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Dynamisches Gleichgewicht: Rektor und Trainer

Oberst André Lorenzettis Werdegang ist vielfältig. Er war Trompeter, Dirigent und Adjutant im Bataillonsstab, heute ist er Ausbildner und Oberst. Sein Dienst als Milizoffizier gab ihm eine grosse Bandbreite an Erfahrung und Kompetenzen an die Hand, die er zivil als Rektor sowie privat als Dirigent erfolgreich einsetzt.

17.07.2019 | Kommunikation Verteidigung, Ruth van der Zypen

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Oberst Lorenzetti als Fachlehrer und Trainer im Managementkurs TRANSFER, den die Armee für Privatunternehmen anbietet.

Müsste man Oberst André Lorenzettis militärische und zivile Laufbahnen erraten, man würde sich schwertun. Gemeinsames Element beider Bereiche ist sicher der Klang der Musik. In der Armee hat er es vom Trompeter zum Führungs- und Kommunikationscoach gebracht, im Zivilleben vom Musik-, Chemie- und Mathematiklehrer zum Gymnasialrektor; privat gibt er als Chordirigent Ton und Takt an. «Von meiner Sorte gibt es sonst niemanden in der Armee», glaubt Oberst André Lorenzetti.

Wissenstransfer Armee – Privatwirtschaft

Freitagmorgen in einem Schulungszimmer des Armeeausbildungszentrums in Luzern. Oberst André Lorenzetti führt eine Gruppe des Transfermanagementkurses durch ihre Übung. Sie muss als fiktiver Stab eine komplexe Aufgabenstellung meistern, und zwar in kürzester Zeit. In diesen Kurs kommen Exponenten aus der Privatwirtschaft und der Verwaltung, Anbieter ist das Kommando für Management-, Informations- und Kommunikationsausbildung (MIKA). «Im Militärdienst bin ich komplementär zu meinem zivilen Beruf aktiv, denn als Rektor bin ich Führungsperson und nicht mehr Lehrperson», so Lorenzetti.

Anwendung macht Schule

Von seinem Büro in Bern aus geht sein Blick auf Schulhof und Kirchenfeldquartier, gerade hat die Pausenglocke geläutet, emsiges Treiben auf dem Pausenplatz setzt ein. Seit 2013 ist Dr. André Lorenzetti Rektor der Abteilung Mathematik und Naturwissenschaften am Gymnasium Kirchenfeld, studiert hatte er Musik, Mathematik und Chemie. «Ich profitiere auch hier von meinen in der Armee entwickelten Kompetenzen, besonders, wenn es darum geht, fundierte Entscheidungen herbeizuführen», so Lorenzetti. Besonders Lorenzettis Krisendispositiv macht Schule. Andere Schulleitungen werden mitunter bei ihm vorstellig, wenn es um eine diesbezügliche Fragestellung geht. Selbst die Berner Polizei verweist Schulen an seine Adresse für Fragen zu Krisen- und Alarmorganisation. Das hat er seiner militärischen Laufbahn zu verdanken.

Gleichgewicht in zwei Bereichen

Lorenzettis Weg in der Armee ist exotisch, aber exemplarisch für die Fülle von Möglichkeiten, die sie einem bietet: vom Trompeter in der Militärmusik zum Spielführer (Dirigenten) über Adjutant im Bataillonsstab zum Chef Trainerausbildung für Kommunikationstrainings, danach Chef Fachstab MIKA. «Dadurch, dass ich weitermachte, konnte ich sehr unterschiedliche Bereiche der Armee kennen lernen und sogar Stabs- und Führungslehrgänge absolvieren», hält Lorenzetti fest.
«Am besten wird man vor der Vaterschaft Kadi (Kompaniekommandant)», so ein Ratschlag Lorenzettis mit einem Augenzwinkern. Denn: Ein Kadervorkurs in der Militärmusik fiel auf die Zeit der Geburt seiner Tochter, was für ihn privat nicht gerade optimal war. «In der Tat ist es eine Herausforderung, das Gleichgewicht zu halten zwischen den beiden Lebensbereichen. Ich sehe unser Milizsystem gerne mit dem Auge eines Chemikers: als dynamisches Gleichgewicht.» Anders gesagt: Ziviles Know-how kommt der Armee zugute, und gute Leistungen in der Armee erlauben dort eine Karriere. Die in der Armee erworbenen Kompetenzen wirken sich danach wiederum positiv auf die beruflichen Tätigkeiten aus. Am Schluss entsteht ein Zirkelschluss, von dem alle profitieren.

Mehrwert höher als Investition

Während seiner Karriere hat Lorenzetti immer von seinem Engagement in beiden Bereichen profitiert. Sein Können als Dirigent der Armee setzte er schon in der Rekrutenschule vor 33 Jahren sowohl beruflich als auch privat ein, Letzteres als Leiter eines angesehenen Amateurchors im Aaretal. Als Chef der Trainerausbildung innerhalb der Armee oder aktuell als Trainer in den Managementkursen profitiert die Armee umgekehrt von seinen Kompetenzen als Lehrperson und Pädagoge. «Im Zivilen profitiere ich vom Armeewissen, im Militärdienst von ziviler Ausbildung und Funktion. Der Mehrwert ist für alle Seiten und auch für mich selber in jedem Fall grösser als die dafür getätigten Investitionen!»
 

 

 

 

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