Kooperation zwischen Ausbildungszentren bringt Vorteile
Wie die Schweizer Armee verfügen auch die niederländischen Streitkräfte über ein Ausbildungszentrum für Friedensförderung, die sogenannte School voor Vredesmissies (SVV). Durch den Austausch im Rahmen von 4-PCE – Fo(u)r Peace Central Europe auf verschiedenen Ebenen profitieren beide Zentren voneinander.

Text Oberstleutnant Remco Steijn, Commandant School voor Vredesmissies (SVV), Koninklijke Nederlandse Landmacht
Die Schule wurde 1993 unter dem Namen Centrum voor Vredesmissies (CVV) gegründet und befand sich zunächst in Harskamp, bevor sie nach Ossendrecht verlegt wurde. Damals hatte das CVV die Grösse eines Bataillons mit mehreren Ausbildungskompanien und bildete Wehrpflichtige aus, die sich freiwillig als Fahrer für Transporteinheiten in Bosnien und Herzegowina sowie für weltweit im Einsatz stehende Nachrichtensoldaten und Beobachter gemeldet hatten. 1997 erfolgte der Umzug nach Amersfoort sowie die Umbenennung in School voor Vredesmissies (SVV). Seit 2008 ist die Schule wieder in Harskamp ansässig, in der Kaserne General Winkelman.
Vielfältiges Themenspektrum für Zivil- und Militärpersonen
Die SVV unterstützt Soldatinnen und Soldaten bei der Vorbereitung und Durchführung von Einsätzen, indem sie ihre allgemeinen militärischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Abläufe durch relevante und missionsspezifische Themen ergänzt. Das Ziel dieser zusätzlichen Ausbildungseinheiten ist es das Bewusstsein für das eigene Handeln, das Handeln anderer, das Einsatzumfeld sowie für mögliche Faktoren zu schärfen, die das Verhalten beeinflussen können. Die Schule bildet jährlich rund 3000 Frauen und Männer in verschiedenen Kursen aus, die nicht nur militärischem Personal offenstehen, sondern auch Angehörigen ziviler Organisationen. Während dieser Einsatzvorbereitung, die je nach Mission drei bis sechs Tage dauert, wird ein breites Themenspektrum abgedeckt – darunter sind allgemeine Informationen zum Einsatzgebiet und Konflikt, zur Kultur, Hygiene, interkulturellen Kommunikation, zum internationalen humanitären Völkerrecht, zur Sicherheit, zum Umgang mit Medien sowie zu einsatzrelevanten Cyberbedrohungen.
EU und UNO definieren Kursinhalte
Darüber hinaus bietet die SVV Ausbildungen im Bereich Sicherheit an, die sogenannten Hostile Environment Awareness Trainings (HEAT). Diese richten sich an Angehörige der Nationalen Polizei respektive der Nationalen Einheit sowie an Mitarbeitende des Internationalen Gerichtshofs, des Institute for International Criminal Investigations und des Niederländischen Journalistenverbandes. Die Inhalte werden von der EU und der UNO festgelegt und spiegeln die relevantesten Bedrohungen in den Einsatzgebieten wider. Die Ausbildung findet in einer simulierten Umgebung statt, um die Teilnehmenden mit mangelnder Privatsphäre sowie mit den einfachen und oft extremen Bedingungen zu konfrontieren, denen sie während ihrem Einsatz wahrscheinlich ausgesetzt sind.
Multinationale Teams wie im Einsatz
Um nicht nur Militärbeobachterinnen und -beobachter, sondern auch militärische und zivile Polizeikräfte auf Einsätze in UNO- oder EU-Missionen vorzubereiten, führt die SVV zwei international akkreditierte Ausbildungsgänge durch: den United Nations Military Observer Course (UNMOC) und den United Nations Police Course (UNPOL). Beide Kurse finden zweimal jährlich statt und schliessen mit einer praktischen Schlussübung ab. Die Teilnehmenden arbeiten in multinationalen Teams zusammen und operieren von einer simulierten Basis aus in einem Nachkriegsszenario, wobei sie gemeinsam arbeiten und leben.
4-PCE ist eine wichtige Partnerschaft
Die SVV ist in verschiedene internationale Partnerschaften zur individuellen Ausbildung für militärische Friedensförderungsmissionen eingebunden. Die wichtigste davon ist Fo(u)r-Peace Central Europe (4-PCE), der Deutschland, Österreich, Schweiz und die Niederlande angehören. 4-PCE wurde 2008 gegründet und ist nach wie vor von grosser Bedeutung. Sie ermöglicht der Schule den Austausch von Instruktorinnen und Instruktoren, Wissen und Erfahrungen mit den Partnerausbildungszentren. Deshalb freue ich mich, dass wir die Zusammenarbeit mit den UNO- und HEAT-Kursen weiter ausgebaut haben. Diese Partnerschaft unterstreichen wir mit einem gemeinsamen Zertifikat, das Teilnehmenden verliehen wird, welche die Ausbildung erfolgreich absolvieren. Die Zusammenarbeit mit dem Ausbildungszentrum SWISSINT und den anderen Partnerinstitutionen verläuft sehr positiv. Besonders hervorzuheben ist die Professionalität der Schweizer Instruktorinnen und Instruktoren sowie die Durchführung der Sommerabschlussübung des UNMOC, «Blue Flag», in der schönen Umgebung von Appenzell.
Realistische Ausbildung für angehende Peacekeeper
Als Kommandant sehe ich für beide Ausbildungsinstitutionen grosse Vorteile darin, die Qualität ihrer Instruktorinnen und Instruktoren kontinuierlich zu steigern, wodurch sich wiederum der Standard der Ausbildungszentren verbessert. Die Lektionen sind hochwertig und praxisnah, so werden sowohl das militärische als auch das zivile Personal optimal auf die anspruchsvollen Aufgaben während ihrer Einsätze vorbereitet. Ich hoffe, dass die School voor Vredesmissies die erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb der 4-PCE Partnerschaft noch viele Jahre fortsetzen und weiterentwickeln kann, denn eine realistische Vorbereitung und Ausbildung werden weiterhin entscheidend für Peacekeeper auf der ganzen Welt sein.
