150 Jahre Generalstabsschule: Bereit für eine unsichere Zukunft
Seit 150 Jahren werden an der Generalstabsschule Offizier/-innen ausgebildet. Grund genug, um an dem würdigen Anlass das lange Bestehen der Kaderschmiede zu feiern. Hochkarätige Referent/-innen betonten geschlossen die dringende Notwendigkeit von Investitionen zugunsten der Sicherheit unseres Landes.
Text: Michael Senn, Kommando Ausbildung
Das Areal, auf dem sich die Generalstabsschule (Gst S) in Kriens befindet, könnte in seiner Nutzung kaum unterschiedlicher sein. Hier reihen sich Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten und Kinderspielplätzen nahtlos zwischen eine Justizvollzugsanstalt und die Kaderschmiede der Schweizer Armee ein. Vielleicht ist die augenscheinliche Selbstverständlichkeit dieser Gegensätze ein Teil dessen, was Brigadier Meinrad Keller die «Lebensidee» der Schweiz nennt. Der Kommandant der Gst S, die am 3. September ihr 150-jähriges Bestehen feierte, ging in seiner Rede der Frage auf den Grund, wozu Generalstabsoffiziere und -offizierinnen (Gst Of) letztlich ausgebildet werden – nämlich, um im Ernstfall unser Land und eben diese Lebensform und Freiheit zu verteidigen.
Vor Brigadier Kellers Rede überbrachte die Vorsteherin Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Luzern, Ylfete Fanaj ihre Glückwünsche an die Gst S. In unsicheren Situationen sei es entscheidend, handlungsfähig zu bleiben. Dass Gst Of diese wichtige Fähigkeit beherrschen, dürfe Fanaj bei ihrer Arbeit immer wieder feststellen, da ein Mitarbeiter aus ihrem engsten Umfeld die Ausbildung in Kriens erfolgreich durchlaufen hat.
Das Marschtempo muss erhöht werden
Staatssekretär Dr. Markus Mäder warnte davor, dass einem neutralen Kleinstaat wie der Schweiz das gleiche Schicksal ereilen könnte, wie es den Meliern im peloponnesischen Krieg widerfahren ist. Angesichts der Schwächung des internationalen Rechts zeichnet sich eine Rückkehr zur Machtpolitik ab, wie sie die Athener bei der Zerstörung des verteidigungsunfähigen Melos angewendet hatten. Deshalb sei es entscheidend, dass die Schweiz ihr «Marschtempo erhöhe», um die in der sicherheitspolitischen Strategie des SEPOS definierten Ziele zu erreichen.
«Mau chli angers» will es der Chef der Armee, Korpskommandant Benedikt Roos, machen. Der Leitspruch, den er in seiner früheren Funktion als Bataillonskommandant geprägt hatte, teilt den gleichen Grundgedanken wie Mäders Erhöhung des Marschtempos. Die düstere sicherheitspolitische Lage erfordere es, dass wir Bewährtes kritisch hinterfragen, administrative Leerläufe vermeiden und unsere volle Energie dem Kernauftrag Verteidigung widmen. Das brauche Mut, Entschlossenheit und den Blick fürs Wesentliche – Eigenschaften, die in der Generalstabsausbildung ebenfalls zentral seien.
Verteidigungsfähigkeit braucht Ressourcen
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wies NZZ-Redaktor Georg Häsler darauf hin, dass die von der Armee definierte wahrscheinlichste Bedrohung nicht bloss ein fiktives Szenario, sondern die aktuelle Lage sei. Facetten des hybriden Kriegs wie Spionage, Cyberangriffe und Desinformation fänden täglich statt. Deshalb gehe es jetzt nicht mehr darum, einen «finanzpolitischen Schönheitspreis» zu gewinnen, sondern endlich die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit die Armee ihren Auftrag erfüllen und eine glaubwürdige Abschreckungswirkung erzielen könne.
Den Abschluss stellte die Einweihung eines Gedenksteins an das 150-jährige Bestehen der Gst S dar. Zudem erhielten alle Teilnehmenden ein von Dr. Walter Troxler verfasstes Buch zur Geschichte der Gst S, deren Motto seit eineinhalb Jahrhunderten den Fleiss und das Engagement ihrer Absolvent/-innen versinnbildlicht: labor omnia vincit – Arbeit siegt über alles.
«AVANTI Gst S»
Die Moderation sowie die Podiumsdiskussion wurde von drei angehenden Gst Of übernommen, die sich mitten im Generalstabslehrgang (GLG) II befinden. Sie gehören damit zu den ersten, welche diesen Lehrgang in seiner neuen Form absolvieren. Diese Anpassung ist eine von vielen aus dem Umgestaltungs-Projekt «AVANTI Gst S». Hauptbestandteil ist die fokussiertere Ausrichtung auf die Verteidigungsfähigkeit. Dies zeichnet sich insbesondere durch das Schwergewicht auf dem Gefecht der verbundenen Waffen aus. Dafür wurde ein neues Übungsszenario mit dem Namen «LU-25» erarbeitet. Des Weiteren wurde unter anderem ein Vorkurs geschaffen und die Brevetierung zum Gst Of erfolgt neu nach dem GLG III. Die Gst S beweist damit, dass sie trotz ihrer langen Geschichte agil bleibt und sich den Anforderungen der Zeit anpasst.






