertig ist

Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Armee und Zivi-len, dass die involvierte Truppe «ihr Bauwerk» bereits zum Voraus virtuell sehen kann: Das Organisationskomitee hat einen virtuellen Rundgang durch das Gelände gestaltet. Als Höhe-punkt kann man durch die Arena schreiten und sie wenigstens virtuell bewundern, noch bevor die Soldaten des Katastrophenhilfe-Bereitschaftsbataillons sie fertig gebaut haben; und zwar von innen wie von aussen, und untermalt mit Videoclips.
 

 

Baustellenbesuch

Baustellenbesuch möglich

Der Aufbau der Arena ist schon weit gediehen. Das Organisationskomitee bietet bis voraussichtlich am 21. August Baustellenführungen an. Ein Besuch der Baustelle ohne Führung ist aus sicherheitstechnischen Gründen nicht möglich, sie wird abgesperrt sein. Eine Führung dauert rund 90 Minuten. Ab dem 10. August ist der Gabentempel offen zur Besichtigung.

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