Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 21. Mai 2026

LMT Obiliq: Zwischen Bevölkerung, Energiefragen und Lagebild

Im Einsatzraum rund um Obiliq zeigt sich exemplarisch, wie vielschichtig die Arbeit eines Liaison and Monitoring Teams (LMT) ist. Hier, im Zentrum des Kosovo, treffen gesellschaftliche, wirtschaftliche und infrastrukturelle Themen direkt aufeinander – und mittendrin: die LMT der SWISSCOY. Ihr Auftrag innerhalb der KFOR ist klar definiert: durch Präsenz, Gespräche und Beobachtungen ein möglichst umfassendes Lagebild zu erstellen. Doch dieses Lagebild entsteht nicht am Schreibtisch, sondern im täglichen Austausch mit der Bevölkerung, lokalen Behörden und weiteren Akteuren im Einsatzraum.

Durch den engen Austausch mit lokalen Behörden und der Bevölkerung gewinnen die Liaison and Monitoring Teams (LMT) der SWISSCOY für die KFOR entscheidungsrelevante Erkenntnisse zur Beurteilung der Sicherheitslage.

Text und Fotos Fachof Brändli Micha, Presse- und Informationsoffizier SWISSCOY 54

Ein Arbeitstag beginnt meist mit einer kurzen internen Abstimmung über anstehende Aufgaben, bevor das Team die Sprachmittler trifft, das Camp Film City in Pristina verlässt und unter die Bevölkerung geht. In seiner Area of Responsibility (AOR) führt das Team tagtäglich Gespräche mit der Bevölkerung vor Ort, welche oft die entscheidenden Informationen liefern. Welche Themen beschäftigen die Menschen? Wo entstehen Spannungen? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab? Am Nachmittag folgen Patrouillen durch das Verantwortungsgebiet, bei denen gezielt Eindrücke gesammelt und Veränderungen wahrgenommen werden. Relevante Beobachtungen – insbesondere solche mit Einfluss auf das sichere Umfeld oder die Bewegungsfreiheit haben – werden anschliessend rapportiert.

Diversität im Zusammenleben

Kosovo-Albaner, Kosovo-Serben, Ashkali, Roma sowie Angehörige weiterer Ethnien leben und arbeiten in der Gemeinde Obiliq, welche an die kosovarische Hauptstadt Pristina angrenzt. Dementsprechend vielseitig und abwechslungsreich ist die Arbeit des Schweizer Liaison and Monitoring Team (LMT) in dieser Region. Der Kosovo-Krieg und seine Folgen prägen grosse Teile der Bevölkerung noch bis heute. So säumen im Dorf Sibovac zahlreiche Fahnen der «Befreiungsarmee des Kosovo» (UÇK) die holprigen Strassen, während die Läden im verträumten Babin Most nur serbische Milch verkaufen.

Im Spannungsfeld der Energieversorgung

Gerade in Obiliq wird deutlich, wie eng verschiedene Themen miteinander verknüpft sind. Die Region ist stark geprägt durch die Anlagen der Korporata Energjetike e Kosovës, kurz «KEK», die den überwiegenden Teil der Stromproduktion im Kosovo sicherstellen. Die beiden Kohlekraftwerke und die dazugehörigen Tagebaue sind nicht nur wirtschaftlich zentral, sondern auch immer wieder Gegenstand von Gesprächen. Dabei stehen unterschiedliche Perspektiven im Raum: Einerseits ist die Energieproduktion für das Funktionieren des Landes unverzichtbar. Andererseits bringen die veralteten Anlagen Herausforderungen mit sich – sowohl technisch als auch ökologisch. Immer wieder kommt es zu Störungen oder Ausfällen, die direkte Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung haben können.

Hinzu kommt der fortlaufende Abbau von Braunkohle. Um den Bedarf der Kraftwerke zu decken, werden grosse Mengen gefördert – mit sichtbaren Konsequenzen für die Region. Ganze Landstriche verändern ihr Gesicht, und vereinzelt müssen auch Dörfer dem Abbau weichen. Für die betroffenen Menschen bedeutet dies tiefgreifende Einschnitte, die weit über wirtschaftliche Fragen hinausgehen.

Präsenz als Grundlage für Vertrauen und Offenheit

Genau in diesem Spannungsfeld bewegen sich die Observerinnen und Observer des LMT Obiliq. Sie sind Ansprechpartner, Beobachter und Vermittler zugleich – ein Sensor im Einsatzraum, der unterschiedliche Wahrnehmungen aufnimmt und einordnet. Ob es um Energiefragen, wirtschaftliche Perspektiven oder gesellschaftliche Themen geht. Die Gespräche vor Ort liefern ein differenziertes Bild, das für alle beteiligten Akteure von Bedeutung ist. Die Stärke der LMT liegt dabei in ihrer Nähe zur Bevölkerung. Durch kontinuierlichen Austausch entsteht Vertrauen – eine Voraussetzung, um auch sensible Themen offen ansprechen zu können. Gleichzeitig ermöglicht diese Präsenz, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in den Gesamtkontext der Sicherheitslage einzuordnen. So wird im Alltag deutlich: Die Arbeit der LMT ist weit mehr als ein reiner Informations-Sensor. Sie verbindet Menschen, Themen und Perspektiven – und trägt damit entscheidend dazu bei, ein stabiles und sicheres Umfeld im Einsatzraum zu fördern.