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Kaderschmiede Armee, ein Gewinn auch für das Baugewerbe

Drei Männer, zwischen 20 und 22 Jahre alt. Ein Maurer, zwei Schreiner. Jeder ist verantwortlich für 30 bis 60 Leute. Führungspersönlichkeiten, trotz ihres jugendlichen Alters. Wie das geht? Alle sind Zugführer im Grad eines Leutnants in der Schweizer Armee.

26.10.2018 | Kommunikation Verteidigung

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Leutnant Nicola Grob, Leutnant Florian Frei und Leutnant Lukas Barmettler (vlnr)

Kaserne Brugg, Kanton Aargau, Standort der Genieschule 73. Leutnant Nicola Grob, Leutnant Florian Frei und Leutnant Lukas Barmettler leisten hier ihren praktischen Dienst als Zugführer in der Rekrutenschule.

Der gelernte Maurer Nicola Grob ist 22 Jahre alt und aus dem Kanton Schaffhausen. Eigentlich wollte er zu den Grenadieren, bei der Rekrutierung hat man ihm aber die Funktion eines Sappeurs vorgeschlagen. Brückenbauer der Genietruppen also. «Das war schlussendlich nicht verkehrt», erzählt er, «der Bau von Brücken und Stegen geht in Richtung Schalungsbau.» Auch Florian Frei aus dem Luzernischen Obernau ist Sappeur. Der Schreiner, der seine Lehre 2016 abgeschlossen hatte, wird im Herbst 2019 in Biel ein vierjähriges Studium zum Holzbauingenieur beginnen. Frei und Grob sind beide 22 Jahre alt, der Jüngste im Bunde ist der 20-jährige Lukas Barmettler. Wie Leutnant Frei ist auch er von Beruf Schreiner. In der Armee liess er sich zu den Rammpontonieren einteilen, der Grund war für ihn ein pragmatischer: «Ich wollte die Bootsprüfung machen», schmunzelt der Nidwaldner. Die Rammpontoniere, die von einer Schwimmplattform mit Hilfe einer Dieselramme Holzpfähle als Brückenpfeiler in den Fluss- oder Seegrund treiben, können schon in der Rekrutenschule einen militärischen Schiffsführerausweis erwerben. Mit diesem Ausweis kann später kostenlos ein ziviler Schiffsführerausweis beantragt werden. Dies ist nur einer von vielen Vorteilen, die eine militärische Ausbildung mit sich bringt. Der Nothelferausweis oder Führerausweise der verschiedenen Kategorien sind einige der Zertifikate, welche schon in der Rekrutenschule gemacht werden können und auch zivil anerkannt sind. Noch mehr profitieren junge Frauen und Männer, welche sich fürs «Weitermachen» entscheiden.

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Die Kaderausbildung ist auch im Berufsleben von Nutzen: Leutnant Nicola Grob, Zugführer

Er plane und organisiere gerne, sagt Leutnant Grob, «und ich übernehme gerne Verantwortung.» Gute Voraussetzungen also, um in der Armee eine Laufbahn als Miliz-Kader einzuschlagen. Kommendes Jahr will er die Berufsmatur abschliessen, um danach einen weiteren Karriereschritt zu wagen: Entweder ein Studium zum Bauingenieur oder die Ausbildung an einer Polizeischule. «Egal, wofür ich mich später entscheide: Die Kaderausbildung hat mir viel gebracht», so der Maurer. «An der Offiziersschule hatten wir professionelles Kommunikationstraining, mussten Präsentationen halten und wurden dabei gefilmt. Was ich da gelernt habe, wird mir mit Sicherheit auch in meinem späteren Berufsleben von Nutzen sein.» Seine beiden Kameraden nicken. «In meinem Beruf könnte ich zu diesem Zeitpunkt keine 30 Leute führen», ist sich Leutnant Frei sicher. Als Zugführer kann er das. «Wir sind hier wie in einem Praktikum, werden professionell geführt und dürfen Fehler machen», so der Luzerner, «wir sind ja hier, um zu lernen.» Sowohl Nicola Grob als auch Florian Frei haben von der Armee für ihre nächsten beruflichen Schritte eine Ausbildungsgutschrift beantragt. Seit Anfang des Jahres stellt der Bund für Armeekader ab dem Grad eines Feldweibels finanzielle Unterstützung für zivile Aus- und Weiterbildungen zur Verfügung. Zugführer wie Leutnant Frei und Leutnant Grob können unter Einhaltung gewisser Bedingungen bis zu 10'600 Franken erhalten, bei Einheitskommandanten liegt der Maximalbetrag sogar bei 11'300 Franken. Auch Studierende können von einer Karriere in der Miliz profitieren. Die Schweizer Armee hat schweizweit mit aktuell 21 Universitäten und (Fach-)Hochschulen Verträge abgeschlossen. Die in der militärischen Führungsausbildung und -praxis erworbenen Fähigkeiten können an Grund- und Weiterausbildungsprogramme in Form von ECTS-Kreditpunkten, teilweise auch in Form eines Praktikumsnachweises, angerechnet werden.

«Im Alter von 20 Jahren, betreut von Profis, aus 40 Schweizerinnen und Schweizern aus allen Sprachregionen und Bildungsniveaus in 18 Wochen seinen einsatzfähigen Zug formen zu dürfen, ist für den Zugführer, seinen Arbeitgeber und für die Gesellschaft eigentlich unbezahlbar», fasst der Ausbildungschef der Armee, Korpskommandant Daniel Baumgartner, die Vorteile zusammen. «Die Schweizer Armee ist eine Kaderschmiede. In der Bildungslandschaft gibt es nichts Vergleichbares», fügt der Drei-Sterne-General an. «Und auch wenn Arbeitgeber eine Weile auf ihre Arbeiterinnen und Arbeiter verzichten müssen, weil diese in der militärischen Weiterbildung sind: Es ist eine Investition, die sich lohnt.» Denn die Angestellten würden mit einem grossen Plus an Wissen und Fähigkeiten zurückkehren.           

Leutnant Barmettler muss nicht lange überlegen, um für sich die Vorteile der militärischen Kaderausbildung zu benennen: «Ich habe gelernt, zu führen», so der 20-Jährige. «Andere einschätzen zu können, fällt mir heute auch leichter. Es macht mir Spass, die Leute auf ihren Weg zu bringen und zu begleiten.» Dieses Fazit wird ihm für seinen weiteren beruflichen Weg mit Sicherheit hilfreich sein, spielt er doch mit dem Gedanken, Primarlehrer zu werden. In seinem Zug ist der 20-Jährige verantwortlich für 61 Soldaten. Die fast gleich alt sind wie er selber. Um akzeptiert und respektiert zu werden, hat Barmettler ein einfaches Rezept: «Sich selber bleiben, sich selber treu bleiben, dann klappt das», meint er lakonisch. Leutnant Grob fügt an, dass es nicht ganz einfach sei, «Querbeet Menschen» zu führen. «Ich könnte nur durch meinen Grad führen», erklärt er, «aber dann werde ich nicht wahrgenommen. Ich muss menschlich, ruhig und strukturiert führen, dann werde ich geschätzt.» Es sei ein Geben und Nehmen, ergänzt Leutnant Frei. «Wenn man sich Mühe gibt, Ansprechperson und Vorbild ist, kommt etwas zurück», ist er sich sicher.

Lange Tage, kurze Nächte, und das Wochenende dazwischen ist jeweils auch schon fast wieder vorbei, bevor es richtig begonnen hat. Die drei Zugführer werden nach den 18 Wochen Rekrutenschule müde, aber auch gestärkt sein. Sie werden Kameradschaft, Selbstlosigkeit, Disziplin, Loyalität und Durchhaltewillen erlebt und reale statt virtuelle Sozialkompetenz vorgelebt haben. Sie werden fitter sein und ihren Altersgenossen einiges voraushaben. Ihr Lebenslauf wird beeindrucken.


Mehrwert durch militärische Führungserfahrung

Auch der Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV), Gian-Luca Lardi, ist überzeugt, dass sich in der Schweizer Armee gesammelte Führungserfahrung im zivilen Berufsleben als wertvoll erweist. «Während meiner militärischen Karriere habe ich mir schon sehr früh Führungserfahrung aneignen können, welche ich in der Privatwirtschaft später 1:1 habe einsetzen können», erklärt er. Er sieht sich dabei nicht als Einzelfall. «Die Kadermitarbeiter der Baufirmen können auf den Baustellen einen Grossteil der führungstechnischen Kompetenzen, die sie in der Armee erworben haben, direkt anwenden», so Lardi. «Deshalb ist es dem SBV ein grosses Anliegen, die Zusammenarbeit mit der Armee zu pflegen. So können wir auch i Zukunft gegenseitig voneinander profitieren. »

 

Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift «Schweizer Bauwirtschaft», Ausgabe Nr. 11 vom 24.10.2018, erschienen.