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MitteilungVeröffentlicht am 3. März 2026

Kooperation zwischen Ausbildungszentren bringt Vorteile

Wie die Schweizer Armee verfügen auch die niederländischen Streitkräfte über ein Ausbildungszentrum für Friedensförderung, die sogenannte School voor Vredesmissies (SVV). Durch den Aus­tausch im Rahmen von 4-PCE – Fo(u)r Peace Central Europe auf ver­schiedenen Ebenen profitieren beide Zentren voneinander.

Wissen teilen, Qualität stärken: Im Rahmen von Fo(u)r-Peace Central Europe (4-PCE) tauschen die Niederlande und die Schweiz Instruktorinnen und Instruktoren ihrer Ausbildungszentren für militärische Friedensförderungsmissionen aus.

Text Oberstleutnant Remco Steijn, Commandant School voor Vredesmissies (SVV), Koninklijke Nederlandse Landmacht

Die Schule wurde 1993 unter dem Namen Centrum voor Vredesmissies (CVV) gegründet und befand sich zunächst in Harskamp, bevor sie nach Ossendrecht verlegt wurde. Damals hatte das CVV die Grösse eines Batail­lons mit mehreren Ausbildungskompanien und bildete Wehrpflichtige aus, die sich freiwillig als Fahrer für Transporteinheiten in Bosnien und Herzegowina sowie für weltweit im Einsatz stehende Nachrichtensol­daten und Beobachter gemeldet hatten. 1997 erfolgte der Umzug nach Amersfoort sowie die Umbenennung in School voor Vredesmissies (SVV). Seit 2008 ist die Schule wieder in Harskamp ansässig, in der Kaserne Gene­ral Winkelman.

Vielfältiges Themenspektrum für Zivil- und Militärpersonen

Die SVV unterstützt Soldatinnen und Soldaten bei der Vorbereitung und Durchführung von Einsätzen, indem sie ihre allgemeinen militärischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Abläufe durch relevante und missionsspezi­fische Themen ergänzt. Das Ziel dieser zusätzlichen Ausbildungseinheiten ist es das Bewusstsein für das eigene Handeln, das Handeln anderer, das Einsatzumfeld sowie für mögliche Faktoren zu schärfen, die das Verhal­ten beeinflussen können. Die Schule bildet jährlich rund 3000 Frauen und Männer in verschiedenen Kursen aus, die nicht nur militärischem Perso­nal offenstehen, sondern auch Angehörigen ziviler Organisationen. Wäh­rend dieser Einsatzvorbereitung, die je nach Mission drei bis sechs Tage dauert, wird ein breites Themenspektrum abgedeckt – darunter sind allge­meine Informationen zum Einsatzgebiet und Konflikt, zur Kultur, Hygiene, interkulturellen Kommunikation, zum internationalen humanitären Völkerrecht, zur Sicherheit, zum Umgang mit Medien sowie zu einsatzrele­vanten Cyberbedrohungen.

EU und UNO definieren Kursinhalte

Darüber hinaus bietet die SVV Ausbildungen im Bereich Sicherheit an, die sogenannten Hostile Environment Awareness Trainings (HEAT). Diese richten sich an Angehörige der Nationalen Polizei respektive der Nationa­len Einheit sowie an Mitarbeitende des Internationalen Gerichtshofs, des Institute for International Criminal Investigations und des Niederländi­schen Journalistenverbandes. Die Inhalte werden von der EU und der UNO festgelegt und spiegeln die relevantesten Bedrohungen in den Einsatzge­bieten wider. Die Ausbildung findet in einer simulierten Umgebung statt, um die Teilnehmenden mit mangelnder Privatsphäre sowie mit den ein­fachen und oft extremen Bedingungen zu konfrontieren, denen sie wäh­rend ihrem Einsatz wahrscheinlich ausgesetzt sind.

Multinationale Teams wie im Einsatz

Um nicht nur Militärbeobachterinnen und -beobachter, sondern auch mili­tärische und zivile Polizeikräfte auf Einsätze in UNO- oder EU-Missionen vorzubereiten, führt die SVV zwei international akkreditierte Ausbildungs­gänge durch: den United Nations Military Observer Course (UNMOC) und den United Nations Police Course (UNPOL). Beide Kurse finden zweimal jährlich statt und schliessen mit einer praktischen Schlussübung ab. Die Teilnehmenden arbeiten in multinationalen Teams zusammen und ope­rieren von einer simulierten Basis aus in einem Nachkriegsszenario, wobei sie gemeinsam arbeiten und leben.

4-PCE ist eine wichtige Partnerschaft

Die SVV ist in verschiedene internationale Partnerschaften zur individu­ellen Ausbildung für militärische Friedensförderungsmissionen einge­bunden. Die wichtigste davon ist Fo(u)r-Peace Central Europe (4-PCE), der Deutschland, Österreich, Schweiz und die Niederlande angehören. 4-PCE wurde 2008 gegründet und ist nach wie vor von grosser Bedeu­tung. Sie ermöglicht der Schule den Austausch von Instruktorinnen und Instruktoren, Wissen und Erfahrungen mit den Partnerausbildungszentren. Deshalb freue ich mich, dass wir die Zusammenarbeit mit den UNO- und HEAT-Kursen weiter ausgebaut haben. Diese Partnerschaft unterstrei­chen wir mit einem gemeinsamen Zertifikat, das Teilnehmenden verliehen wird, welche die Ausbildung erfolgreich absolvieren. Die Zusammenar­beit mit dem Ausbildungszentrum SWISSINT und den anderen Partner­institutionen verläuft sehr positiv. Besonders hervorzuheben ist die Pro­fessionalität der Schweizer Instruktorinnen und Instruktoren sowie die Durchführung der Sommerabschlussübung des UNMOC, «Blue Flag», in der schönen Umgebung von Appenzell.

Realistische Ausbildung für angehende Peacekeeper

Als Kommandant sehe ich für beide Ausbildungsinstitutionen grosse Vor­teile darin, die Qualität ihrer Instruktorinnen und Instruktoren konti­nuierlich zu steigern, wodurch sich wiederum der Standard der Ausbil­dungszentren verbessert. Die Lektionen sind hochwertig und praxisnah, so werden sowohl das militärische als auch das zivile Personal optimal auf die anspruchsvollen Aufgaben während ihrer Einsätze vorbereitet. Ich hoffe, dass die School voor Vredesmissies die erfolgreiche Zusammenar­beit innerhalb der 4-PCE Partnerschaft noch viele Jahre fortsetzen und wei­terentwickeln kann, denn eine realistische Vorbereitung und Ausbildung werden weiterhin entscheidend für Peacekeeper auf der ganzen Welt sein.

Im Rahmen von 4-PCE stehen die Kommandanten der School voor Vredesmissies, Oberstleutnant Remco Steijn (links), und des Ausbildungszentrums SWISSINT, Oberst i Gst Adrian Staub, regelmässig im Austausch.