Kampfmittelabwehr: Wissen, das Leben schützt
In einem Pilotkurs erwerben angehende Berufsmilitärs grundlegende Kompetenzen in der Kampfmittelabwehr. Die Ausbildung vermittelt Sensibilisierung, Eigenschutz und Standardverfahren bei Kampfmittelfunden – Fähigkeiten, die im Einsatz Kameradinnen, Kameraden und die Zivilbevölkerung schützen können und somit zur Verteidigungsfähigkeit beitragen.

Text: Kommando Ausbildung, Michael Senn
Wenn eine neue Einheit gegründet wird, kann ein gemeinsames Motto Identität stiften, Orientierung geben und den Auftrag in wenigen Worten auf den Punkt bringen. Der Fachbereich Kampfmittelabwehr aller Truppen hat sich für das Leitspruch non nobis solum entschieden – «nicht nur für uns allein».
Der Sockel der Pyramide
Warum dieses Motto gewählt wurde, zeigt der Auftrag dieses neuen Fachbereichs: Ziel ist es, Soldatinnen und Soldaten auf gefechtstechnischer Stufe für den Umgang mit Kampfmitteln auszubilden. Ähnlich wie beim Geniedienst aller Truppen, tragen die Expertinnen und Experten des Lehrverbands Genie/Rettung/ABC auch hiermit zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit bei, indem sich weite Teile der Truppe entscheidende Fähigkeiten aneignen.
Mit dem Kommando KAMIR verfügt die Armee heute über spezialisierte und international angesehene Profis, welche sich tagtäglich im In- und Ausland mit der Beseitigung von Kampfmitteln befassen. Am heutigen Tag finden sich in der Panzersappeur-Arena auf dem Waffenplatz Thun aber rund 20 angehende Berufsmilitärs (BM) ein, welche bis auf eine eintägige Einführung noch keinerlei Berührungspunkte mit dieser Thematik hatten. Unter der Leitung von Stabsadjutant Adrian Zuber absolvieren sie in einem Pilotversuch die Ausbildung des Niveaus «Basic». Die Ausbildung vermittelt, Gefahren früh zu erkennen, sich selbst zu schützen und sich im Ernstfall in Sicherheit zu bringen. Während die Profis des Kommando KAMIR die Spitze der Pyramide darstellen, bildet diese Stufe also den Sockel.
Ein neues Bewusstsein
Im praktischen Teil wird schnell klar, dass die Kursteilnehmenden Neuland betreten. Die Schwierigkeit besteht darin, viel trainierte Einsatzverfahren wie beispielsweise den gesicherten Halt mit der bislang wenig beachteten Bedrohung von Kampfmitteln zu ergänzen. Minen und improvisierte Sprengsätze zwingen dazu, sich langsamer und überlegter zu bewegen. Deshalb trainieren die angehenden Berufsmilitärs Standardverhalten wie das sogenannte 5/25, um Gefahren möglichst früh zu erkennen. Dabei wird der Bereich um das Fahrzeug zuerst auf eine Distanz von fünf und später auf 25 Meter nach potenziellen Gefahren abgesucht.
Zum Schutze aller
Weitere Ausbildungssequenzen umfassen das Absuchen von zu passierenden Strassen oder Stellen, die sich besonders für einen Anschlag eignen. Um möglichst realitätsnah zu trainieren, werden Attrappen platziert. Diese verlangen von den Auszubildenden volle Aufmerksamkeit und ermöglichen, dass sie das Verhalten bei einem Kampfmittelfund konkret üben können.
Der anschliessende Theorieteil stellt bei den rekordverdächtigen Temperaturen eine willkommene Abwechslung dar. Die Kursteilnehmenden präsentieren aktuelle Beispiele aus Kriegsgebieten. Dabei werden auch besonders perfide Methoden vorgestellt: Ein Video zeigt, wie Spielzeuge, die beim Aufheben einen Sprengsatz auslösen, bewusst auf die Zivilbevölkerung und insbesondere Kinder abzielen. Das hier vermittelte Wissen hilft, Gefahren früher zu erkennen und Menschen besser zu schützen. Getreu dem Motto non nobis solum, sondern zum Schutze aller.
Um die verschiedenen Ausbildungsstufen der Kampfmittelabwehr zu erklären, nutzt Stabsadjutant Adrian Zuber das Bild einer Pyramide. Die Ausbildung ist in vier Stufen gegliedert. Die Basisausbildung vermittelt das Erkennen und richtige Verhalten bei Kampfmitteln. Darauf folgen Kampfmittelaufklärung und Kampfmittelräumung. Den Abschluss bilden die KAMIR-Spezialisten, die sämtliche Arten von Kampfmitteln beseitigen können.
Um die Truppe auf das Basic-Niveau zu bringen, werden ab nächstem Jahr Einführungskurse für Berufsmilitärs der Rekruten- und Kaderschulen angeboten. So kann die Kampfmittelabwehr aller Truppen per RS-Start 2/27 in die allgemeine Grundausbildung einfliessen und den Soldatinnen und Soldaten ein weiteres Rüstzeug in die Hand geben, um im Einsatz erfolgreich zu sein.
2029 wird zudem die neue Rekrutierungsfunktion des Kampfmittelräumers zur Verfügung stehen. Diese Soldatinnen und Soldaten werden ihre allgemeine Grundausbildung gemeinsam mit (Panzer-)Sappeuren, Rettungssoldaten, Baupionieren oder Flugplatzsappeuren absolvieren, ihr Fachwissen danach vertiefen und später in die entsprechenden Verbände eingeteilt.



