Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 5. Februar 2026

Lage verstehen, Wirkung erzielen: Wie das LMT Coordination Center die Führung der KFOR unterstützt

Als zentrale Schnittstelle zwischen den Liaison and Monitoring Teams und der Führung der KFOR spielt das LMT Coordination Center eine entscheidende Rolle für das aktuelle Lageverständnis im Einsatzraum. Major Adrian, Stabsoffizier im LMT CC, verarbeitet täglich eine grosse Anzahl an Rapporten aus dem gesamten Kosovo. Im Interview gibt er Einblick in seine anspruchsvolle Arbeit im Hauptquartier, die multinationale Zusammenarbeit sowie in die Erfahrungen, die seine heutige Funktion prägen.

Major Adrian, Stabsoffizier im LMT Coordination Center in der KFOR.

Interview geführt von Fachof Fiona Lehmann, Presse- und Informationsoffizierin SWISSCOY 53

Major Adrian, was umfasst Ihr Aufgabenbereich im LMT Coordination Center?

Das LMT CC – die Coordination Cell – verarbeitet sämtliche Tagesrapporte der Liaison and Monitoring Teams. Diese Beobachtungsteams fungieren als Sensoren der KFOR und liefern wertvolle Einschätzungen zur aktuellen Lage im Einsatzraum. Aus diesen Informationen erstellen wir im LMT CC den sogenannten «Most Interesting Reports», eine selektierte Zusammenfassung, die im Hauptquartier der Mission in Pristina verteilt wird. Unser Hauptprodukt ist jedoch die PMESII-Analyse, die politische, militärische, wirtschaftliche, soziale, infrastrukturelle und informationsbezogene Aspekte abdeckt. Diese Einschätzungen können der Führung der KFOR als Entscheidungsgrundlage dienen. Entsprechend hoch ist die Verantwortung – jede Formulierung muss präzise, sachlich und politisch sensibel gewählt sein.

Mit welchen Nationen arbeiten Sie am engsten zusammen?

Die Zusammenarbeit ist stark multinational geprägt. Mein direkter Vorgesetzter ist ein slowenischer Oberstleutnant und der Chef der Joint Effect Cell, der vorgesetzten Stelle des LMT CC, ein ungarischer Oberst. Mein unmittelbarer Mitarbeiter ist ein ungarischer Hauptmann. Gemeinsam bewältigen wir die tägliche Auswertung und Aufbereitung der Vielzahl der eingehenden Rapporte.

Gibt es Berührungspunkte mit anderen Schweizer Stabsoffizieren im HQ?

Im Tagesgeschäft eher punktuell. Beim Morning Update Briefing mit dem Kommandanten der KFOR trifft man jedoch praktisch alle Stabsoffiziere des Hauptquartiers. Diese Formate fördern den informellen Austausch und das gegenseitige Verständnis.

Sie bringen viel Einsatzerfahrung aus früheren SWISSCOY-Kontingenten mit. Welche Stationen waren besonders prägend?

Ich war in mehreren Kontingenten eingesetzt und habe unterschiedliche Funktionen wahrgenommen. Neben der einsatzbezogenen Ausbildung in der Schweiz hatte ich dank SWISSINT auch die Möglichkeit, in Deutschland mit den künftigen KFOR-Angehörigen der US-Streitkräfte zu trainieren. Besonders beeindruckt hat mich der strukturierte Military Decision Making Process sowie die sehr detaillierten After Action Reviews. Diese Erfahrungen haben meinen Blick für Analyse, Planung und Entscheidungsfindung nachhaltig geschärft.

Welche dieser Erfahrungen helfen Ihnen heute am meisten?

Grundsätzlich alle. Die Tätigkeit als LMT sowie Einsätze in beiden Regional Commands (RC-East und RC-West) erleichtern mir das Einordnen der Rapporte erheblich. Gleichzeitig steigen damit aber auch die Erwartungen an meine Beurteilungen. Prozesse auf Stufe HQ oder RC wirken aus dieser Perspektive teilweise komplexer, als sie aus operativer Sicht sein müssten. Geduld ist daher eine wichtige Kompetenz.

Wie erleben Sie die Arbeit im Hauptquartier im Vergleich zum Kontingentsalltag?

Die Arbeit im HQ ist fachlich sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Gleichzeitig schätze ich den Kontakt zu den anderen Angehörigen des Schweizer Kontingents sehr – sei es bei gemeinsamen Abendessen oder einem Fondue im Swiss House. Diese Kameradschaft ist ein wichtiger Ausgleich und wird mir nach dem Einsatz sicher fehlen.

Was empfehlen Sie Armeeangehörigen, die sich aktuell auf einen Einsatz vorbereiten?

Kameradschaft und offene Kommunikation sind zentral. Probleme sollten bereits in der Ausbildung angesprochen werden. Unausgesprochenes kann im Einsatz schnell zur Belastung werden.

Welche persönliche Lehre ziehen Sie aus Ihrem bisherigen Einsatz?

Nicht vorschnell urteilen und offen bleiben für andere Perspektiven. Die multinationale Zusammenarbeit zeigt, wie unterschiedlich Herangehensweisen sein können. Genau diese Vielfalt führt jedoch zu ausgewogeneren Lagebeurteilungen.

Was motiviert Sie in Ihrer aktuellen Funktion am meisten?

Besonders wertvoll sind die Field Coordination Visits zu den LMT vor Ort. Sie schaffen Nähe zur Realität im Einsatzraum und verdeutlichen immer wieder, weshalb unsere Arbeit im Hauptquartier von zentraler Bedeutung ist.